Einmal ziehen wir ihn noch beiseite, den dicken, samtenen Vorhang in unserem Neuseeland-Reisekino. Nehmt doch bitte Platz und macht’s Euch gemütlich. Denn: Love is in the air. Weil das Zwischenmenschliche bislang zugunsten der Action- und Abenteuerszenen ein wenig zu kurz gekommen ist, erzählen wir Euch heute von Wally und Sally, einem Haufen betrunkener Kumpels und von vier Gefährten an einem See auf einer Insel in einem See auf einer Insel im Ozean. Mit Blick auf einen See auf einer Insel.

Den Letzten in der Runde beschreibt Chris als „dinner-plate-sized Lake“ – der sich im übrigen auch nur dann die Ehre gibt, wenn es geregnet hat. Oder anders: Eine Pfütze ist’s, die die wunderbare Lake-on-an-Island-on-a-Lake-on-an-Island-on-a-Lake-on-an-Island-in-the-Ocean-Aufzählung unseres Guides komplettiert. Aber das ist uns boogy – für Chris und uns ist und bleibt auch der kleine Kerl da hinten ein See. Schließlich sind wir heute die Goonies und Chris ein bei der Geburt von den anderen getrenntes Mitglied der Monty Pythons. Aber bevor wir weiter on the Bright Sight of Life und auf den See auf einer Insel im See auf einer Insel schauen, bedienen wir uns einer kurzen Rückblende und entern ein kleines Motorboot, das an einem Steg im Lake Wanaka auf uns wartet, um uns auf das Mou Waho Island zu bringen.

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Unser Bootsmann und designierter Insel-Guide: Chris Riley von Eco Wanaka Adventures. Chris steckt an. Er gestikuliert, grimassiert und erzählt uns von „seiner“ Insel, die zu schützen und deren Schönheit zu präsentieren seine Lebensaufgabe geworden ist. Er weiß um seine Entertainer-Qualitäten – dennoch, da ist nichts Aufgesetztes. Chris ist einfach ein Paradebeispiel eines Neuseeländers: herzlich, mit den Füßen auf der Erde, zugewandt und gesegnet mit einer gehörigen Portion britischen Humors. Voller Leidenschaft erzählt er uns bereits auf dem Weg zur Insel von der Flora und Fauna, die uns auf Mou Waho erwarten. Sein Boot ist zugleich eine Mini-Bibliothek – lauter Tier- und Pflanzenbücher stapeln sich und wollen an den Betrachter gebracht werden. An den Wänden alte Zeitungsausschnitte, über Chris, die Insel und ausgestorbene Vögel, die vor der letzten Eiszeit hier gelebt haben. Zum Beweis drückt uns Chris einen Riesenknochen in die Hand – ein echtes Fossil aus den Zeiten als Vögel noch nicht viel Possierliches an sich hatten.

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Dass man sich indes auch heute noch in Acht nehmen sollte vor den gefiederten Inselbewohnern, erfahren wir während unseres ersten Stopps auf Mou Waho. Chris platziert sich zwei Meter neben dem sogenannten Hangover-Tree und erzählt uns, wie er just an dieser Stelle vor einiger Zeit mit einer betrunkenen Riesentaube kollidiert ist. Diese hatte es auf den Baum abgesehen, um gepflegt ihren Rausch auszuschlafen. Dort treffen sich die geflügelten Suffkameraden nämlich immer dann, wenn sie wieder einmal die ein oder andere Inselbeere zu viel intus haben. Was die Beeren für die Tauben ist Chris für uns: Er quatscht uns auf die charmanteste aller Weisen besoffen, während wir uns den Weg hinauf durch das Inseldickicht kämpfen. Matze, der alte Jogger, ist der Babo, während Nina, Gigi und mir mitten im neuseeländischen Winter immer sommerlicher zumute wird. Wir lassen Mütze und Schals auf einer Bank liegen, um sie auf dem Rückweg wieder einzusammeln – weg kommt hier schließlich nichts, denn unsere kleine Reisetruppe ist ganz allein auf dieser Naturschönheit von einer Insel.

