ÄNGSTE ÜBERWINDEN

Nach den Abenteuern der ersten Tage  verbringen wir den folgenden Tag fast ausschließlich am Strand, schnorcheln, tauchen und entspannen unter der Sonne Sharm el Sheikhs. Die Unterwasserwelt ist hier wirklich einzigartig und ich verstehe, warum Ägypten das Taucher- und Schnorchlerparadies auf der Welt ist. Am Abend treffen wir uns wieder mit dem Hotelmanager Jacques zum Essen und er erzählt uns von seiner Arbeit in den besten Hotels in Tokio, London, Lille, Manila, Bangkok, New Orleans, Abu Dhabi, … Wir hängen alle förmlich an seinen Lippen, denn er hat Geschichten über Kulturunterschiede, die Menschen und sein Leben in den jeweiligen Städten und Ländern auf Lager, die uns alle zum Lachen und manche davon auch zum Nachdenken bringen.

Am nächsten Tag treffen wir das deutsche Paar wieder, das uns kurz zuvor zu ihrem Tauchcamp in Sharks Bay eingeladen hatte. Ja, richtig – Sharks Bay! Spontan vergeht mir die Lust, auch nur einen Zeh ins Wasser zu halten und ich bleibe erstmal auf dem Boot, mit dem wir alle gemeinsam erst einmal nach Ras Mohammed, einem Nationalpark an der südlichsten Spitze der Sinai-Halbinsel, fahren. Wir sind hier in der Wüste, daher ist die Vegetation sehr spärlich, aber in den Akazien und Doumpalmen sind 220 Vogelarten Zuhause, erfahre ich. Den Namen, der in „Kopf Mohammeds“ übersetzt werden kann, gaben einheimische Fischer dem Gebiet, da vom Meer aus gesehen, der höchste Fels am Südende des Kaps einer männlichen Kopfform ähnelt.

UNTER DEM MEER

Als dann alle ins Wasser springen, um an den Riffen des Nationalparks entlang zu schnorcheln und zu tauchen, verdränge ich, dass wir kurz vorher noch in Sharks Bay waren und springe. Und was soll ich sagen: Gott sei Dank, bin ich gesprungen! Natürlich nicht nur, weil die Angst vor Haien rational total unbegründet ist und natürlich auch nicht jeder Hai ein blutrünstiges 3m-langes Tier ist, das mich snacken will, sondern auch, weil plötzlich alles bunt ist. Die Strömung ist etwas stärker und das ist wohl der Grund für die gut erhaltenen Korallen, meint unser Guide. Manchmal frage ich mich ja schon, ob die Fische sich nicht gestört fühlen, wenn wir so über sie hinweg schwimmen und sie begutachten, aber es passiert wirklich alle 20 Sekunden, dass ein – meist sind es die knallgelben – Fisch auf mich zuschwimmt und mich zu begutachten scheint. Sie kommen auf wenige Zentimeter nah herangeschwommen und ich fühle mich nicht mehr als Beobachterin, sondern als beobachteter Gast in einer anderen Welt. Die folgenden Fotos hat einer aus unserer Gruppe, Daniel, leidenschaftlicher Profi-Taucher, gemacht, während der Rest der Gruppe wenige Meter über ihm schnorchelt.

EIN PERFEKTER ABSCHLUSS

Wir machen uns auf den Rückweg und ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich heute mal nicht alle 3 Stunden eine Hauptmahlzeit und zwischendurch Süßigkeiten bekommen habe, oder ob der Wellengang plötzlich wirklich so viel stärker ist als auf der Hinfahrt, aber ich werde so seekrank, dass ich zwischenzeitlich darüber nachdenke, wer wohl alles auf meine Beerdigung kommen würde… Hinlegen bringt nichts, zum Horizont schauen schon gar nicht, eine Limette lutschen macht es nur kurzzeitig erträglicher, doch dann, ihr Lieben – die beste Medizin, die jegliche Übelkeit von 100 auf 0 vergehen lässt: der Kapitän ruft „WHO WANTS TO SEE DOLPHINS?“ Meine Gruppe dachte mittlerweile, sie müssten sich von mir verabschieden, doch in dem Moment springe ich auf und erlebe etwas, wovon ich schon immer geträumt habe: wilde Delphine begleiten – ja, damit es noch kitschiger ist, natürlich – im Sonnenuntergang unser Boot!

