Es ist Sommer in Europa – wer nicht in den Genuss eines exotischen Urlaubs in Übersee diese Saison kommen kann, muss nicht neidisch die Urlaubsfotos seiner Freunde begutachten. Schließlich bietet unsere nächsten Nachbarn ebenfalls wahres Sommer-Feeling, wie z.B. die polnische Hauptstadt Polen. Statt London, Paris, Barcelona & Co lohnt sich ein mehrtägiger Trip in die osteuropäische Metropole vor allem in der heißen Sommersaison – Grund genug, um euch ein paar Tipps für einen gelungenen Warschau-Aufenthalt vorzustellen:


1. Durch die malerische Altstadt entlang spazieren

Ein toller Start für euren Warschaubesuch ist das flanieren durch die schönen Ecken der Altstadt. Nach ihrer völligen Zerstörung im zweiten Weltkrieg wurde das Areal fast komplett originalgetreu wiederaufgebaut und zeugt von dem architektonischen Charme des aus dem 13. Jahrhundert entstandenen Stadtkerns. 1980 wurde durch das liebevolle Detailreichtum der Künstler und Historiker die restaurierte Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, in deren Herzen sich der Marktplatz mit verschiedenen Restaurants befindet.

2. Zeitgenössische Kunst im Muzeum nad Wisłą bewundern

Das Museum für Moderne Kunst ist einer der Newcomer am Warschauer Museumshimmel und wurde 2007 eröffnet. Nach einem Zwangsumzug aus der ehemaligen Location befindet es sich seit 2017 direkt an der Speziermeile an der Weichsel und zeigt wechselnde Ausstellungen von polnischer und internationaler Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Aktuell läuft bis zum 07.10 eine Ausstellung zu moderner Kunst im ostasiatischen Raum, die absolut sehenswert ist. Nach einem Rundgang durch den modernen Gebäudekomplex kann man es sich in der danebenliegenden Parkanlage gemütlich machen oder über die Uferpromenade flanieren. Im Sommer haben auch einige Buden mit leckerem Street Food aus aller Welt geöffnet, die man an schön dekorierten Sitzmöglichkeiten verspeisen kann.

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3. Das neue alte Warschau rund um die Ząbkowska erkunden

Die Ząbkowska Straße repräsentiert wie kein anderer Straßenverlauf das Leben in einem der ältesten Viertel der Stadt, Prada-Północ. Dieses liegt auf der rechten Seite der Weichsel, auf dem sich auch das Strandareal befindet. Prada-Północ gehört auch zu den Arealen der Stadt, in dem noch die meisten, vorkiegszeitlichen Gebäude der Stadt stehen, meistens in einem eher maroden Zustand. Trotzdem werden einige Straßenzüge für Filmdrehs und Serien aus dem früheren Warschau genutzt, wie zum Beispiel im oscargekrönten Film „Der Pianist“. Gerade die Ząbkowska Straße erlebte in den letzten Jahren ein wahres Revival, in dem kleine Bars und Restaurants, sowie Ausgehmöglichkeiten auf der ca. 1km langen Straße eröffnet wurden. Gerade die jungen Warschauer ziehen immer mehr aufgrund der steigenden Mieten im Zentrum der Stadt in diesen Bezirk, sodass sich dieser wie kaum ein anderer am meisten wandelt. Erst Anfang dieses Jahres hat das Museum für polnischen Vodka eröffnet, der sich auf dem angrenzenden Platz Konesra befindet. Hier schnuppern Besucher in die langjährige Historie des polnischen Nationalgetränkes rein und werden zum Vodka-Tasting eingeladen.

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4. Schnäppchen jagen im Tania odzież

Überall in der ganzen Stadt verteilt findet man die eher unscheinbar wirkenden Kleider-Ramsch-Läden, die als „Tania odzież“ („Preiswerte Kleidung“) bekannt ist. Während die fancy Vintageläden hierzulande oftmals zum gleichen Preis Klamotten verkaufen wie in normalen Stores und Boutiquen, findet man in den kleinen Buden Teile zu Niedrigpreisen. Das Durchstöbern der bunten Kleiderstangen macht mindestens genauso viel Spaß wie das Finden eines coolen It-Pieces inmitten der vielen Klamottenberge. Denn das man mit einem modischen Schatz nach Hause geht, ist keine Garantie: Man muss seine Augen für die Vintageschätzchen schulen, um durchblicken zu können. Den erfolgreichen Finder erwarten günstige Preise

5. Vielfältig schlemmen in den Koszykach 

Italienisch, Mexikanisch oder doch lieber Asiatisch? Die 19 verschiedenen Bistros und Restaurants in der Koszyki Halle lassen keine Gaumenwünsche übrig. Aus der ehemaligen traditionellen Markthalle im Süden vom Stadtzentrum hat sich ein neuer kulinarischer Hotspot für Warschaus Bewohner entwickelt. Zwischen den Essensmöglichkeiten findet man vereinzelt Buchläden, Chocolatiers und (vegane) Supermärkte. Sowohl architektonisch als auch gastronomisch ein kleines Juwel in der polnischen Hauptstadt! Im Sommer finden im Außenbereichs der Halle außerdem regelmäßig Open-Air-Screenings statt.

