Das Thema Zeit ist in unserer modernen Gesellschaft omnipräsent. Nicht umsonst haben sich Redewendungen wie „Zeit ist Geld“ und weitere gebildet, denn heute wird vor allem ein Kriterium in den Vordergrund gerückt: das der Zeit. Alles muss am besten schon gestern erledigt worden sein. Zuerst kommt der Schulabschluss, danach am besten die Ausbildung oder das Studium und danach ist man selbstverständlich sofort bereit und willig, in die Arbeitswelt einzutauchen.

Dort angekommen ist dann die Arbeit natürlich das Wichtigste und alles andere rückt in den Hintergrund. Sich fügen und das Ganze besser nicht hinterfragen ist die Devise. Was dabei herauskommt, wenn man diesem Credo folgt, kann man häufig gut bei anderen Menschen beobachten. Da sieht man es oftmals leichter als bei sich selbst. Es kommen Gedanken bei den Betroffenen hoch, wie z. B.: „Ist das alles, was ich vom Leben erwarten kann? Habe ich etwas verpasst? – Jetzt bin ich an der Reihe!“

Wofür diese Vorstellung keinen Blick hat, ist der Mensch, das Individuum, die Persönlichkeit eines Menschen und seine Bedürfnisse in ihrer Gesamtheit. Ich glaube fest an die Einzigartigkeit eines jeden. Daher kann es auch sein, dass für einige wenige ein solcher Lebensweg das Glück verspricht. Das ist auch nicht als Angriff auf solche zu verstehen, die dieser „Philosophie“ folgen, solange sie nicht versuchen, diese anderen aufzuzwingen. Ich bin jedoch überzeugt, dass für die meisten ein solcher Lebensstil nicht wünschenswert ist.

„Das Thema Zeit ist in unserer modernen Gesellschaft omnipräsent. Nicht umsonst haben sich Redewendungen wie ‚Zeit ist Geld‘ gebildet.“

Ich weiß für mich selbst, dass das nicht das Richtige ist und ich kenne auch sehr viele andere Menschen, die immer stärker daran zweifeln und sich auf die Suche nach alternativen Lebensmöglichkeiten machen. Gleichzeitig ist die Welt voll von jenen, die inbrünstig erklären, wie das Leben zu sein hat und dabei allen anderen einen negativen Stempel aufdrücken. Sie haben das gesellschaftliche Diktat der Zeit vollkommen verinnerlicht und können sich kaum andere Lebensweisen vorstellen.

Hier möchte ich deswegen die Gelegenheit nutzen, um mit ein paar Gedanken Gleichgesinnte zu erreichen und Gründe aufzuzeigen, die ein Leben mit größerer Aufmerksamkeit auf sich selbst motivieren.

Was will ich vom Leben? Dies ist eine wichtige Frage, die sich jeder schon einmal gestellt hat. Was auch immer die Antwort darauf sein mag, um sie für sich persönlich zu finden bedarf es Zeit und Ruhe. Zeit zu haben ist quasi der Ausgangspunkt, um nachdenken zu können, um kreativ zu sein, um sich selbst finden zu können und auch, um sich weiterzuentwickeln. Daher ist es für mich nicht erstaunlich, wenn sehr wenige heutzutage noch dazu kommen, hat das heutige Leben doch keinen Platz mehr dafür.

„Was will ich vom Leben? Dies ist eine wichtige Frage, die sich jeder schon einmal gestellt hat. Was auch immer die Antwort darauf sein mag, um sie für sich persönlich zu finden bedarf es Zeit.“

Man wird angehalten, von einer Lebensstation zur nächsten zu hetzen und zwischendurch sind allerhöchstens Atempausen eingeplant, damit man auch weiterhin „funktionstüchtig“ ist und sich als Rädchen in der Maschine weiterdreht. Ich komme mir dabei wie ein Ertrinkender vor, der versucht nach Luft zu schnappen. Gerade genügend um bloß zu überleben, von Verwirklichung kann keine Rede sein.

Generell liegt diesem Konzept zu Grunde, dass der Wert des Menschen und auch der Wert sämtlicher Zeit, die er zur Verfügung hat, an Leistung, Produktivität und ähnlichen Begriffen gemessen wird.

Dagegen möchte ich Stellung nehmen und euch sagen: Das sind längst überholte Denkweisen, die wir hinter uns lassen sollten und die wir durch neue, menschliche ersetzen sollten.

Wer geliebte Menschen hat, dessen Herz weiß es bereits. Die Liebe und Wertschätzung, die man für einen anderen hegt, ist nicht abhängig von Leistung und dergleichen. Liebt man seine Kinder weniger, wenn sie nicht die Klassenbesten sind? Liebt man seinen Partner, weil sie/er einen gewissen Posten innehat? – NEIN! Wenn man wahrhaft liebt, spielen solche Faktoren keine Rolle.

„Wer geliebte Menschen hat, dessen Herz weiß es bereits. Die Liebe und Wertschätzung, die man für einen anderen hegt, ist nicht abhängig von Leistung und dergleichen.“

Deshalb sollten wir Menschen uns davon befreien und auch andere nicht danach bewerten. Denn wir dienen doch nicht der Zeit! Sie soll uns Freiraum geben, uns zu entfalten. Weder vor einem zukünftigen Arbeitgeber noch vor sich selbst sollte man als „vom Wege Abgekommener“ auftreten müssen, wenn man „Lücken“ im Lebenslauf vorzuweisen hat, weil man sich freie Zeit („Freizeit“) für die eigene Entfaltung genommen hat, anstatt sie mit Aktivitäten vollzustopfen.

Manche könnten befürchten, da wir leider derzeit in einer Leistungsgesellschaft leben, alles würde durch den Wegfall dieses Prinzips auseinanderfallen. Ich bin davon überzeugt, das Gegenteil wäre der Fall. Höhere Lebensqualität, mehr Produktivität und Kreativität wären die Konsequenz.

#lebenkunst4null
#lebenskunst4null ist eine fortlaufende Kolumne auf i-ref.de, in der euch vier Philosophen mit auf die Reise durch ihre Gedanken-und Gefühlswelt zum Thema Leben im 21. Jahrhundert nehmen.