Weiter ging unser Trip. Die Zeit in Kapstadt war knapp und nach zwei Nächten verließen wir das One&Only Hotel und machten uns voller Abenteuerlust auf gen Norden. Wir -das sind neben Guide Craig und unserer Gastgeberin Angela… Camilla, Sara, René, Nico und ich- sind verteilt auf vier Autos und mittlerweile on- und offroad ein eingespieltes Team. Sogar der Linksverkehr wird mittlerweile ohne Nahtoderfahrungen gemeistert.


Südafrika sollte am besten mit dem Auto bereist werden. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es, wenn überhaupt, nur vereinzelt in großen Ballungsgebieten und Personen-Fernverkehr existiert so gut wie gar nicht. Für Liebhaber eines gepflegten Roadtrips also genau das richtige. Für Stunden die endlosen und geraden Straßen entlang zu fahren, weckt ein Gefühl von Freiheit, das dir keine noch so leere Autobahn in Europa geben kann.

Wir fühlten uns wie Entdecker im Wilden…Süden, der zwar oft gar nicht all zu wild wirkt, doch schnell sein Gesicht ändert kann. In Südafrika scheint es alles zu geben. Landschaftlich sowieso. In einem Moment fühlst du dich wie in der Sierra Nevada oder Kalifornien, im anderen wie an Irlands Küsten oder in den Alpen. Und dann, dann siehst du nichts außer: Afrika. Und meistens ist es eine bunte Mischung aus wenigen Menschen und unzähligen Vegetationsarten, Blau-, Lila- und Grüntönen, die einem die Sprache verschlägt (wie schon so oft).


Als ich selber am Steuer saß wollte ich nur fotografieren, jede Sekunde dieser unwirklichen Momente einfangen, am besten noch inklusive des Soundtracks, der im Radio lief. Wenn ein monumentaler Gebirgszug und ein wildes Pferd an dir vorbei ziehen, ist es schwierig sich dabei auf den Straßenverkehr zu konzentrieren UND gleichzeitig ein Foto zu schießen. Doch heute, nach einigen Tagen Dauerknipsen, merke ich, dass unsere Linsen zwar vieles festhalten können, aber die Schönheit, die sich hinter jedem Motiv verbirgt mit keiner Kamera der Welt eingefangen werden kann.

Also gibt es nun immer mehr Momente, in denen man sich zurück lehnt, auf die Straße schaut, das Fenster öffnet, um die frische Luft hinein zu lassen und tief einzuatmen. Es sind diese Augenblicke, die der Perfektion gleichen. Hinterm Steuer. In Afrika. Unser Ziel: die weltbekannten Winelands der Region um Paarl.


Nachdem wir einen Stop im West Coast National Park (dazu bald mehr) einlegten, erreichten wir einige Stunden später die Farm Bartholomeus Klip in Riebeek Valley nähe Hermon. Inmitten eines 10.000 Hektar großen Landstücks liegt die viktorianische alte Farm, die mittlerweile zu einem Hotel umfunktioniert wurde. Vom Personal bis zum Klopapier stimmt hier wirklich alles. Das kleine Hotel hatte nicht nur Charme, ein Kaminfeuer und eine Wagenladung Liebe zu geben, es bietet auch Game Drives (Safaris) an.


Am nächsten Morgen um halb 9 ging es für uns, nach Kaffee und Muffins, ab in den offenen Range Rover. Eine äußert kalte Angelegenheit. Denn ja, auch in Südfrika kann der Herbst noch Herbst sein – und so saßen wir unter dicken Decken eingepackt auf den Rückbänken, während uns der hübsche Ranger die Welt erklärte. Eine Welt, die uns als europäische Großstädter bis dato verborgen blieb.

Direkt hinterm Haus liegt ein endlos weites Naturschutzgebiet. Kleine und große Tiere leben hier im Einklang mit der unberührten Natur. Leoparden, Zebras, Franklins, Antilopen und Baboons. Ein unglaublicher Anblick, kristallklare Luft und episches Panorama machten sich vor uns breit (aber nur ein Warm-Up für die große Safari in Sanbona, wie sich später heraus stellte).


Nachdem wir uns die Freudentränen aus den Augen wischten, genossen wir ein üppiges Frühstück vor der Abreise. Die niedlichen Hausdamen verabschiedeten uns winkend auf dem Parkplatz und, überwältigt von so viel Gastfreundschaft, rollte ich unseren Mini noch flott gegen eine kleine Mauer am Wegesrand. Reifen lädiert, aber Auto OK. Niemand hat etwas abbekommen und wir wieder genug Respekt vor der Straße zurück gewonnen. This ain’t no Disneyland. Auf nach Paarl ins Grande Roche