Als ich vorgestern voller Vorfreude auf meine Wetter-App schaue, erwischt es mich nasskalt: In Bern soll es am Freitag, das ist heute, regnen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 80%. Bei 9 Grad. Das sind ja schöne Aussichten, denke ich. Und in der Tat: Kaum bin ich in Bern, regnet es – zu 100% – und ich habe nichtsdestotrotz in der Tat äußerst schöne Aussichten.

Schöne Aussicht 1: Der Landeanflug

Ich fliege mit SkyWork – kennt Ihr nicht? Ging mir bislang auch so. Das mag daran liegen, dass die Schweizer Fluggesellschaft ausschließlich von und nach Bern fliegt. Mit insgesamt 5 Flugzeugen. Gut, Flugzeuglis trifft es wohl besser. Schließlich bin ich in der Schweiz und dort wird an alles, das sich mit dem Wort „niedlich“ beschreiben lässt, ein -li gehängt. Ich nehme in einem der entzückenden kleinen Flieger in Reihe 10 von 10 Platz – insgesamt 31 Plätze gibt es. Davon gehören mir ganze zwei. Privatjet-Atmosphäre. Klein, aber fein, denke ich – ohne zu wissen, dass ich in diesem Moment das Motto meines Aufenthalts gesetzt habe. Und noch etwas wird sich bereits auf dem Weg in mein Wochenendvergnügen abzeichnen: Die Schweizer sind, was man ihnen nachsagt: ganz und gar genau! Beim Landeanflug blicke ich auf lauter kleine Felder, die wie mit dem Lineal gezogen angeordnet sind. Dazwischen eine Eisenbahn, ein Flüsschen, kleine Straßen – kein Zweifel: Die Landschaft auf dem Dachboden meiner Großeltern, durch die vor 25 Jahren Opas Modelleisenbahn getuckert ist, muss hier Pate gestanden haben.


Schöne Aussicht 2: Das Bellevue

Als ich Bern erreiche, ist der Himmel verhangen. Was ich sehe, als ich mein Zimmer betrete, ist der Beweis dafür, dass mein Hotel seinen Namen zu Recht trägt. Denn ganz offensichtlich hat man im Bellevue immer eine schöne Aussicht. Die Aare – Türkisblau vom Gletscherwasser – windet sich durch Bern. Am Horizont kann man die Westalpen erahnen. Wie unglaublich muss dieser Blick erst sein, wenn die Sonne scheint. Morgen vielleicht?


Schöne Aussicht 3: Die Zytglogge

Als ich mich am nächsten Morgen – heute – aufmache, Bern zu erkunden, gießt es. Kein Grund zum Piensen, ich bin schließlich nicht aus Zückli. Mein Guide Christoph, pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk, bringt mich außerdem sogleich ins Trockene und zeigt mir zuerst einmal: ein Schweizer Uhrwerk. Die Zytglogge ist ein Wahrzeichen der Stadt und mit all Ihren Zahnrädern, Seilgewinden und Kurbeln ein wahres Wunder der Technik. Mich wundert indes nicht, dass Casper Brunnern, der Erbauer des Uhrwerks, drei Jahre gebraucht hat, um diese dinggewordene Präzision zu erschaffen: Drei Wochen lang hat er geschmiedet – bleiben 2 Jahre und 49 Wochen, um zu grübeln, zu rechnen und zu tüfteln. Meine mathematischen Fähigkeiten enden fast genau bei dieser Berechnung – nur damit Ihr nachvollziehen könnt, wie sehr mich eine Glockenturmuhr aus dem Jahre 1530 zu beeindrucken vermag, die fast 500 Jahre später noch immer minutengenau die Zeit anzeigt.


Schöne Aussicht 4: Das Berner Münster

Als wir den Glockenturm verlassen… regnet es. Also hüpfen wir über all die kleinen Pfützlis, die sich zwischen den Kopfsteinpflastersteinen bilden, durch niedliche, kleine Gässlis (die doppelte Verniedlichung ist an dieser Stelle angebracht) bis zum Berner Münster. Das Münster wurde zwischen 1421 und 1893 im Stil der Spätgotik erbaut und ist mit 100,60 m – Christoph informiert mich auf den Zentimeter genau – die größte Kirche der Schweiz. Damit ist das Bauwerk ein wunderbares Beispiel dafür, dass Hektik in der Schweiz klein, Präzision hingegeben groß geschrieben wird. Als Christoph mir schließlich die Heiligen an der Front der Kirche vorstellt, ist mir Petrus seltsamerweise am unsympathischsten… Es wird Zeit, dass wir ins Trockene kommen.


Schöne Aussicht 5: Das Klösterli

Im Weincafé Klösterli ist es warm und gemütlich. Und klein und niedlich – aber das verrät ja der Name schon. Die Karte ist ganz genau nach meinem Geschmack – ich schwanke zwischen Entrecôte vom irischen Angusrind, Maispoulardenbrust mit Morcheljus und Lammracks mit Honig-Minzjus. Das Lamm gewinnt und macht meinen Gaumen glücklich. Ich bin geneigt, Petrus die Hand zur Versöhnung zu reichen… Umso mehr, als dass mir meine Wetter-App für morgen einen netten Sonne-Wolken-Mix bei 20 Grad voraussagt. Na wenn das keine schönen Aussichten sind?


KOOPERATION

Wir bedanken uns bei Bern Tourismus und dem Hotel Bellevue Palace für die Einladung und die Gastfreundschaft!

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Hotel Bellevue Palace
Kochergasse 5
CH- 3011 Bern
info@bellevue-palace.ch
Tel.: +41 31 320 45 45

Klösterli Weincafe
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Täglich geöffnet:
11:00 – 23:30 Uhr