Für viele ist die Internetplattform Instagram zu einem persönlichen Wettbewerb geworden. Ganz nach dem Motto: Wer ist schöner, klüger, reicher? Dabei könnte es ja auch ganz anders sein…

 

Bei Kaffee und Kuchen, in der Uni oder der Bahn kommt früher oder später immer der Moment, dass der Erste zu seinem Smartphone greift, um seinen Instagram-Feed entlang zu scrollen. Jeder, der die Plattform benutzt oder aktiv an ihr partizipiert, weiß, wie schön es sein kann, sich von den Menschen, Stilwelten und Orten, die sich eben hinter jenem Codewort „Instagram“ befinden, inspirieren zu lassen. Das Netzwerk lässt es zu, sich für Momente in ihm zu verlieren, sich wunderbar berieseln zu lassen und Inspirationen aller Art zu sammeln. In kürzester Zeit ist es so möglich, sich durch verschiedenste Leben zu klicken, denn die Plattform hat weit über 400 Millionen Nutzer, die ganz freiwillig persönlichste Einblicke gewähren.

Gerade in letzter Zeit hat sich allerdings eine weitere Komponente in die Beurteilung der Bilderwelten eingeschlichen, die oft getrieben ist von Neid und Missgunst. Es entsteht das Gefühl, sich in den sozialen Netzwerken profilieren zu müssen, es wird gebuhlt um Likes und Follower. Instagram, ein Narzissten-Mekka. Für viele ist es daher zu einem bittersüßen Vergnügen geworden, den eigenen Newsfeed hinunterzuscrollen, um dort all die perfekten Fotoausschnitte zwischen Gepose und Geprotze, spektakulären Weltreisen, hoch verliebte Pärchen und Spiegel-Selfies präsentiert zu bekommen. Bilder die oft suggerieren, dass man eine bestimmte Reise oder den idealen Körper für das perfekte Leben braucht. Das kann natürlich schnell deprimieren und die eigene Perspektive gleich noch ein bisschen glanzloser erscheinen lassen.

 

Man sollte Instagram-Accounts deshalb vielleicht eher als ein buntes Potpourri aus sehr kuratierten Lieblingsmomenten – sozusagen einem persönliches ‚Best of’ – und weniger als realistische Abbildung des tatsächlichen Alltags sehen. Es gibt eben Momente, die möchte man zeigen – aber selbstverständlich gibt es in jedem Leben, mag es auch noch so aufregend erscheinen, genug Momente, die niemand zu teilen für nötig empfindet und die dementsprechend in keinem Sozialen Netzwerk landen. Genau deshalb entsprechen einzige Aneinanderreihung aus Restaurantbesuchen, wilden Partynächten oder exklusiven Shoppingtouren auch nicht dem realen Leben. Auch sollte uns allen klar sein, dass die Fotos, die es dann tatsächlich in die einzelnen Accounts schaffen, vorher akribisch bearbeitet, inszeniert und durchgefiltert wurden, damit dann am Ende tatsächlich diese höchst ästhetischen Bilder entstehen, die alle Welt staunen lässt. Wobei es ironischerweise gerade auf Instagram zur neuen Königsdisziplin geworden ist, so zu tun, als hätten sich viele der gezeigten Arrangements ganz zufällig und spontan ergeben.

 

Bedenklich ist hingegen der seit geraumer Zeit kusierende Satz „If it didn’t happen on Instagram, it didn’t happen at all“ der andeutet, dass bestimmte Momente eben nur dann wirklich zählen, wenn man auch möglichst viele Menschen über das gerade Erlebte in Kenntnis setzen konnte. Frei nach dem Motto, was nutzen mir die schönsten Dinge, wenn ich damit nicht wenigstens ein bisschen angeben kann. Leicht könnte man genau solchen Kandidaten unterstellen, dass möglicherweise auch das schlaue Buch lieber fotografiert als tatsächlich gelesen wird, das spektakulär aussehende, aber kalorienreiche Essen lieber im perfekten Winkel abgelichtet, als auch verspeist wird. Nur noch dunkel erinnert man sich an Zeiten, in denen kochen einzig und allein der Nahrungsaufnahme diente.

 

Gerade die virtuelle Selbstdarstellung anderer - ob Freunde, Bekannte oder oft auch völlig Fremder löst immer wieder hitzige Diskussionen aus - wobei sich hier doch die Frage nach dem ‚Warum?’ stellen sollte. Ist es nicht großartig, dass wir in einer Welt leben, in der einem jeden von uns eine Art kleine Bühne gegeben ist und wir jeder einzelnen Facette unseres Wesens ein Ventil geben dürfen? Dabei haben wir eine noch nie zuvor dagewesene Freiheit, unser Leben unkonventionell zu leben und es genau so zu gestalten wie wir es eben möchten. Wir können sein wer wir wollen, wie wir wollen.

Vielleicht sollten wir daher einfach versuchen, uns selbst ein bisschen weniger Ernst zu nehmen und nicht unsere Authentizität für Menschen opfern, die wir größtenteils nicht einmal kennen. Bereits Theodore Roosevelt hatte erkannt: „Comparison is the thief of joy!“ Es ist also an der Zeit, sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren und nicht ständig nach links und rechts zu schauen, um abzuwiegen, ob die andern es wohl noch ein bisschen toller, noch ein bisschen besser machen. Soziale Netzwerke sollten daher weniger als Wettbewerb nach Anerkennung und Aufmerksamkeit verstanden werden, ganz nach dem Motto, wer ist schöner, klüger, reicher, sondern als Inspirationsquelle und natürlich auch als Plattform, wo man hin und wieder stolz seine neusten Errungenschaften präsentieren darf. Ganze in der Hoffnung, dass sich die anderen mit einem freuen werden und nicht missgönnen – weil man es selbst genauso tun würde.