09
Feb
i-ref auf den Bahamas: Es ist Zeit für einen ordentlichen Heulkrampf
HALLELUJAH!

„Hey I made it, I am the world’s greatest“, singt der kleine Junge. Er ist vielleicht 8, 9 Jahre alt und yap, er ist der Größte. Schüchtern steht er vor seiner Kirchen-Gemeinde und singt, ja flüstert zunächst fast ins Mikrofon, was ich von R. Kelly so laut und kraftvoll kenne. Ich singe leise mit und die Tränen kullern mir die Wangen herunter. Da ist er also, der Sturzbach-Moment. Jede Reise hält mindestens einen solchen für mich bereit. Ganz selten ist es Überforderung, manchmal Melancholie, häufig Ergriffenheit – meistens aber eine gesunde Mischung aus diesen drei Gefühlslagen. Hier, in einer kleinen Methodisten-Kirche auf Harbour Island, in die wir wenig zuvor hineingestolpert sind, bin ich ergriffen – und völlig überwältigt.

Bislang kenne ich zwei Arten von sonntäglichen Gottesdiensten: diejenigen, die ich als Konfirmandin im Dorf meiner Kindheit besucht habe, und diejenigen, in denen es laut und fröhlich und herzlich und warm zugehen soll, in denen nicht nur aus voller Seele gesungen, sondern auch getanzt und gelacht wird. Die zweite Variante hat mir der amerikanische Film in mein ikonografisches Gedächtnis gebrannt und ich war schon immer neugierig zu sehen, ob Realität und Fiktion da ansatzweise übereinander passen, nahm aber an, dass es ist wie mit der Liebe in Hollywood – es ist was dran, aber es wird grundsätzlich noch ne Kelle Schlagsahne und ne extrasüße Cocktailkirsche obendrauf gehauen.

Doch das, was ich in dieser kleinen Kirche auf dieser hübschen kleinen Insel im karibischen Meer erleben durfte, war noch so viel großartiger als alles, was ich bislang im Kino gesehen oder – besser gesagt – dabei gefühlt hatte. Das kann man nämlich in der Tat gar nicht nachempfinden, wenn man nicht dabei war. Aber ich versuche dennoch ein paar mehr Bilder in Worten zu malen, damit Ihr eine kleine Vorstellung bekommt: Ein älterer Herr mit grauer Krause schlägt und schüttelt das Tamburin, sodass die Schellen nur so klingen, kleine Mädchen mit pinken Kleidchen und Köpfchen voller kunstvoll geflochtener Zöpfe wippen im Takt, von hinten höre ich die vielleicht 60-jährige Lady, die uns so freundlich hereingebeten hat, fröhlich „Hallelujah!“ rufen und überhaupt tanzt Jung und Alt, viele klatschen in die Hände und alle singen sie mit, wenn der Priester „Ey-ey-ey-ey-ey-my-god-is-in-you!“ ins Mikro singt, während er über die Bühne groovt.

Kinder, wenn Ihr mich fragt, hat da drin jeder einzelne einen eigenen Plattenvertrag verdient. Alle haben sich in Schale geschmissen: hellgraue und dunkle Anzüge, geblümte Kleider und braune, violette, grüne Kostüme, ich sehe Spitze und Hüte und Pumps und Krawatten. Und was mich besonders freut: Die Bühne ist voller Menschen, es gibt kein oben und unten, jeder kann überall mitsingen und eine Botschaft verkünden. Es werden Psalmen vorgetragen, beschwingte und getragene Gospel gesungen, Geburtstage, Todestage und anstehende Ereignisse verkündet… und auf einmal sind wir nicht mehr nur dabei, sondern mittendrin.

Freundlich werden alle Gäste aufgefordert, aufzustehen und zu erzählen, woher sie angereist sind. New York, Germany, Sweden. Alle hören und lächeln uns zu und als der nächste Priester ans Podium tritt – ein Gast, der extra mit dem Boot zum Gottesdienst gekommen ist –, begrüßt er uns auf Deutsch mit einem herzlichen „Guten Abend!“ Es ist Sonntagmittag kurz vor 12 und willkommener als wir kann man sich nicht fühlen, wenn man in einem fremden Land in eine fremde Gemeinschaft ohne Vorankündigung hineinplatzt. Als wir gehen, drückt mir die nette Lady am Eingang die Hand und ruft mir ein aufrichtiges „Bless you!“ zu. Mein Taschentuch halte ich dabei noch in meinen Händen – irgendwann im Laufe des Gottesdienstes habe ich eingesehen, dass es keinen Sinn macht, es immer wieder wegzustecken.

MEHR

Worauf sich Nadin auf den Bahamas am meisten freut, hat sie hier verraten. Von ihren ersten Eindrücken erzählt sie hier. Wie unsere Autorin zur Schnecke(n)expertin gemacht wird, schildert Nadin in diesem Artikel.

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Worauf sich Nadin auf den Bahamas am meisten freut, hat sie hier verraten. Von ihren ersten Eindrücken erzählt sie hier. Wie unsere Autorin zur Schnecke(n)expertin gemacht wird, schildert Nadin in diesem Artikel.

KOOPERATION

Die Reise auf die Bahamas findet in Kooperation mit dem Bahamas Tourist Office statt. Folgt unserem Partner auch auf Facebook und Twitter. Sämtliche redaktionell entstandenen Beiträge bleiben von der Kooperation unberührt.

Wir freuen uns über das tolle Programm und sagen Danke für die Organisation der Reise!

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