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Mai
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Unsere Kooperationspartner*innen im Interview anlässlich des #IDAHOT2016

ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH! ist Deutschlands größtes Netzwerk zur Unterstützung der weltweiten LGBTI* Community. Seit fast drei Jahren arbeitet das Team der Initiative ehrenamtlich. An den Wochenenden, nach Feierabend und in den Urlauben. Wir glauben, dass nur #WirAlleGemeinsam etwas verändern können. Dazu arbeiten wir seit Anfang an eng mit Kooperationspartner*innen innerhalb und außerhalb Deutschlands zusammen. Anlässlich des heutigen Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie möchten wir heute die Menschen zu Wort kommen lassen, die uns seit vielen Monaten erfolgreich bei unseren Kampagnen und Aktionen in Deutschland unterstützen und stellen ihnen drei Fragen zum heutigen #IDAHOT2016.

Am 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homophobie und Transphobie

 

Marcus Urban – Verein für Vielfalt in Sport und Gesellschaft


Wofür steht für dich ganz persönlich der IDAHOT?

Marcus Urban: “Als ich meine erste Liebesnacht mit einem Mann hatte, war ich so in Euphorie, dass ich mein Glück sofort mit allen Freunden, Fussballkollegen und meinen Eltern geteilt habe. Es war kein 17. Mai, sondern ein wunderschöner Sommerabend im Juni 1994. Dieses Glück, diesen Stolz, trage ich in mir und multipliziere ihn in meinen Workshops und Vorträgen, überall wo ich auftrete.”

Wie begeht der Verein für Vielfalt den IDAHOT2016?

Marcus: “Für uns ist jeder Tag ein IDAHOT, ein Tag für Respekt und Farben der Vielfalt, ein Tag der Empörung über Homophobie, aber gleichsam jede andere Form der Menschenfeindlichkeit und sozialer Ungerechtigkeit.”

Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft im Jahr 2016?

Marcus: “Ich würde Politik und Wirtschaft verstärkte Investitionen in die politische Bildungsarbeit im ganzen Land empfehlen. Freiheit und Toleranz kommen nur durch aktive Gestaltung und den Einsatz von ausreichendem Personal – ohne das käme Unfreiheit und Anfeindung.”

Josephine Beier – InTra* Beratungsstelle

Wofür steht für dich ganz persönlich der IDAHOT?

Josephine Beier: “Bis dahin war der Tag nur eines für mich: Gesicht und Solidarität für und mit Menschen unter dem Regenbogen zeigen, die Menschen des gleichen Geschlechts lieben. Das war jedoch nur mein Einstieg. Später kamen der Buchstabe “T” hinzu und aus IDAHO wurde IDAHOT. Plötzlich war auch mein großes Thema auf dem Plakat zu erkennen. Ein Buchstabe machte mich sichtbar! Doch was bedeutete dies nun für mich? Als mir dann noch ein schwuler Mann zum IDAHOT vor 3 Jahren sagte, dass er froh ist, dass nun auch Transsexualität als Thema aufgenommen wurde, musste ich mich selbst hinterfragen, ob mir dies so recht sei. Immerhin verwässern “wir” damit den eigentlich Anlass dieses Tages. Zusätzlich kommt hinzu, dass “wir” diesen großen Erfolg, den gleichgeschlechtlich liebende Menschen hier feiern, für uns bis heute nicht gegeben ist.

“Wir/Uns”, dass sind Menschen, die noch immer als psychisch instabil, krank, leidend, hilfsbedürftig usw. gelten. Unsere Diagnose F 64.0 gemäß WHO ist ein Makel, der noch immer besteht. Auch wenn in neuen Fassungen andere und abgemilderte Bezeichnungen, wie Geschlechts-Dysphorie gewählt werden, so bleiben wir in der Kategorie der Psychischen Erkrankungen hängen. “Wir” haben eigentlich nichts zu feiern!

Aber, durch die Aufnahme in die kleine Abkürzung von IDAHOT, werden wir sichtbar und können damit auch auf die Unterstützung der Menschen unter dem Regenbogen zählen. Seit diesem Jahr erlebe ich auch bei vielen Aktivist*innen, dass sie nun zusätzlich das “I” in Form von IDAHIT oder IDAHOTI mit aufgenommen haben. Das finde ich ein KLASSE ZEICHEN! Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob allen Menschen bewusst ist, dass Transphobie und Interphobie in seinen Auswirkungen noch immer gesellschaftlich, medizinisch und rechtlich massive Wirkung auf das Leben der Betroffenen hat.”

Wie begeht die InTra* Beratungsstelle den IDAHOT2016? 

