04
Aug
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Eloy de Jong – „Einfach echt“

Eloy de Jong ist der Shooting-Star am deutschen Schlagerhimmel 2018. Das ist eine kleine Revolution. Denn de Jong ist dabei einfach so wie er ist: ein offen schwuler Familienvater Anfang 40. Der ehemalige Sunnyboy von Caught In The Act beseitigt so mit jedem Auftritt Vorurteile, einfach indem er rückhaltlos er selbst ist. Im Video zu seiner neuen Single „Schritt für Schritt“ wird das mit genauso großer Selbstverständlichkeit gelebt wie bei seinem Auftritt mit Marianne Rosenberg zum Berliner CSD. Ein Gespräch über Kinder, Väter und den ungeraden Weg zum großen Glück.


Du hattest vor ziemlich genau 20 Jahren dein öffentliches Coming-out als schwuler Mann. Hättest Du damals gedacht, dass Du heute an der Spitze der deutschen Charts sein würdest?

Mein Coming-out war ja keine Karriereentscheidung. Stephen (Gately, Anm.d.R.) und ich waren einfach total verliebt ineinander und wollten das der Welt mitteilen. Wir waren beide Mitglied von erfolgreichen Boybands, Stephen bei Boyzone und ich bei Caught In The Act, und hatten den Druck, uns nicht zu outen jahrelang empfunden und vermittelt bekommen. Jetzt waren wir in der Situation das gemeinsam auflösen zu können. Es war einfach ein Schritt in die Freiheit. Also haben wir unsere Geschichte erzählt und uns parallel gesagt: Wenn das hier unsere Karriere ruiniert, haben wir immer noch einander. Es war eine Entscheidung für die Liebe. 

Hat es eure Karriere denn beeinflusst?

Sicher. Aber wie genau und ob im Positiven oder Negativen, ist für mich selbst jetzt schwierig zu sagen. Wir haben beide von unseren Fans so unglaublich viel positives Feedback bekommen. Und natürlich ist kommerzieller Erfolg immer schön. Aber über Jahre tausende unterstützende, dankbare Nachrichten aus aller Welt zu bekommen, weil du endlich einfach du selbst bist und damit auch anderen Leuten hilfst, das hat mir immer viel mehr bedeutet, als CDs zu verkaufen. Und das gilt heute immer noch.

Was meinst Du damit genau?

Es ist super, wie es gerade läuft. Ich bin wirklich happy über den Erfolg mit dem Album und darüber, wie gut „Egal was andere sagen“ gelaufen ist. Aber, der Erfolg, der mir viel mehr bedeutet, sind die persönlichen, positiven Nachrichten von so vielen verschiedenen Menschen, denen das Lied und meine Arbeit etwas bedeutet oder vielleicht irgendwie das Leben leichter macht. 

Stephens Soloalbum war vor 20 Jahren kein kommerzieller Erfolg. Viele haben damals gesagt, dass lag daran, dass er offen schwul war. Du hast als offen schwuler Mann jetzt großen, auch kommerziellen Erfolg, in einem Geschäft – Schlager – das eher als konservativ gilt. Hat sich da also etwas geändert?

Holland war immer das Land, in dem alles möglich war. Amsterdam war, vor dem kleinen konservativen Backlash den es in den letzten Jahren gab, die schwule Hauptstadt der Welt. Gerade deswegen ist es gut, meine Geschichte jetzt noch einmal zu erzählen. Die übrigens erstmal eine von verschiedenen Arten der Liebe ist und erst dann eine von Homosexualität. Mein Vater, der vor vielen Jahren starb, hat nie akzeptiert, dass ich schwul bin. Und es gibt immer noch Väter, die so sind. Deswegen weiß ich nicht, wie sehr sich die Gesellschaft geändert hat. Es wird sicher immer nötig bleiben und wichtig sein, dass Initiativen wie ENOUGH IS ENOUGH! auf ihre, und ich auf meine Art, der Welt zeigen, dass es gut ist, dass wir so sind, wie wir sind. 


“Es ist wichtig, der Welt zeigen, dass es gut ist, dass wir so sind, wie wir sind.”