IM HIER UND JETZT LEBEN

Am Abend kehren wir wieder im Camp des Taucherpaares ein und haben einen wundervollen Abend mit gutem Essen, dem Rauschen des Meeres im Hintergrund und leckeren Drinks. Das Camp führen sie seit etwa 10 Jahren und es kommt mir herrlich authentisch und gemütlich rüber. Das Paar, Klaus und Mary, stammt aus München und lebt hier ihren Traum von der Selbstständigkeit auf einem wunderschönen Fleckchen Erde. Der Zahlenmensch aus der Gruppe fragt, wie es denn mit dem Rentensystem in Ägypten aussehe und Klaus erzählt gelassen und schmunzelnd, dass er im Alter nichts vom ägyptischen Staat erwarten könne, aber er sorge eigenständig vor und sowieso denke er noch gar nicht an Rente. „Rentenzeit“ – was soll das überhaupt sein, fragt er. Klaus meint, finanziell sorge er schon vor, aber die Bedeutung der Rente für die Deutschen, nämlich „endlich endet mein Arbeitsleben“, kann er nicht nachvollziehen. Auf die Rente hinzuarbeiten und dann endlich anzufangen zu leben, will er nicht: „Was soll ich denn dann in der Zeit machen? Auswanderer im TV anschauen und lechzen?“.

DAS GLÜCK DER ERDE...

Der vorletzte Tag bricht an und jetzt kann ich euch endlich verraten, was bis vor wenigen Tagen nur ein Plan für die Umsetzung einer meiner größten Träume war: Ich bin in meiner Teeniezeit schon immer geritten und welcher Traum kann naheliegender sein, als eines Tages am Strand entlang zu reiten. Geträumt, getan. Der Besitzer der Pferdelodge holt mich mit dem Safarijeep am Hotel ab und wir fahren in die hinterste Ecke Sharm el Sheikhs in die Wüste. Plötzlich, mitten im Nirgendwo, erscheint die Lodge und ich sehe bereits die Araberpferde an ihren Ställen stehen – ich bin aufgeregt. Die Besitzerin der Lodge hat bis vor drei Jahren in Mailand gelebt und hat sich mit ihrem Mann zusammen hier einen Traum verwirklicht. Kaum versehe ich mich, da sitzen wir, Mary, die Besitzerin der Lodge und ich, bereits auf den Pferden und reiten durch die Wüste Richtung Meer. Mein Pferdemädchenherz macht ein paar Hüpfer und ich strahle vor mich hin. Auf dem Weg kommen wir an einer Herde Dromedare vorbei und ich denke mir, authentischer könnte es gerade nicht sein. Ich strahle weiter und wir galoppieren im Wettrennen durch das Rote Meer.

FORTSETZUNG FOLGT

Während ihr das hier gerade lest, sitze ich im Flugzeug Richtung kaltem Köln. Oder vielleicht bibbere ich mich schon von Bahn zu Bahn nach Hause in meine Wohnung. Ich muss alles erstmal verarbeiten, was für ein unerwartet (!) schönes und beeindruckendes Land ich in den letzten 7 Tagen kennengelernt habe. Mir ist bewusst, dass ich mit dem Süd-Sinai zwar nur einen Hauch von Eindruck von ganz Ägypten bekommen habe – man denke daran, dass die Amerikaner alle Deutschen stets in Dirndl, Lederhose und einer Maß erwarten – doch umso mehr Lust habe ich, das Festland irgendwann zu bereisen. Ich habe so viel über das Land, die Kultur und die Menschen lernen dürfen, dass ich darüber in den nächsten Tagen einen extra Artikel schreiben werde.

KOOPERATION

Die Reise nach Sharm el Sheikh in Ägypten findet in Kooperation mit der Savoy Group statt. Sämtliche redaktionell entstandenen Beiträge bleiben von der Zusammenarbeit unberührt.

Wir danken im Voraus für das wunderbare Programm und die Organisation dieser Reise!