Als ich zwölf Jahre alt war, planten meine Eltern mit uns Kindern eine fast zwei monatige Reise durch die USA. Ein riesiger Roadtrip beginnend in San Fransisco, dann entlang der Westküste durch die Wüste, ein Zwischenstopp in Las Vegas bis runter nach San Diego. Von dort aus dann mit dem Flugzeug nach New York, um abschließend auch einen Eindruck der Ostküste zu bekommen. Der Trip kostete dementsprechend viele tausend Euro. So viel Geld für einen Urlaub, was man davon auch alles kaufen könnte, dachte ich damals. Wie glücklich ich heute bin, dass meine Eltern es besser wussten. Noch immer sprechen wir von dieser einmaligen Zeit und all dem Erlebten. Während im Alltag die Tage manchmal regelrecht an uns vorbeirauschen, erlebt man die Zeit auf Reisen oft viel intensiver. Auch damals hatten wir das Gefühl, ewig on the road zu sein. Fast jeden Tag eine andere Unterkunft, neue Eindrücke und unterschiedlichste Menschen, die uns begegneten. Jeden Tag viele Meilen gen Süden!

Das Allerschönste, was man mit seinem Geld anstellen kann, ist damit Erinnerungen zu schaffen. Sie sind am Ende so viel mehr wert, als es Geld jemals sein kann. Wenn wir irgendwann auf unser Leben zurückschauen, dann werden wir uns nicht darüber ärgern, das ein oder andere nicht gekauft zu haben. Sehr wohl aber eine Reise nicht gemacht zu haben. Unsere Erinnerungen, das ist dann unser Leben.

Heutzutage kann man für unschlagbare Preise in ferne Länder fliegen. Dank Plattfomen wie Airbnb günstig wohnen und mit Hilfe des Internets herausfinden, wo man kostengünstig essen kann. Durch charmante Stadtviertel zu flanieren und so einen Eindruck von einem fremden Land zu bekommen ist sowieso umsonst. Solange man also genug Geld für einen Flug zusammensammeln kann, wird sich der Rest schon fügen. Ganz ehrlich.

Jede Reise hinterlässt Spuren und formt den Charakter. Es erweitert den eigenen Horizont. Man muss nur manchmal die Angst vor dem Ungewissen mit seiner eigenen Neugier überwinden. Los, riskier mal was. Nur in den aller, aller seltensten Fällen wird man es bereuen. Es geht dabei auch darum, sich nicht unter Druck setzen zu lassen, vermeintlich viele Ziele abzuarbeiten. Stets mit dem Gefühl, möglichst das meiste aus einer Reise ‚rausholen‘ zu müssen. Da kann der Reiseführer ein richtig schlechtes Gewissen machen. Scheint er doch ständig zu rufen: „Schau mal, was du alles noch nicht gesehen hast.“ Nein, manchmal ist es gerade wichtig, sich an einem fremden Ort treiben zu lassen, sich in den kleinen Gassen zu verlieren und ganz planlos umherzustreifen.

Genau wie Literatur oder Musik ist das Reisen etwas, was man sich selbst erschließen muss. Kurt Tucholsky hat einmal sehr schön sagte: „Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.“
Reisen wird dich oft sprachlos machen, hinterher aber wirst du durch das Erlebte zum Geschichtenerzähler.

                        A ship at harbour is safe, but that’s not what ships are for

Reise. So oft du kannst. So weit du kannst. Das Leben ist nicht dafür gemacht, nur an einem Platz verbracht zu werden. Je weiter man fährt, desto näher kommt man oft sich selbst. Merkt was wirklich wichtig ist in seinem Leben, was es nie war und was es für immer sein wird. Der Sinn des Lebens ist nicht immer am Schreibtisch zu finden. Ist es nicht ein schöner Gedanke, dass einige der besten Tage unseres Lebens noch vor uns liegen? Es liegt an uns, sie zu nutzen und so viele Erinnerungen wie möglich zu schaffen, die uns ab dann begleiten werden. Momente vergehen, doch Erinnerungen bleiben für immer.

Image © by Norman Röhlig