Du hattest, wegen deines Vaters und seiner Homophobie, keine glückliche Kindheit. Was hast Du daraus für dein eigenes Vatersein gelernt. Wie gehst Du mit deiner kleinen Tochter Indy um und damit, dass ihr vielleicht von außen vermittelt wird, dass ihre Familie keine durchschnittliche ist, weil sie zwei Väter statt Mama und Papa hat?

Niemand ist durchschnittlich. Für Indy ist es einfach völlig normal, dass sie zwei Papas und eine Mama hat und zwei Zuhause. Sie kennt das ja gar nicht anders. Jede Familie unterscheidet sich irgendwie von allen anderen. Und doch haben alle Familien Dinge gemeinsam. Und wenn wir Indy vermitteln, dass die Gemeinsamkeiten im Leben wichtiger sind, als die Unterschiede, dann machen wir unsere Sache als Eltern gut. Außerdem hat Indy auch eine Freundin, die eben zwei Mamas hat. Für Kinder ist das heutzutage normal. Wenn ihre Freunde bei uns gespielt haben, gehen sie zurück zu ihren Eltern und fragen: „Warum habe ich eigentlich keinen zweiten Papa? Könnt ihr das nicht machen?“ (lacht) Die sehen die ganz klaren Vorteile, die dieses Model hat und möchten das auch. Kinder sind nicht von sich aus homophob, das muss man ihnen erst beibringen. Das wichtigste in Indys Erziehung für uns, ist, ihr zu vermitteln, dass sie absolut richtig ist, so wie sie geboren ist. Ich wusste mit fünf oder sechs, dass ich anders bin, als die anderen Jungen in meiner Schule. Und dann einen Vater zu haben, der jeden schwulen Mann im Fernsehen beschimpft, macht etwas mit deinem eigenen Selbstwertgefühl. Nichts Gutes. Und bei Indy ist das anders: Was auch immer sie entscheidet, unterstützen wir. Letzte Woche hat sie gesagt: „Papa, ich denke, ich werde wohl doch einen Jungen heiraten.“ Und wir haben gesagt: „Alles in Ordnung, mach Dir keine Sorgen. Das ist super.“ Das war wohl ihr Coming-out irgendwie. (lacht) Abgesehen davon ist unser Familienleben aber auch sehr unaufgeregt: Da ist viel Liebe, Harmonie und Gemeinsamkeit. Glück ist halt nie besonders aufregend von außen. Das wir zwei Männer und ein Kind sind, ändert daran nichts. 

Das war in deiner Kindheit nichts so.

Nein. Ich hatte das nicht. Aber das hat mich angetrieben. Ich war ja mit CITA schon sehr jung wahnsinnig erfolgreich. Was ich damals brauchte. Als Selbstbestätigung. Der Erfolg gab mir das Gefühl: „Es ist eben doch gut, dass es dich gibt.“ Was von meinem Vater permanent in Frage gestellt worden war. Ohne all das habe ich mich relativ wertlos gefühlt.


“Weg mit den Vorurteilen, her mit der Liebe zu uns selbst.”


Wann hat sich das geändert? Wann hast Du deinen Frieden damit und mit dir selbst gemacht?

Ich dachte, dass mit der Boyband-Karriere würde immer so weitergehen. Das war nicht so. Und dann war ich mit Stephen in einer wirklich guten Beziehung. Bis wir uns getrennt haben. Da war ich dann vielleicht am Tiefpunkt meines Lebens. Ich dachte, Erfolg, Liebe und Freude, das wäre alles auf einmal nur noch Vergangenheit. Das Gefühl war: Ich habe mein Leben gelebt, und jetzt ist es vorbei. Sowas hört man manchmal von alten Menschen, aber ich war damals Mitte zwanzig. Und an diesem Punkt, wenn man ganz unten ist, muss man sich irgendwann entscheiden: Kämpfen oder aufgeben. Und ich habe gekämpft. Dazu gehört, dass ich lernen musste, dass ich auch ohne Erfolg und ständigen Zuspruch von außen, ein guter, wertvoller Mensch bin. Das geht nicht über Nacht. Aber so hat mir der Schritt aus dem Rampenlicht eigentlich gut getan. Ich hatte Zeit, die Liebe wieder zu finden, eine Familie zu gründen, mir etwas aufzubauen, das völlig unabhängig von meiner Karriere das Fundament meines Lebens ist. 

