„Komm, wir reisen in den Iran.“ – Als ich diesen Satz aus dem Mund meiner Mutter zum ersten Mal gehört habe war ich doch sehr verwundert. Der Iran ist schließlich kein typisches Reiseziel wie Thailand, Mallorca oder Ostsee. In den Iran fährt man nicht für hemmungslose Saufeskapaden, belanglosen Strandurlaub oder ausschweifende Shoppingtouren. Mehr gilt es, ein von unglaublicher Historie und Kultur geprägtes Land zu entdecken und sich dabei allerdings nicht von der Gewaltigkeit einschüchtern zu lassen.

Denn wenn man genauer zwischen Moscheen, Mausoleen und Basaren Ausschau hält, kriegt man Einblicke in einen doch untypisch typischen Alltag der iranischen Bevölkerung. Zwischen aufblühenden Gegenbewegungen und alteingesessenen Traditionen findet sich immer die Zeit um Besuchern ihre eigene Perspektive des faszinierenden Landes zu zeigen.

Wir haben vier Personen befragt, die es am Besten wissen müssen: Ob selber gereist oder selber im Iran zuhause – sie alle teilen die Leidenschaft, den Iran Freunden, Familien und nun auch i-ref-Lesern näherzubringen. Und, wann reist du in den Iran?

Was macht den Iran so besonders?
„Mehr Menschen sollten sich ein eigenes Bild von diesem einzigartigen Land machen, welches eine Schlüsselrolle im weltpolitischen Geschehen spielt, in den westlichen Medien jedoch oft verzerrt dargestellt und stereotypisiert wird. Es wird daher höchste Zeit, dass vor allem mehr junge world traveller den Iran entdecken und die dort erlebten Eindrücke in ihre Heimatländer tragen und somit zu einem kulturellen Dialog beitragen. Kaum ein Land vereint so viele Widersprüche und strahlt zugleich solch eine große Anziehungskraft aus – sowohl im Hinblick auf seine jahrtausendealte Geschichte und Kultur, als auch im Hinblick auf seine atemberaubende Naturlandschaft und die dort lebenden Menschen und ihre Traditionen. Statt zum 10. Mal nach Bali – reist doch mal in den Iran! It will be worth it.“ – Anahita Sadighi
Anahita Sadighi wurde in Teheran geboren und ist in Berlin aufgewachsen. Sie betreibt ihre eigene Galerie mit dem Schwerpunkt auf asiatischer Kunst und eröffnet am 27. April ihrer zweite Galerie in Berlin, Anahita Contemporary.

 

Wieso sollte man gerade jetzt in den Iran reisen?

„Der Iran ist zu jeder Zeit eine Reise wert. In keinem anderen Land habe ich bisher solch eine Gastfreundschaft, Neugier und Offenheit der Menschen erlebt. Auch wenn es nun schon ein paar Jahre her ist, seit sich das Land wieder dem Tourismus geöffnet hat, haben sich die Iraner ihre Begeisterung, Gäste in ihrem Land Willkommen zu heißen, bewahrt. 

Es gibt aber auch gute Gründe, weshalb es spannend ist, gerade jetzt in den Iran zu reisen: Die Frauen in der Gesellschaft zeigen zunehmend das Selbstbewusstsein, für mehr Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau einzutreten und sich von den seit der Revolution herrschenden Normen und Regeln zu lösen. In großen Städten gibt es eine wachsende Frauenbewegung und man kann seit ein paar Monaten beobachten, dass sich Frauen symbolisch für diese Bewegung zum Beispiel ohne Kopftuch zeigen.

Zudem sind gerade junge Menschen aufgeschlossen und interessiert daran, sich mit Reisenden über ihren Alltag, ihre Wünsche für sich und ihr Land und ihre Pläne auszutauschen. Das Land ist in Aufbruchsstimmung und eine positive, hoffnungsvolle Grundstimmung ist gerade unter jungen Leuten spürbar. Als Tourist ist das Reisen durch den Iran sehr angenehm und sicher.

Obwohl immer mehr Touristen den Iran als Reiseziel für sich entdecken, ist es nicht überfüllt. Wer jetzt reist, kann sich über kurze bis keine Wartezeiten an den Sehenswürdigkeiten und Fotos ohne Menschenauflauf im Hintergrund freuen.“ – Kristine Hempel

Kristine Hempel ist Produktmanagerin bei SKR Reisen, die unter anderem auch organisierte Touren in den Iran anbieten.

Wie reise ich am Besten alleine durch den Iran?
„Iran hat spektakuläre Architektur, Naturwunder und tolles Essen – und trotzdem waren für mich die echten Reisehighlights immer wieder die Begegnungen mit den Menschen. Ich empfehle sehr, als Alleinreisender spontane Einladungen zum Tee einfach mal anzunehmen. Und Reise-Plattformen wie Couchsurfing zu verwenden, um in Kontakt mit den Einheimischen zu kommen. Ganz wichtig: Immer Gastgeschenke dabeihaben. Sonst kommt man bestimmt in Situationen, in denen man beschämt ist, weil man so unfassbar freundlich behandelt wird.“ – Stephan Orth
Stephan Orth ist Reporter und Buchautor des Spiegel-Bestsellers „Couchsurfing im Iran“. Sein autobiografischer Reisebericht handelt von seinen Begegnungen mit der iranischen Bevölkerung.
Wie entdecke ich die schönsten, spannendsten und interessantesten Seiten des Irans?

„Iran ist ein ziemlich gewöhnliches Land, aber westliche Medien wollen dies nicht wahrhaben. Im Iran herrschen alle vier Jahreszeiten zur selben Zeit: Der Süden ist von Wärme geprägt und wenn man in den Norden reist, wird es kälter und grüner. Meine Landsleute liebe Touristen – wenn du im Iran als Fremder auf Reisen bist, wirst du ganz bestimmt von Vielen nach Hause eingeladen werden um mit uns zu dinieren.“ – Alos

„Ich empfehle es wirklich, dass sich Besucher die vielen touristischen Attraktionen des Irans ansehen sollten. Trotzdem kriegt man viele individuelle Einblicke des Landes wenn man mit Einheimischen unterwegs ist, die einen herumführen können. Wenn ich Besuch bekomme, zeige ich meinen Gästen ebenfalls Facetten meiner Stadt, in denen sich Touristen normalerweise nicht aufhalten – einfach weil sie nicht wissen, dass sie überhaupt existieren.“ – Ali

Ali und Alos sind die Gründer des Fotoprojektes „Everyday Iran“, welches den Alltag der iranischen Bevölkerung porträtiert.