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Denkste! Als wir gegenseitig „Ich-bin-der-König-der-Welt“-Bilder mit Blick auf den See auf der Insel von uns schießen, kommt Wally des Weges. Wally ist ein Weka-Männchen. Wekas sind braun gefiederte Vögel, die ausschließlich in Neuseeland heimisch sind, etwa huhngroß und ganz offensichtlich so freundlich und zutraulich wie alle Neuseeländer. Chris stellt uns unseren neuen Reisegefährten vor und erzählt von Wallys großer Liebe zu Sally, mit der er sich die Insel seit vielen Jahren teilt. 18 weiteren Wekas haben die beiden bislang das Leben geschenkt – und das, obwohl ihr Erstgeborener, Wilson, ordentlich Ärger gemacht hat. So jedenfalls lautet die Geschichte aus Wallys Perspektive. Denn Wilson wollte auch nach den fünf Aufzuchtwochen bei Mama und Papa bleiben, während Papa es vorzog, wieder romantisch zu zweit zu leben. Ich erspare Euch die schmutzigen Details. Nur soviel: Wilson musste sich schließlich eine eigene Insel erobern.

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Da wir (leider) nur ein paar Stunden bleiben, dürfen wir „Wally Island“ in Ruhe weitererobern. Gemeinsam mit Wally wandern wir bis zum höchsten Punkt der Insel. Dort zeigt uns Chris sein „Office“, in dem er uns „High Tea“ und Cookies serviert. Und ich denke, ach was, ich weiß, dass kein Champagner-und-Kaviar-Picknick der Welt hier mithalten kann.

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Aber Chris, großartigster Guide ever, hat nicht nur Thermoskannen und Tupperdosen über die halbe Insel geschleppt, er hat auch ein kleines Bäumchen im Gepäck, das uns Vieren Mou-Waho-Ewigkeit schenken soll. Auf dem Rückweg pflanzen wir gemeinsam unseren Minibaum, den wir zunächst auf den Namen Wilson-Memorial-Tree taufen, um ihn wenig später in Mäusken-Tree umzubenennen. Denn wenn Matze Mäusken sagt, dann meint er Gigi, Nina und mich. Und so wird unser Bäumchen noch in 1000 Jahren, wenn es längst ein großer, alter, knorriger Baum geworden ist, von den vier deutschen Bloggern erzählen, die einst nach Neuseeland flogen, um die Südinsel zu erobern und mit einem Herzen voller Mou-Waho-Gold zurückgekehrt sind.

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Und jetzt ist es an der Zeit, danke zu sagen:

Matze, danke für Deine Gelassenheit und Dein immer wieder offenes Ohr, Deine beruhigenden und aufbauenden Worte, Deinen wunderbaren Humor und Deine Playlist, die unseren Roadtrip noch magischer gemacht hat, als er ohnedies schon war. Und dafür, dass Du manchmal genauso im Arsch warst wie ich. Zu zweit im Arsch sein ist soviel besser als allein. Ein Vergnügen war’s!

Nina, Du kleine Bitchface-Smaracuja, schön war’s mit Dir an meiner Seite – im Flieger, im Hotel und überhaupt überall, wo man uns schicksalhaft nebeneinander gesetzt hat. Deine Schlaftabletten haben mir das Leben gerettet. Danke! Danke fürs Zeichnen und Lippenstiftkaufen. Und für den Anstoß zum Peter-Jackson-Gedächtnis-Tanz. Can’t wait to watch your Jahresrückblick 2014!

Und Gigi, meine Perle, danke, danke, danke! Du warst mir Reisefreundin und Fels in der Brandung zugleich. Ohne Dich würde ich wahrscheinlich noch immer am Flughafen München sitzen und das Gate nach Singapur suchen. Jeder (Chefkoch), der sich von Dir küssen lassen darf, kann sich verdammt glücklich schätzen. Wann wird gekocht, damit wir Dich küssen können???

And once again: Ich danke Tourism New Zealand für die Einladung zu dieser besonderen Reise. Vor allem Paula, die uns herzlich und bombenmäßig organisiert durch die Südinsel geleitet hat. Und Gesa, stellvertretend für all die freundlichen und zuvorkommenden Mitarbeiter von Singapore Airlines, für den angenehmen und komfortablen Flug von Deutschland über Singapur nach Neuseeland und wieder zurück.

Und Dir, Niemi, danke ich ganz besonders. Für den schönsten Neuseeland-vergiss-mein-nicht-Kalender, den die Welt je gesehen hat. Und überhaupt.

#nzmustdo