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Jun
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Song gegen Homophobie: “Wir dürfen uns nicht mehr verstecken!”

Seinen ersten Geigenunterricht erhielt er bereits im zarten Alter von 5 Jahren. Später studierte er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt Geige, Popgesang und Songwriting. Maksim Reimer wurde in Russland geboren und flüchtete mit 14 gemeinsam mit seinen Eltern als Spätaussiedler von Kasan nach Deutschland. In Russland leben möchte er in der heutigen Zeit nicht mehr. Im Herbst erscheint sein Debütalbum „My Words“, das aufwändig produzierte Pop-Songs aus eigener Feder verspricht. Alle Songs des Albums erzählen Geschichten, die dem Künstler sehr am Herzen liegen.
Zum Start der Pride Saison 2016 veröffentlicht er vorzeitig seine Debütsingle „You Found Me (AGAINST HOMOPHOBIA)“. Anlass war für ihn das schreckliche Massaker in Orlando. Der offen schwule Sänger entschied sich – gegen den Wunsch seines Plattenlabels – erstmals für ein Musikvideo mit LGBTI-Bezug – und verlor dafür prompt seinen Plattenvertrag! Doch aufhalten kann das den 25-Jährigen Künstler nicht. ENOUGH is ENOUGH! traf Maksim Reimer zum Interview.


EiE: Hallo Maksim, schön, dass Du Zeit für uns gefunden hast. Du hast Dich für deine neue Single für ein Musikvideo mit einem lesbischen Paar entschieden. Deiner Plattenfirma hat das nicht so gefallen.

Maksim: „Ja, das stimmt. Ich habe zu dem Song ein LGBTI-Video gegen den Willen meiner Plattenfirma produzieren lassen. Der Song ist Teil meines im Herbst erscheinenden Albums. Es ist immer wieder ein großes Thema, auch bei verschiedenen Medien-Vertretern, ob man als junger Künstler offen zu seiner Sexualität stehen sollte oder nicht. Früher habe ich mich leider oft beeinflussen lassen, doch jetzt habe ich mich durchgesetzt.”

Und dafür deinen Vertrag verloren…

„Ja, ich habe dadurch diesen Partner verloren. Aber ich denke immer noch, dass es die richtige Entscheidung war.“

Dein Song heißt „You Found Me“ – wer oder was hat dich inspiriert?

„Die Liebe an sich hat mich inspiriert – das Gefühl, dass man einen Menschen findet, der dich so annimmt wie du bist, bei dem man sich komplett fallen lassen kann. Natürlich hat mich dazu auch ein ganz besonderer Mensch in meinem Leben inspiriert.” (grinst)

Du bist in diesem Sommer auf mehreren Prides vertreten. Wofür steht für Dich ganz persönlich der Christopher Street Day?

„Meiner Meinung nach, haben wir beim CSD die Chance als LGBTI-Community auf uns aufmerksam zu machen. Wir dürfen uns nicht mehr verstecken. Auch innerhalb der Community ist der CSD sehr wichtig: Obwohl wir alle so unterschiedlich sind, kommen wir während dieser Zeit  zusammen.”

Deine Songs sind dein Beitrag für die Community…

“Genau! Ich engagiere mich für die Community, indem ich mit meiner Band auf Prides auftrete und Songs schreibe, die u.a. LGBTI-Themen behandeln. Auch mein Management unterstützt zum Beispiel den ColognePride seit vielen Jahren. Als Künstler liebe ich die Atmosphäre dort. Auf den CSDs herrscht eine sehr ausgelassene Stimmung, wir feiern das Leben. Und trotzdem ist es mehr als angebracht, auch mal ernsthafte Songs zu performen – und genau diese Mischung gibt mir und meiner Band einfach sehr viel. Als Künstler habe ich die Möglichkeit homo- und heterosexuelle Menschen zu vereinen. Das mag ich an der Musik.”

Wie kamst Du auf die Idee zum Video von „You Found Me“?

“Ich finde, es gibt leider nur sehr wenige Videos, in denen die Liebe zwischen zwei Frauen auf eine seriöse Art und Weise dargestellt wird. In Musikvideos und Songs geht es – wenn es um lesbische Liebe geht – oft um Experimentieren oder einfach um Hetero-Männerfantasien. Deswegen war es mir wichtig, eine ehrliche Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen darzustellen. Die beiden Mädels im Video sind Priscilla und Lilu, beide gute Freundinnen von mir. Priscilla ist zusätzlich noch unsere Background-Sängerin.”

Wie war die Stimmung bei solch einem Video am Set?

„Wir hatten echt Spaß! Aber für die Liebesszenen mussten alle das Set verlassen, damit sich die beiden komplett wohlfühlen konnten – da durfte dann nur noch der Kamera- und Lichtmann zuschauen.” (lächelt)

Ein wirklich schönes Video. Wie stolz bist Du?

„Ich bin auf das Video sehr stolz! Ich finde einfach, dass das Video eine tolle Atmosphäre hat, die diesen Song unterstützt. Ich glaube, dass sich sehr viele damit identifizieren können.“

Unsere Bundesregierung blockiert nach wie vor die gleichgeschlechtliche Ehe. Hast Du einen Wunsch oder eine Forderung an die Politik?

„Ich wünsche mir einfach die komplette Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare, die Ehe für Alle und das damit verbundene volle Adoptionsrecht. In Deutschland sind wir gegenüber vielen anderen Ländern auf dieser Welt in Sachen Gleichstellung immer noch ein „Entwicklungsland“.“

Was können wir in Zukunft von Dir erwarten?

„Ich werde mich natürlich mit meiner Musik weiterhin für die Community engagieren. Und dann kommt natürlich im Herbst mein erstes Album. Ich freue mich sehr darauf.”

Wir uns auch. Maksim, vielen Dank für deine Zeit. Und wir sind uns sicher, dass Du schon bald eine Plattenfirma finden wirst, die kein Problem damit hat, ob ihr Künstler homo- oder heterosexuell ist. 

„Das wäre schön… Danke Euch! Und macht weiter so. Die Community braucht engagierte Menschen wie euch.“

Wir zeigen Euch hier das komplette Video von Maksim Reimer & Band:

Mehr dazu:

ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH!

Deutschlands größtes Aktionsnetzwerk zur Unterstützung der weltweiten LGBTI* Community.

Interview: Marco Schenk
Foto: © Westside-Productions

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