Vor Kurzem bin ich 23 geworden. In noch kürzerer Zeit werde ich 24. Meinen Bachelor in Kommunikationsmanagement habe ich vor fast einem Jahr abgeschlossen. Seit 9 Monaten arbeite ich 40 Stunden die Woche in der Berliner Medienagentur RSA. Ich habe eine feste Beziehung und Freunde, von denen ich weiß, dass ich sie für immer behalten werde. Ich wohne in einer schönen Wohnung in Berlin Mitte. Ich versuche meinen Alltag geregelt zu bekommen – Einkäufe, Arzttermine, Steuererklärung. Von außen Betrachtet eigentlich genau das Leben, das ich mir, als ich noch jünger war, für mich als 23 Jährige auch ausgemalt hätte – doch die meiste Zeit fühlt es sich eher so an, als hätte ich nichts unter Kontrolle, keinen Plan was ich im Leben eigentlich wirklich will und als hätte ich nur Glück gehabt, dass alles gerade so ist, wie es ist.

Währenddessen jedoch fühlte es sich eher so an, als würde ich von einer Sache in die nächste stolpern und nie so wirklich wissen, was ich eigentlich will, soll, muss oder kann.

Verloren in einer Welt, in der die Zeit nur so davonrast und man einfach keine Zeit dafür hat, überhaupt zu realisieren, was alles in seinem Leben passiert. Immer damit beschäftigt, irgendetwas zu planen, aber sich bloß nicht auf einen einzelnen Plan festzulegen. Denn die ganze Welt steht mir offen. Im Sommer möchte ich meinen Master beginnen. Vor einem Jahr noch, war es mein größter Traum dafür nach Kopenhagen zu ziehen und ein hardcore Business Studium zu beginnen – damit auch auf jeden Fall mal was aus mir wird. Dann wurde meine Bewerbung abgelehnt. Besonders traurig war ich nicht, denn eigentlich hatte ich schon wieder einen neuen Traum. Oder eher 10 neue Träume. Als Alternative hatte ich mir überlegt, ein paar Monate in ein Ashram nach Ecuador zu gehen, um mich dort selbst zu finden. Dank des Leistungsdrucks der Gesellschaft und wahrscheinlich auch von mir selbst, habe ich diesen Plan jedoch schnell wieder verworfen. So fing ich also erst mal ein Praktikum an und wurde 3 Monate später als Festangestellte übernommen. Im Nachhinein, das wahrscheinlich Beste, was mir hätte passieren können. Währenddessen jedoch fühlte es sich eher so an, als würde ich von einer Sache in die nächste stolpern und nie so wirklich wissen, was ich eigentlich will, soll, muss oder kann.

Die Angst davor, falsche Entscheidungen zu treffen ist in unserer Generation (oder wahrscheinlich auch in allen anderen Generationen) allgegenwärtig. Das beginnt mit alltäglichen Entscheidungen, wie: „Was esse ich zu Abend (oder esse ich überhaupt zu Abend)?“ oder „Muss ich meinem Ex-Freund nach 3 Jahren Beziehungsende immer noch zum Geburtstag gratulieren?“. Dann sehe ich noch andere Leute in meinem Alter. Die einen, die seit 5 Jahren Ägyptologie im 2. Fachsemester studieren und ihr Gehirn leider währenddessen beim Feiern verloren haben. Die anderen, die bereits seit Jahren in einer festen Beziehung sind und die ersten Kinder entweder schon geboren oder bereits in fester Planung sind. Und ich selbst stecke irgendwo dazwischen, wie so viele andere auch. Niemand scheint so wirklich zu wissen, wer er eigentlich ist, was er will oder überhaupt irgendeinen Plan davon zu haben, was er eigentlich tut. Ich glaube weder, dass es die einzig wahre Erfüllung meines Lebens sein würde, jedes Wochenende von Freitagabend bis Montagmorgen im Berghain zu verbringen, noch, dass es mich bis ans Lebensende glücklich machen würde, hätte ich bereits mit 18 mit „der Liebe seines Lebens“ Pläne für den Rest UNSERES Lebens geschmiedet und würde dieses nun in getrauter Zweisamkeit zu 90% auf der Couch verbringen. Doch nun stellt sich die Frage: Was ist denn nun der richtige Weg?

Aus schlimmen Erfahrungen lernen wir stärker zu sein und schöne Erlebnisse geben uns verlorene Kraft zurück.

Ich möchte hieraus kein „Wie werde ich endlich glücklich?“- Ratgeber machen, doch eines kann ich auf jeden Fall für mich persönlich sagen: Es gibt keine richtigen oder falschen Entscheidungen, solange man das tut, was einem sein Bauchgefühl sagt (Lest dazu auch den Beitrag „Ein kleiner Monolog über die Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen“ von Laura). Das Leben birgt so viele Überraschungen – gute und schlechte – und alles, was passiert hat irgendeinen Sinn. Und auch wenn ich überhaupt nicht der Typ Mensch bin, der an Übersinnliches glaubt, gab es in meinem Leben bisher schon so viele Situationen, die mich langsam an das Schicksal glauben lassen – oder eher, dem Schicksal vertrauen lassen. Aus schlimmen Erfahrungen lernen wir stärker zu sein und schöne Erlebnisse geben uns verlorene Kraft zurück. Ich kann definitiv von mir behaupten, dass ich keine einzige meiner bisherigen Erfahrungen missen möchte – und nein, auch mein Leben bestand nicht immer nur aus Zuckerschlecken.

Nun stehe ich mit der Masterwahl gerade wieder vor einer großen Entscheidung in meinem Leben und obwohl ich nicht weiß, ob er genau meinen Vorstellungen entsprechen wird, ob ich nach einem Semester abbrechen werde, ob ich danach einen guten Job bekommen werde oder ob es vielleicht doch der Master meiner Träume werden wird, habe ich keine Angst, denn ich weiß, dass solange man auf sich selbst vertraut, irgendwie immer alles gut werden wird.