Gerade noch habe ich mir die Mütze zurechtgerückt, damit die Ohren nicht frieren und bumms sitze ich auf meinem Bett und die Berliner Sommersonne scheint mir durch ungeputzte Fensterscheiben ins Gesicht. Zuhause. Schön. Mögen die Fenster auch noch so dreckig sein, wenn’s die eigenen sind, ist man doch immer wieder froh, von drinnen durchschauen zu können. Insbesondere nach 2 Reisetagen in 4 Flugzeugen und an 5 Flughäfen. Vor allem dann, wenn das Herz voll ist mit wundervollen Erinnerungen, die prädestiniert dafür sind, zu bleiben. Ich rede Wasserfälle und mein Freund erzählt mir, wie schön es ist, die Sonne in meinem Herzen in meiner Stimme zu hören. Konservieren wäre jetzt gut.

Eine Form der Konservierung ist das Schreiben. Unsere ersten Tage in Queenstown habe ich bereits eingeweckt und in meine Abstellkammer für Lieblingserinnerungen gestellt. Jetzt steht das 2. Einmachglas vor mir auf dem Tisch. Und ich nehme einen schwarzen Edding und schreibe „Te Anau“ darauf. Te Anau – die 2. Station auf unserer Reise durch die Südinsel Neuseelands, 2,5 Autostunden südlich von Queenstown. 2,5 Stunden, die zu den schönsten dieser Reise zählen. Da fliegt man nach Neuseeland und denkt: Jetboot – WOW! Fjorde – OMFG! Fallschirmspringen – YEE-HAW! Und verdammt noch mal, all diese Erlebnisse sind WOWOMFGYEE-HAW as hell. Aber, Kinder, was soll ich sagen: Wenn Ihr mal was richtig, richtig Wunderschönes erleben wollt, fliegt nach Neuseeland, setzt Euch ins Auto und fahrt einfach drauf los, vorbei an Bergen und Feldern in allen Farben einer Bob-Ross-Farbpalette, inklusive Liquid White: Schafe wachsen dort nämlich auf den Wiesen wie hier Pusteblumen.

Bildschirmfoto 2014-12-23 um 15.09.11

Und wenn es der Zufall will, dass Euch auf dieser Reise Richie begegnet, dann richtet Ihr ihm bitte verliebte Grüße von mir aus, ja? Richie ist das erste Miniaturpferd meines Lebens. Ich begegne ihm auf einer Weide neben einer Raststätte, an der wir uns stärken wollen. Dort steht er, neben einer doppelt so großen Stute und Jess, dem Schwein, das bestimmt noch mal einen halben Kopf größer ist als little Richie. 30 m von mir entfernt, keinen Bock, auch nur einen Miniaturpferdeschritt auf mich zuzukommen. Aber ihr kennt das, ignoriert zu werden, kann das Interesse noch einmal mehr anheizen. Und auch das Bad-Boy-Image, dass ihm Carla von Tourism New Zealand ein paar Tage später verpasst, als sie Miniaturpferde als furchtbare Kreaturen bezeichnet, kann meinen Gefühlen nichts anhaben. Richie, Baby, believe me: „We can forget all our troubles, forget all our cares…“ singt Patula Clark, als Matze, Gigi, Nina, Paula und ich wieder ins Auto steigen, um uns auf den Weg nach „Downtown“ Te Anau zu machen. Die Serpentinenübelkeit ist verflogen, mein Herz mal wieder übervoll und ich bin heilfroh, eine Packung Taschentücher dabei zu haben.

Bildschirmfoto 2014-12-23 um 15.09.11

In Te Anau kann Bob Ross das Liquid White erst mal wieder einpacken. Der Himmel ist grau, als wir in dieser kleinen Stadt am Rande des neuseeländischen Fiordlands ankommen. Das Distinction Te Anau Hotel liegt am Ufer des Lake Te Anau, mit 344 km² der größte der Südinsel. Unsere Zimmer strahlen die Gemütlichkeit einer vergangenen, schickeren Epoche aus. Und überhaupt fühle ich mich ein wenig in die 70er Jahre versetzt, präzise: in das Hotel aus Stephen Kings „The Shining“, abgelegen, mit Wänden, die Geschichten erzählen könnten. Als wir feststellen, dass unsere Zimmer einen filmreifen Seeblick auf Lager haben, stürmen wir, als wäre Jack Nicholson mit der Axt hinter uns her, mit unseren Begrüßungs-Piccolöchen ans Wasser, um unser neues 2-Tages-Zuhause stilecht zu begrüßen.