Liebst Du dich selbst?

Lass mich das so beantworten: Ich weiß immer, dass ich es wert bin, geliebt zu werden. Das ich gut so bin, wie ich bin. Völlig unabhängig davon, was in meiner Karriere passiert oder in meiner Kindheit passiert ist. Und kann vielleicht gerade deswegen meinen derzeitigen Erfolg mehr genießen. Und wenn wir dieses Gefühl der jüngeren LGBTIQ*-Generation, und allen anderen Menschen, vermitteln können, ist das super. Weg mit den Vorurteilen, her mit der Liebe zu uns selbst.

Bist Du ein besserer Künstler, weil Du jetzt glücklich bist?

Ich bin ein besserer Künstler, weil ich jetzt frei bin. Jetzt kann ich mein Herz aufmachen und einfach drauf los reden, so wie mir der Schnabel eben gewachsen ist. In den 90ern musste ich bei Interviews wie diesem hier jeden Satz dreimal im Mund umdrehen, habe ständig darüber nachgedacht, ob ich zu weiblich sitze, zu viel mit den Händen gestikuliere und ähnlichen Quatsch. Jetzt kann ich auch auf der Bühne und vor der Kamera einfach so sein, wie ich bin. Das vereinfacht vieles und schafft Raum für Sachen, die viel wichtiger sind. Der Künstler Eloy und der Mensch Eloy waren früher sauber getrennt. Und sind es jetzt nicht mehr. Weil ich nicht mehr vorgeben muss, etwas oder jemand zu sein, der ich eigentlich nicht bin. Das was die Leute sehen, bin auch ich. Und diese Echtheit will ich nie wieder abgeben.


Das offizielle Musikvideo zu “Schritt für Schritt”

Mehr zu Eloy de Jong

Das Album “Kopf aus – Herz an” ist seit mehreren Wochen in den Top 10 der deutschen Album-Charts. Mit seinem Solo-Debut-Album singt sich der smarte Sänger in die Herzen seiner Fans! Auch in Österreich und der Schweiz hatte der von Christian Geller produzierte Longplayer auf Anhieb die Topregion der Charts aufgemischt: Parallel zu Platz 2 in Österreich ging das facettenreiche Schlageralbum des Niederländers in der Schweiz auf die #10!

„Jeder Schritt macht uns noch größer, als wir sind“, heißt es treffend in der jüngsten Singleauskopplung „Schritt für Schritt“, einer astreinen Sommer-Hymne des Sängers aus Den Haag, die spätestens jetzt auch als Soundtrack zu seinem aktuellen Siegeszug gelten darf.

Nach vereinzelten TV-Auftritten (z.B. bei „Das perfekte Promi-Dinner“, „ZDF Fernsehgarten“) feierte Eloy de Jong zunächst Mitte des Jahrzehnts ein grandioses Comeback mit Caught in the Act, um dann vor wenigen Monaten seine Solokarriere als Schlagersänger fulminant anzukündigen: Auf den wahrlich „magischen Moment“, als er in Florian Silbereins „Heimlich!“-Show den Album-Vorboten „Egal was andere sagen“ erstmals live vorstellte, folgten postwendend die ersten Charterfolge – unter anderem Platz #1 in den Downloadcharts! Zugleich war damit bereits der Grundstein für die sensationellen Erfolge gelegt, die er seit Anfang Juni mit seinem Album „Kopf aus – Herz an“ feiert.

Hier könnt ihr das komplette Album streamen und downloaden: http://telamo.click/EloyDeJong_KopfAus-HerzAnWe

 

 

 

 

 

 

 

Mehr zu ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH!

Interview: Paul Schulz

ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH! ist Deutschlands größtes Netzwerk zur Unterstützung der LGBTIQ* Community weltweit. Die Initiative ist dabei auf fast allen sozialen Netzwerken vertreten und betreibt dabei gleichzeitig auch Deutschlands größten LGBTIQ* Newsfeed. Das Aktivist*innen-Netzwerk arbeitet komplett ehrenamtlich und wird Ende August 2018 fünf Jahre alt.

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