Josephine: “Die Menschen von InTra* Beratung sind am 17. Mai natürlich in ihren jeweiligen Bundesländern sehr aktiv an der Gestaltung dieses so wichtigen Tages beteiligt. Dies geht von der “einfachen” Unterstützung als Teilnehmer*in auf Veranstaltungen, über die aktive Beteiligung in Organisationsteams anlässlich des IDAHOT bis hin zum Einsatz als Rettungssanitäter*innen oder dem Angebot psycho-sozialer Betreuung bei Demonstrationen und Aktivitäten. All dies wird von meinen Kolleg*innen ehrenamtlich absolviert und ich gestehe; Ich bin sehr stolz auf meine Mitstreiter*innen!”

Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft im Jahr 2016? 

Josephine: “Wenn ich nach meinen Wünschen gefragt werde, möchte ich mit so vielem herausplatzen und werde dann doch sehr bescheiden. Zu oft hörte ich schon, “…das ist kein Wunschkonzert…”. Deswegen habe ich aufgehört zu wünschen. 

Dafür habe ich aber angefangen:

1. Selbst die gute Fee zu sein, die Wünsche versucht in Erfüllung zu gehen zu lassen (… Wunder dauern etwas länger …).

2. Massiv dafür zu kämpfen, dass auch Menschen mit gegengeschlechtlichen bzw. geschlechtsvariablen Körpermerkmalen irgendwann den 17. Mai als Feiertag betrachten können, da ihnen endlich die menschliche Würde nicht mehr abgesprochen wird.

3. Mich selbst zu hinterfragen, ob ich nicht selbst in anderen Zusammenhängen die Würde eines einzelnen Menschen durch meine Einstellungen und Meinungen verletze.

Dabei spielte es eine große Rolle, dass ich sozusagen einer noch besonderern “Minderheit” angehöre, die auch unter dem Regenbogen nur wenig Beachtung findet: Menschen mit Beeinträchtigungen, Behinderungen, Handicap…  Ich bin also keine Frau, die den sogenannten ersten Stein werfen wird, jedoch habe ich mir selbst zur Aufgabe gemacht, JEDER*M ein inklusives Leben in der Gesellschaft zuzugestehen und mich immer zu reflektieren, ob ich  meiner Entscheidung, eine Menschenfreundin zu sein, wenigstens auch an diesem Tag ansatzweise gerecht werden konnte.”

Holger Edmaier – 100% MENSCH

 

Wofür steht für dich ganz persönlich der IDAHOT?

Holger Edmaier: “Der IDAHOT ist für mich ein Tag, der uns gemahnt, wachsam zu bleiben.”

Wie begeht 100% MENSCH den IDAHOT2016?

Holger: “In diesem Jahr haben wir zum IDAHOT „Queer Refugees for Pride“ unterstützt. Dazu haben wir 30.000, in fünf Sprachen übersetzte Flyer drucken lassen, die über die Situation der Flüchtlinge in Deutschland und ihren Heimatländern informieren. Und das ist genau die Aufgabe des Projekts 100% Mensch: Die Unterstützung von kleinen Initiativen der Regenbogen Community.”

Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft im Jahr 2016? 

Holger: “Nachdem die Antidiskriminierungsstelle des Bundes  festgestellt hat dass der §175 von Anfang an grundgesetzwidrig war, baue ich darauf, dass die Bundesregierung auch entsprechend handeln wird und alle Verurteilten rehabilitiert und entschädigt.”

Sören Landmann (2. v.l.) – Aktionsbündnis gegen Homophobie e.V.

 

“Wofür steht für euch ganz persönlich der IDAHOT?” 

Sören Landmann: “Der IDAHOT bedeutet für uns vom Aktionsbündnis gegen Homophobie, den Finger in die gesellschaftliche Wunde zu legen und auf immer noch weit verbreitete Homophobie und Transphobie aufmerksam zu machen. Dabei richten wir unser Augenmerk nicht nur auf Deutschland, sondern engagieren uns auch solidarisch für LGBTI Aktivist*innen in aller Welt. So, wie auch an den restlichen 364 Tagen im Jahr.”

“Wie begeht das AGH den IDAHOT2016?” 

Sören: “Anlässlich des IDAHOT 2016 zeigt das AGH in Kooperation mit dem Trierer Broadway Kino den Film HEUTE GEHE ICH ALLEIN NACH HAUSE. Vor und nach dem Film machen wir außerdem einen Infostand zu unseren aktuellen Kampagnen im Foyer des Kinos. Vorher nehmen wir bereits am Rainbow Walk von der Porta Nigra durch die Trierer Innenstadt teil. Dieser endet mit einer zentralen Kundgebung sowie einem Rainbow Flash auf dem Trierer Kornmarkt.”

“Was wünscht ihr euch von Politik und Gesellschaft im Jahr 2016?”

