Was ist Liebe? Da die Versuche, diese Frage zu beantworten immer nur noch mehr Fragen produzierten, dachte ich, ein Blick in Wikipedia, die digitale Kornkammer des Weltwissens, könne Aufschluss geben. Man liest dort: „Liebe ist im Allgemeinen die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung und Wertschätzung, die ein Mensch einem anderen entgegenzubringen in der Lage ist. Der Erwiderung bedarf sie nicht.“

Aha, Liebe ist also ein Gefühl zwischen Menschen, das reicht mir aber nicht. Vielleicht hilft es ja, mit den außergewöhnlichsten Spielarten der Liebe zu beginnen, um ihrem Kern näher zu kommen. Wo die Liebe hinfällt…

1. Die Liebe zu Objekten

Die wohl bekannteste Form der Liebe, die sich nicht zwischen zwei menschlichen Partnern vollzieht, ist die Objektophilie. Allerdings handelt es sich dabei, und hier treten oft Missverständnisse auf, nicht um einen rein sexuellen Fetisch, sondern verlangt eine tiefgehende emotionale Bindung eines Menschen an ein Objekt.

Prominent wurde die Geschichte der Schwedin Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer, die, ihr ahnt es, eine Ehe mit der Berliner Mauer einging. Schon seit den 60er-Jahren war sie dermaßen von der Grenze zwischen West- und Ost-Berlin fasziniert, dass sie 1979 einen Animisten beauftragte, mit dem Bauwerk zu kommunizieren und die Eheschließung vorzunehmen. Nicht so schön wie für die meisten Deutschen war dagegen der 9. November 1989- seit diesem Tag bezeichnet sich Eklöf offiziell als Witwe.

Auch Erika LaBrie aus San Farncisco sorgte medial für ordentlich Wirbel, allerdings nicht in ihrer Heimat, sondern in Frankreich. 2007 heiratete die bekennende Objektsexuelle nämlich den Eiffelturm. Im Beisein einer Handvoll enger Freunde und einiger neugieriger Touristen wurde die symbolische Zeremonie am Fuße des weltbekannten Turms vollzogen. Die Behörden verwehrten der Eheschließung zwar die Anerkennung, einer Namensänderung stand jedoch nichts im Wege, weshalb sich Erika nun offiziell Erika Eiffel nennen darf.

2. Die Liebe zu Fortbewegungsmitteln

Eine speziellere Variante der Objektliebe ist die Mechanophilie, bei der sich Menschen zu mechanischen Fortbewegungsmitteln wie Fahrrädern, Autos, Lastwagen oder Flugzeugen hingezogen fühlen. Der US-Amerikaner Edward Smith beispielsweise pflegt eine besondere Beziehung zu Autos: er sammelt sie nicht nur, sondern schläft auch mit ihnen. Sein sexuelles Interesse an Maschinen nahm im Teenageralter seinen Ursprung und sorgte dafür, dass Smith heute von sich behaupten kann, über 45 Jahre hinweg Sex mit fast 1000 Autos gehabt zu haben. Die wilden Zeiten sind allerdings mittlerweile vorbei, denn nun widmet er sich ganz Vanilla, einem VW Beetle, den er vor 30 Jahren aus zweiter Hand erstanden hat und ist sehr glücklich damit.

3. Die Liebe zu einer Comic-Figur

Die Popularität von Manga-Figuren in Japan ist ungefähr mit der von Fußballstars hierzulande vergleichbar. Selbst der japanische Staatspräsident offenbarte seine Passion für die Comics, die in seinem Land viel mehr als nur Kulturgut sind. Und wo der Funke der Leidenschaft einmal entzündet wird, liegt es in der Natur der Sache, dass selbiger hier und da zu einem Feuer der Liebe entbrennt. Einziger Haken an der Sache: aus ihrem Käfig der Zweidimensionalität kommen die Figuren meistens nicht raus. Zwar gibt es für diese Art der Liebe noch keinen Namen, fest steht aber, dass der Japaner Taichi Takashita sich so stark in die Manga-Figur Mikuru Asahina verguckt hatte, dass er 2008 sogar eine Petition zur Legalisierung von Ehen mit zweidimensionalen Figuren auf den Weg brachte. Das Ende vom Lied war leider ein tragisches: die Petition scheiterte, Taichi musste weiter alleine bleiben.

Sein Landsmann hingegen, der nur unter dem Gamerpseudonym SAL9000 bekannt ist, ließ sich von derlei bürokratischen Hürden nicht von seiner Liebe abbringen. Auch seine Liebste existierte nur in der virtuellen Welt, nämlich als Avatar aus dem Spiel „Love Plus“. Also organisierte er kurzerhand eine Hochzeit mit allem Drumherum, bestellte einen echten Geistlichen ins Technikinstitut Tokio und gab seiner Nene Anegasaki das Ja-Wort. Dass die Braut nur als Abbildung auf seinem feuerroten Gameboy anwesend war, störte ihn dabei nicht weiter.

