DAS LAND DER KÖNIGE - WILLKOMMEN IN RAJASTHAN

„Unglaubliches Indien“ – so wirbt Indien selbst über das eigene Land und ich muss zugeben, in den letzten zehn Tagen haben wir noch nicht nichts erlebt. Von der von Chaos getriebenen Multimillionenmetropole Delhi ging es hoch in die kargen und schroffen Bergformationen des Himalaya. Während uns in der Hauptstadt des Landes permanent feucht-heiße Luft das Leben schwer gemacht hat, peitschte uns hoch oben am Khardung La ein Schneesturm um die Ohren. Wir sahen riesige Tempel aber auch die kleinsten Pagoden in den Bergen. Indien wurde bis jetzt allen Erwartungen gerecht. Schon jetzt haben wir das Land in das Herz geschlossen, doch unsere Reise sollte noch kein Ende nehmen. Für mich ging es weitere drei Tage nach Rajasthan, das Land der tausend Könige. Wie stellt man sich den gerade einmal siebtgrößten Bundesstaat Indiens mit dennoch knapp 70 Millionen Einwohnern nach Erzählungen anderer vor? Ich erwarte Wüsten, Kamele und wunderschöne Paläste.

Wir starten unsere Tour jedoch nicht wie zu erwarten in Jaipur, der Hauptstadt des nordirischen Bundesstaates, sondern lernen zunächst einmal Jodhpur, die zweitgrößte Stadt Rajasthans, kennenlernen. Mit gerade einmal einer Millionen Einwohner ist die Stadt für indische Verhältnisse vergleichsweise klein, doch auch hier gibt es einiges zu entdecken. Die Stadt, die sich übrigens am Ostrand der allgegenwärtigen Thar-Wüste Nordindiens erstreck, dürfte aus jedem Indien-Reiseführer bekannt sein. Zumindest visuell. Denn Jodphur ist wegen der Farbe seiner Häuser auch als die blaue Stadt bekannt und tatsächlich ist die Farbe blau hier so allgegenwärtig wie Buddha in Indien. Traditionell kennzeichnet die Farbe übrigens die Zugehörigkeit der Bewohner zur Kaste der Brahmanen, wurde allerdings auch von Nicht-Brahmanen übernommen, weshalb das gesamte Stadtbild in blau erstrahlt und der Stadt nicht nur deswegen fast mystisch wirken lässt.

Auch in Jodhpur mangelt es natürlich nicht an Superlativen. Die Stadt wird von der im 15. Jahrhundert erbauten und ständig vergrößerten Festungsanlage Meherangarh überragt, welche auf einem 140 Meter hohen Felsen über den blauen Gassen der Altstadt thront. Es ist das größte Fort Indiens und das soll in Indien, ich kann es euch nur bestätigen, nun weiß Gott viel heißen. Als würde das Fort nicht schon ausreichend majestätisch über der Stadt thronen, kreisen neben uns auch knapp 1.000 Habichtadler an diesem Nachmittag um die Festungsanlage und warten auf ihre tägliche Fütterung. Ein Moment puren Goldes. Am folgenden Tag wird es erneut bunt für uns, denn die farbenfrohen Märkte innerhalb der blauen Altstadt Jodhpurs stehen ganz im Vordergrund. Die kleinen Märkte in der Innenstadt umschließen den Hauptmarkt Sardar sowie den Uhrenturm Ghanta Ghar, welcher von Maharaja Sardar Singh erbaut wurde und dem angrenzenden Markt auch seinen Namen verleiht. Die Auswahl an lokalen und exotischen Produkten ist groß: Neben exotischen Früchten, Gewürzen und indischen Naschereien findet man hier, wie auch auf vielen indischen Märkten, Silberschmuck, leuchtend bunte Textilien und feinstes Kunsthandwerk.

Natürlich wäre eine Reise nach Jodhpur nicht eine Reise nach Jodhpur, wenn eine Fahrt mit dem liebevoll genannten Wüstenschiff fehlen würde. Also kämpfe auch ich mich hoch auf die Höcker eines Kamels und reite in die einzigartige, in rot strahlende Thar-Wüste. Majestätisch schreitend, führen uns die Tiere durch eine märchenhafte Landschaft, die einer Szenerie von 1001 Nacht entsprungen zu sein scheint. Gerne wäre ich einmal durch die sage und schreibe 300.000 Quadratkilometer große Wüste geritten, doch wollte ich eine weitere Stadt garantiert nicht verpassen, ohne die meine Indien-Reise nicht abgeschlossen wäre: Jaipur.