6. In die Nacht starten im Kita Koguta

Warschaus Nachtleben ist mittlerweile auch in der internationalen Clubszene anerkannt und wird öfter mal als das neue Berlin gehandhabt. In einer Seitenstraße der schön restaurierten Nowy Swiat im Zentrum der Stadt befindet sich eine wahre Kneipenmeile, die Ausgehherzen höher schlagen lässt. Typisch sind auch die sogenannten „Pijalnias“, die Kultstatus in Polens Großstädten besitzen und billigen Wodka und Bier servieren. Die Historie dieser Bars reicht bis in die früheren Volksrepublik-Zeiten zurück. Wer es ein wenig schicker und hipper mag, sollte in der Kita Koguta auf ein Drink oder zwei vorbeischauen. Die Cocktails sind Spitzenklasse und mit Esprit gemixt, das Interieur könnte auch in Kreuzberger In-Lokalen zu finden sein. Am Wochenende verwandelt sich die erste Etage zu einem kleinen Dancefloor, auf dem sich Lokals und Touristen zu einem Tänzchen treffen.

7. Abhängen am Weichselstrand

Nach einer durchzechten Nacht gibt es in Warschau nichts entspannteres als die Seele am Fuße der Weichsel baumeln zu lassen. Dieser befindet sich auf der anderen Seite des Flusses, genauer gesagt am Nationalstadion, welches mit diversen Trams und Bussen zu erreichen ist. Hier ist übrigens auch der einzige Ort, an dem das öffentliche Alkoholverbot in eine legale Grauzone gerät, da stetig diskutiert wird, ob es sich denn um einen öffentlichen Spot (so wie Fußgängerzonen etc.) handelt. So lange kein konkretes Verbot für den Alkoholkonsum an der Weichsel herrscht, wird man viele junge Warschauer mit Tyskie oder Lech in der Hand treffen. Vom Baden im Fluss wird eher abgeraten, allerdings kann man sich kleine Paddelboote mieten und z.B. auf eine große Sandbank inmitten der Weichsel schwimmen, die man auch bei fabelhaftem Wetter für sich alleine haben kann.

8. Ein Stück Geschichte im POLIN Museum erleben

Ähnlich wie Berlin erfreut sich Warschau an einem vielfältigen Angebot von einer spannenden und lehrreichen Museenlandschaft, bei Zeitdruck sollte man aber wirklich das POLIN Museum oder auch Museum der Geschichte der polnischen Juden besuchen. Nach langjährigen Bauarbeiten wurde der futuristische Gebäudekomplex 2014 eröffnet und beleuchtet in multimedialen Ausstellungsräumen die Geschichte der polnischen Juden im Laufe der Historie. Auf ca. 5.600 m2 wird in wechselnden und ständigen Ausstellungen vom Mittelalter bis in die Gegenwart das kulturelle Erbe der polnischen Juden dargestellt. Bei dem vielen Input sollte man mindestens drei Stunden Besuchszeit einplanen und auch ein Audioguide für detaillierte Erklärungen ist empfehlenswert.

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9. Umherwandern im Neon Muzeum

Als „bester Instagram-Spot in Warschau“ und „eine von Warschaus interessantesten Kulturinstitutionen“ wird das 2005 eröffnete Neon Museum im südlichen Teil vom Bezirk Praga gehandelt. Hier dreht sich alles um die bunt leuchtenden und kultigen LED-Schilder,-zeichen und -symbole aus sowietischen Ostblockzeiten. Das Museum ist jeden Tag in der Woche geöffnet und lädt seine Besucher zu einer nostalgischen Reise in die polnische Nachkriegszeit ein. In der gleichen Straße ist auch die SOHO Factory zuhause, ein ehemaliges Gewerbegebiet, in dem sich jetzt hippe Ateliers, Bars und Restaurants befinden.

10. Chopin Konzerte im Łazienki-Park genießen

Ein krönender Abschluss eures Warschau-Trips sind definitiv die Chopin-Konzerte, die jeden Sonntag in der Sommersaison im Łazienki-Park stattfinden. Jeweils um 12:00 und 16:00 Uhr können Interessenten kostenlos in den musikalischen Genuss von klassischer Konzertmusik kommen, die im Jahre 2018 bereits zum 59. mal stattfindet. Während des einstündigen Konzertes treten polnische und internationale Musiker auf, die ihre eigenen, aber auch Stücke des Klassik-Genies Fryderyk Franciszek Chopin zum Besten geben, der in Polen geboren und aufgewachsen ist. Gerade bei gutem Wetter lohnt es sich, nicht auf den letzten Drücker zu erscheinen, da eine Masse an Menschen regelmäßig die Konzerte besucht und gute Plätze schnell belegt sind. Anschließend sollte man unbedingt noch einen Spaziergang durch den Łazienki-Park vornehmen, der der größte und wahrscheinlich schönste Park Warschaus ist. Die im Barockstil gebaute Gartenanlage dient als Zufluchtsort für die Warschauer vor dem hektische Stadtleben. Vereinzelte Paläste und Pavillons kann man im ca. 80 ha großen Park entdecken, wie z.B. den chinesischen Pavillon, der einen Hauch von Fernost inmitten der Grünanlage versprüht.