In der ersten Nacht machen wir Bekanntschaft mit der neuseeländischen Gemütlichkeit. In den Te Anau Glow Worm Caves erwarten wir umtriebige, kleine Glühwürmchen und treffen stattdessen auf äußerst entspannte Zeitgenossen, die sich überhaupt nur dann bewegen, wenn es ihnen in den Sinn kommt, ihre Beute oder ihre Verwandten zu verspeisen. Wir sind irritiert, allen voran Matze, der Glühwürmchen in Südbrandenburg mit ordentlich Feuer im Arsch kennengelernt hat. Nach unserer Bootstour durch die 12.000 Jahre alten Höhlen gehen wir der Sache auf den Grund. Und stellen fest: Die deutschen Glühwürmchen sind die neuseeländischen Fire Flies, also im Grunde keine Würmer, sondern fliegende Käfer.

Und die neuseeländischen Glühwürmer sind leibhaftige, im Dunkeln leuchtende Würmer, die es allerdings nie über den großen Teich bis nach Deutschland geschafft haben. Die Neuseeländer sind per definitionem also näher dran am Würmchen. Sympathischer sind uns die Glühwürmchen aus Südbrandenburg dennoch. Und so romantisch die vielen Leuchtpunkte in den dunklen Höhlen bei Live-Wasserfallakustik auch sind – bei Licht betrachtet sehen unsere Gastgeber doch eher unappetitlich aus. Aber wir müssen sie ja auch nicht essen. Das erledigen die kleinen Leuchtkannibalen schließlich immer noch selbst.

Bildschirmfoto 2014-12-23 um 15.09.11

Wirklich wild romantisch wird es dann am nächsten Tag, als wir durch den Regenwald des Fiordland-Nationalparks fahren und ein Schiff besteigen, mit dem wir den Doubtful Sound durchkreuzen. Dieser Fjord ist erhaben. Und sein Sound: still und doch beredt. Wir sehen und hören die Natur: rauschende Wasserfälle, Vögel von Ferne, der Wind in unserem Haar. Und ein kunterbunter Regenbogen, der so freundlich ist, in Gesellschaft zu erscheinen. Ganz sicher gibt es an seinem Ende einen Topf voller Gold. Aber Bilder können nur bruchstückhaft erzählen von der Größe und Schönheit dieser einzigartigen, fernen Ecke der Welt. Besonders schöne Bruchstücke hat Smaracuja-Nina in ihrem kleinen Fjord-Film aneinander gereiht.

Bildschirmfoto 2014-12-23 um 15.09.11

Sonne, Regen, Wind, nach 5 Tagen auf der Südinsel steckt jede Menge Neuseeland in unseren Haaren. Mir scheint, wir sind in unserem eigenen Film, einer BBC-Naturdokumentation über Erlebnistourismus in Neuseeland, so schnell reihen sich die Szenerien aneinander: grüne Berge, Schnitt, türkisfarbener See, Schnitt, eine Wiese voller Rehe, Schnitt, auf einmal ist es weiß. Als ich am nächsten Morgen die Vorhänge beiseite ziehe, stellt sich mir die Frage, wo meine Geschenke sind. In meinem Kopf jingle-bellt es.

Jetzt sind wir wirklich mittendrin im neuseeländischen Winterwunderland. Alles ist weiß. So weiß, dass wir unseren Film ein wenig umschneiden müssen. Bevor wir aufbrechen können, müssen Wetterwarnungen befolgt und Schneeketten besorgt werden. Und weil plötzlich ein wenig Zeit zum Verweilen freigeworden ist, stapfen wir gemeinsam durch den Schnee und sammeln Schneeflocken ein. Die ein oder andere sitzt noch auf meiner Mütze, als wir uns schließlich aufmachen, nach Wanaka, dorthin, wo der Himmel auf uns wartet.

Wir danken Tourism New Zealand für die Einladung zu dieser besonderen Reise. Und Singapore Airlines für den angenehmen und komfortablen Flug von Deutschland über Singapur nach Neuseeland und wieder zurück.

#nzmustdo