Während Jodhpur weltweit als blaue Stadt bekannt ist, wird Jaipur die rosarote Stadt genannt. Die Innenstadt erstrahlt hier jedoch nicht blau, sondern pinkfarben. Die Hauptstadt des indischen Bundesstaates hat knapp 3 Millionen Einwohner die sich jedoch rasant vermehren. Kein Wunder, schließlich ist sie im Vergleich zu Jodhpur nicht nur Hauptstadt der Region, sondern auch eine schnell wachsende Industriestadt, die sich auch als Kulturzentrum mit Universitäten, Theatern, Kinos und Museen rasch westlich weiterentwickelt.

Parallelen zwischen den Städten gibt es natürlich dennoch. Auch über der Hauptstadt Rajasthans thront ein majestätisches Fort, das etwas außerhalb gelegene Amber Fort. Der Traum aus goldfarbenem Sandstein befindet sich auf einem Hügel und ermöglicht einen tollen Blick bis nach Jaipur selbst. Amber, der Ort an dem sich das Amber Fort hoch in den Himmel erhebt, wurde früher als eine eigenständige Stadt gesehen, gehört jetzt allerdings zu Jaipur. Das Fort wurde von Raja Man Singh I. einem Feldheer des Großmoguls Akbars in den Jahren um 1590 erbaut und diente einst als Fürstenpalast, an dem auch dem ungeschulten Auge viele Elemente aus der Mogul-Architektur auffallen. Die Festung verfügt über mehrere Innenhöfe mit symmetrisch angelegten Gärten, einem bunt verzierten Eingangstor, verwinkelten Gassen und einem beeindruckenden Spiegelsaal.

Im Zentrum Jaipurs besuchten wir natürlich auch das Landesmuseum in der Albert Hall, welches wunderschöne aber vor allem auch seltene indische Artefakte aus der Region beherbergt. Kein Wunder, dass das Museum damit ältestes Museum des Staates ist und zugleich als staatliches Museum von Rajasthan dient. Als wären die Exponate des Museums nicht schon sehenswert genug, das Gebäude befindet sich in Ram Niwas Garten vor der Stadtmauer gegenüber von New Gate und ist zudem ein schönes Beispiel indo-sarazinischer Architektur.

Einige Kilometer hiervon entfernt geht es noch ein wenig imposant weiter – architektonisch gesprochen. Ein wirklich außergewöhnliches Bauwerk in der Altstadt von Jaipur ist das Hawa Mahal – der Palast der Winde. Dieses, im wahrsten Sinne des Wortes, Luftschloss ist Teil des riesigen Stadtpalastes der hiesigen Maharajas, wurde von Maharaja Hawaii Pratap Sing 1799 erbaut, ist heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten Indiens und darüber hinaus in der Welt bekannt. Verständlich.

Anschließend schlendern wir natürlich auch noch durch den angrenzenden Stadtpalast mit seinen hübschen Innenhöfen und Pavillons, die sich über viele Teile im Herzen der Stadt erstrecken. Die äußere Mauer wurde von Jai Singh erbaut, während andere Anbauten teilweise erst in diesem Jahrhundert entstanden. So wundert es nicht, dass der Palast heute in einer glanzvollen Mischung von Rajasthan- und Mogul-Architektur erstrahlt, die ihren architektonischen Höhepunkt im siebenstöckigen Chandra Mahal finden.

Abschließend halten wir natürlich auch noch im City Palace Komplex befindlichen Govind Dev Ji Tempel, der dem bedeutenden Hindu-Gott Krishna geweiht ist. Wie der Name mich schon vermuten lässt, ist der Tempel zu Ehren von  Govind Dev Ji (dem Hindu Gott Krishna) geweiht und, als einer der wirklich heiligsten und berühmtesten Orte in ganz Indien, der krönende Abschluss unserer Reise. Mittelpunkt dieses Prachtstücks ist das berühmte Bild im Inneren des Tempel. Es wird angenommen, dass das Bild in diesem Tempel genau so aussieht,  wie Lord Krishna während seiner Inkarnation auf der Erde. Kein Wunder, dass auch ich neben hunderten von Gläubigen minutenlang auf das Bild starre, bevor ich in den umliegenden Gärten vom Tempel einmal tief Luft hole.

Ihr wollt mehr über meine Reise nach Indien erfahren? Dann lest hier auch die Artikel zur Reise nach Delhi und in den Himalaya.

KOOPERATION

Die Reise nach Indien fand in Kooperation mit Enchanting Travels statt. Folgt Enchanting Travels auch auf der Website, Facebook und Instagram. Sämtliche redaktionell entstandenen Beiträge bleiben von der Kooperation unberührt.

Spannende Routen findet ihr auf der Website von Enchanting Travels hier. Normans Routen in den Himalaya findet ihr hier, die Nordindien Route hier.

Wir bedanken uns bei Enchanting Travels für die perfekte Organisation und dem Programm meiner Reise.