Sören: “Für 2016 wünschen wir uns insbesondere Mut und Solidarität. Mut, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Seien es Politiker*innen, die nicht an die nächste Wahl, sondern an die Menschen denken, die ohne ihre politische Initiative weiterhin Bürger*innen zweiter Klasse bleiben. Seien dies Unternehmen, die gleiche Rechte einfordern, weil es Ihnen auch um die Gleichstellung ihrer Mitarbeitenden und nicht nur um die Bilanz geht.
Solidarität wünschen wir uns sowohl innerhalb der queeren Community als auch von der queeren Community mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, die regelmäßig zum Sündenbock gemacht werden. Flüchtlinge zum Beispiel. Für diese werden wir uns in diesem Jahr verstärkt einsetzen.”

Alle Infos zu unseren Kooperationspartner*innen:

Initiative ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH!

ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH! (EiE) ist Deutschlands größte Initiative zur Unterstützung der weltweiten LGBTI* Community. Das Team arbeitet zu 100% ehrenamtlich, erhält keine Fördermittel vom Staat und wird ausschließlich durch Spenden und Hilfe von Privatmenschen oder Hilfen durch Einzelhändler oder Unternehmen unterstützt. Die Initiative arbeitet unter dem Dach des Aktionsbündnis gegen Homophobie e.V. Es verwaltet alle eingegangenen Spenden transparent und sorgsam. Als gemeinnütziger Verein sind Spenden an ihn steuerlich abzugsfähig.

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 Verein für Vielfalt in Sport und Gesellschaft

Der Sport steht für Vielfalt, er verbindet Menschen unterschiedlichster Herkunft, Weltanschauung und Persönlichkeitsattribute. Zentrale Werte im Sport sind Respekt, Toleranz und Fair Play. Nachdrücklich anerkennen wir die bedingungslose Umsetzung dieser Werte im Sport. Wir sind überzeugt, dass der Sport auf der einen Seite die Gesellschaft gut widerspiegelt und auf der anderen sie auch verändern kann. Durch Aufklärungskampagnen, Öffentlichkeitsarbeit und weitere Aktion wollen wir unser Ziel einer offeneren und vielfältigeren Gesellschaft erreichen.

WebseiteFacebookseiteKampagnen-Facebookseite #VielfaltSport von ENOUGH is ENOUGH & Verein für Vielfalt • Kampagnen-Webseite #VielfaltSport

InTra* Beratungsstelle

Wir wollen: Aufklären, Ängste abbauen, Erfahrungsaustausch fördern, Hilfe zur Selbsthilfe unterbreiten, einen sicheren Ort für Deine/Ihre Anliegen bieten, Opfern von Gewalt und Übergriffen zur Seite stehen, in schwierigen Situationen eine helfende Hand reichen, Wissen und Erfahrungen teilen und an Suchende weitergeben, Helfer*innen, Unterstützer*innen, Anlauf- und Beratungstellen finden, sowie im Beratungs- und Unterstützungsnetzwerk unseren Beitrag leisten, eine enge Zusammenarbeit mit den hilfeleistenden Menschen und Institutionen fördern, die Plattform für Menschen sein, die sich einbringen wollen.  Immer wieder werden wir gefragt, was wir für die Einzelberatung und -begleitung in Geld verlangen? Die Antwort: Nichts! InTra* ist auf Spenden angewiesen.

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 100% MENSCH

Das gemeinnützige Projekt 100% MENSCH arbeitet für die komplette Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transidententen, Intersexuellen, Queeren und Asexuellen! Vieles wurde erreicht, aber noch immer gibt es viele Baustellen! Eheöffnung, Adoptionsrecht, Transsexuellengesetz, Bildungspläne, Aufklärung, Respekt und Akzeptanz… – Wir bleiben dran! Vielen Dank an die großartige Unterstützung aus der Community und von unseren heterosexuellen Freund*innen und cis-Menschen! Ohne Euch können wir nichts bewegen! Danke schön, dass Ihr an unserer Seite steht! Wir sind Mensch! Zu hundert Prozent.

WebseiteFacebookseiteKampagnenseite “Ich sage JA!”

 Aktionsbündnis gegen Homophobie e.V.

Lesben, Schwule, Trans* Bi- und Intersexuelle (LSBTI) werden in Familien, an Schulen und am Arbeitsplatz mit Unverständnis, Ausgrenzung und Gewalt konfrontiert. Wir sind der Überzeugung, dass die selbstbestimmte sexuelle und geschlechtliche Identität ein selbstverständliches Menschenrecht ist. Deshalb engagieren wir uns für eine tolerante Gesellschaft, in der allen Menschen die gleichen Rechte zustehen und sie frei von Diskriminierung leben können. Wir organisieren öffentliche Aktionen wie Flashmobs, Vorträge und Podiumsdiskussionen und sind präsent auf Veranstaltungen wie CSDs und internationalen Fachkongressen. Wir prangern Diskriminierung und inakzeptables Verhalten durch Pressemitteilungen und offene Briefe an. Wir leisten Aufklärungsarbeit an Schulen und investieren in Lehrer*innenfortbildung.

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