4. Die Liebe zu Bäumen

Die Liebe mancher Leute zu Pflanzen treibt ja bisweilen schon seltsam anmutende Blüten aus, dass sich jemand aber sexuell zu ihnen hingezogen fühlt, war uns neu. Dendrophilie nennt sich das Phänomen, wenn Menschen ihr Liebes- und Sexualleben auf Bäume projizieren. Erst vor ein paar Wochen wurde der Fall von Emma McCabe aus London publik, die sich in einen verliebt hatte und sogar plant, ihren Liebhaber, den sie übrigens Tim nennt, vor den Traualtar zu führen. Auch ihre libidonösen Bedürfnisse kommen anscheinend nicht zu kurz: Zum Liebesspiel entkleidet sie sich einfach und reibt sich an Tims rauer Rinde. Dem Closer Magazin gestand sie sogar, es sei „der beste Sex, den ich je hatte“. Allerdings erschöpft sich das Liebesleben, wie in jeder Beziehung, nicht nur im Sex, manchmal trifft sich Emma mit ihrem Baum auch nur zum Reden.

5. Selbstliebe

Wenn wir in diesem Fall von Selbstliebe schreiben, meinen wir nicht etwa den Hang zur Eitelkeit, den wir mehr oder weniger ausgeprägt in uns tragen, sondern den seltenen Fall, in dem sich Leute tatsächlich in sich selbst vergucken. Nehmen wir zum Beispiel den Chinesen Liu Ye, der 2007  ein lebensgroßes Foto, das ihn selbst in einem roten Brautkleid zeigte, ehelichte. Wer jetzt meint, dass dieses Event mal eben auf dem Amt vonstatten ging, täuscht sich gehörig. Die Zeremonie fand unter den Augen zahlreicher, wahrscheinlich arg verdutzter Gäste mit all dem TamTam einer chinesischen Hochzeit auf einem öffentlichen Platz in Guanzhou statt.

Ein paar Jahre später tat es ihm Nadine Schweigert aus North Dakota gleich. Mit der Ausnahme, dass sie nicht mit ein Foto ihrer Selbst  den Bund der Ehe einging, sondern mit ihrem Spiegelbild. Die Heirat bezeichnete sie hinterher als Schlüsselerlebnis, um sechs Jahre nach ihrer schmerzhaften Scheidung wieder Fuß zu fassen.

Falls ihr erwägen solltet, auch irgendwann einmal euch selbst zu heiraten, in den USA gibt es eine Agentur, die derartige Zeremonien organisiert.

6. Die Liebe über den Tod hinaus

2012 sorgte der Fall von Chadil Deffy international für Aufsehen. In einer Kombination aus Hochzeit und Beerdingung heiratete der junge Thai nämlich seine verstorbene Freundin Sarinya Kamsouk. Das Paar, zu diesem Zeitpunkt schon 10 Jahre zusammen, hatte schon Pläne für eine baldige Hochzeit gemacht, als Sarinya in einem tragischen Verkehrsunfall um’s Leben kam. Seelisch arg gebeutelt, beschloss Chadil daraufhin, seiner Freundin als Zeichen seiner Liebe auf dem Totenbett den Ehering überzustreifen. Für die Zeremonie, die vier Tage nach dem Unfall in einem Tempel in der Provin Surin stattfand, hüllte man die Tote in ein weißes Kleid mit Schleier und langen Spitzenhandschuhen, während der Bräutigam in schwarzem Frack auftrat. Nach der recht öffentlichkeitswirksamen Vermählung wurde Sarinya Kamsouk dann zur letzten Ruhe gebettet und überall wurde diskutiert: gruslig oder rührend?

7. Die Liebe zu Außerirdischen

Bis hierhin haben wir schon eine ganze Menge abgefahrener Liebesgeschichten gelesen, doch diese hier setzt dem Ganzen die Krone auf. Glaubt man Simon Parkes, Stadtrat der englischen Kleinstadt Whitby in North Yorkshire, ist Liebe nämlich nicht einmal an unseren Planeten gebunden. Parkes behauptet nämlich nicht nur, schon im Bauch seiner Mutter von Außerirdischen besucht worden zu sein, sondern auch seine Jungfräulichkeit im Alter von 5 Jahren an eine holografische Erscheinung verloren zu haben, die nicht von dieser Welt war. Zu allem Überfluss ist er auch noch der Erzeuger eines extraterristischen Kindes names Zarka, was komischerweise zu handfesten Streits mit seiner irdischen Frau geführt hat. Wovon sie auch nicht übermäßig begeistert sein dürfte, ist der Umstand, dass Parkes ungefähr viermal im Jahr sexuellen Kontakt zu einem Alien pflegt, den er Cat Queen nennt. Wie der Sex von einem anderen Stern ist?  Nun ja: „To aliens it’s not about age, it’s about experience and souls.“

Bildquellen: Header: Matthias Ripp unter  CC BY-SA 2.0, (1) Filmstill from „Berlinmuren“ by Lars Laumann, Courtesy Maureen Paley, London; (2) Wikimedia unter CC BY-SA 2.0; (3) Dave Bonta unter CC BY-SA 2.0, (4) angrylambie1 unter CC BY-SA 2.0 (5) via Chadil Deffy (6) via Den of Geek