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Als wir Anfang 2013 nach Istanbul zogen, um weiter an unserem persönlichen Glück (und auch an unseren Türkischkenntnissen) zu schmieden, ahnten wir noch nicht, an welch unscheinbaren Orten und in welch unverhofften Momenten, wir dieses wiederfinden würden. Vor allem hier am Bosporus, in dieser sinnbetäubenden Megastadt, ist es nicht immer einfach, mit einem Lächeln im Gesicht durch den Tag zu kommen. Zu viel Verkehr, zu viel Lärm, zu viele Menschen. Mit anderen Worten, zu viel Stadt und zu wenig Grün können einem – aus Berlin respektive Münster stammend – ganz schön aufs Gemüt schlagen.

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Das Glück in Istanbul liegt jedoch im Detail, im Verborgenen sowie im Allgegenwärtigen. Deshalb heißt es hier im Alltag für uns immer wieder die eigenen Sinne schärfen, sich auf den Moment besinnen und die kleinen Schätze des urbanen Raums für sich entdecken, denn die gibt es hier wie Sand am Meer, so in etwa. Und sei es, dass man gerade einen Gang zurückschaltet, sich an einer belebten Ecke auf einen kleinen Holzhocker vor den çay bahçe (Teegarten/Teeladen/Teekeller) setzt, seinen türkischen Tee bestellt, die Zuckerwürfel beiseite legt, das tulpenförmige Glas vorsichtig in zwei Finger nimmt, die Aromen einatmet, kurz pustet, ansetzt und das geschäftige Leben an sich vorbeiziehen lässt.

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Für mich versteckt sich einer dieser immer wiederkehrenden Glücksmomente in einer kleinen grünen Glasflasche, frisch aus dem buzdolabı (Kühlschrank/Eisfach) mit Kronkorken und bunter Aufschrift versehen. Die Rede ist vom Soda. In Deutschland als Selters, als Mineral- oder auf der Straße auch als Sprudelwasser bekannt, im Glas mit einem Eiswürfel und einer Scheibe Zitrone vermengt, gehört dieses Getränk eindeutig zu meinen Lieblingen. Frei von Zucker oder sonstigen Zusätzen, ist diese glasklare Angelegenheit für mich in Istanbul inzwischen zu einer wahren Herzensangelegenheit herangereift, die mich zu jeder Tageszeit erfrischt und auf Touren bringt. Nicht umsonst sagt man im Türkischen auch gaza gelmek (auf Touren kommen) oder gaza getirmek (auf Touren bringen), sozusagen seinen inneren Sprudel wiederfinden. Ja bitte, mit Gas, gazlı olsun lütfen.

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In der Türkei, denn hier geht es schließlich um die türkische Variante dieses spritzigen Elixiers, bestellt man das Soda am besten sade (pur, denn den Spaß gibt es hier auch in verschiedenen, zuckrigen, limonadenartigen Geschmacksrichtungen). Auf die Marke kommt es dabei weniger an. Da hat eh jeder seinen Favoriten, ob aufgrund der natürlichen Quelle des mineralisierten Wassers, des entsprechenden Kohlensäuregehalts, des Labeldesigns oder der eigenen Flaschenform. Sei es Beypazarı (Kleinstadt im Verwaltungsgebiet Ankara, wörtlich Herrenmarkt), Damla (der Tropfen), Kızılay (das Soda vom Roten Kreuz, hier Roter Halbmond), Kızılcahamam (auch eine Kleinstadt im Verwaltungsgebiet Ankara, wörtlich rötliches Bad), Özkaynak (die Urquelle), Sarıkız (das blonde Mädchen), Sırma (der silberne Faden) oder Uludağ (Berg bei Bursa, wörtlich mächtiger Berg), meistens greift man im jeweiligen Moment eben das ab, was gerade verfügbar ist.

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Sarıkız gewann im letzten Jahr wohl den Geschmackspreis des Brüsseler ‘International Taste & Quality Institutes’ und wirbt damit nun auf seinem Etikett. Auch ich bevorzuge das blonde Mädchen, vielleicht auch schlicht aufgrund des Namens, denn unterm Strich habe ich sie alle gern, die Sodas natürlich. In kleinen, grünen, 200 ml großen Glasflaschen abgefüllt kommen sie an den Tisch, stellen sich vor, sprudeln kurz vor sich hin und verabschieden sich kurze Zeit später wieder. Höflich, gar erfrischend erfüllt jedes Soda seinen treuen Dienst. Schließlich geht es hier in jedem Augenblick auch um Genuss. Vor, während oder nach der Mahlzeit, mischt das Soda ordentlich auf und bringt jede noch so trübe Laune zum übersprudeln. Irgendwie müssen die Luftbläschen ja auch wieder raus.

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Und noch etwas sollte erwähnt sein: Hier im Land des damacana su (der großen, 19 l Trinkwasser beinhaltenden Plastikflaschen, wie man sie auch als Trinkwasserspender kennt) sowie der günstigen 0,5 l PET-Flaschen für unterwegs, kommt man seltener, ‘seltersener’, als noch in Deutschland auf den Genuss, Wasser auch mal aus einer Glasflasche zu trinken. Vielleicht ist auch deshalb jedes Aufeinandertreffen mit den kleinen, gläsernen Smaragden ein ganz besonderes Trinkereignis, ohne Pfand.

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„What can you do sometimes“, zucke ich mit den Schultern. Yapacak bir şey yok (nichts zu machen). I love soda! „Und Lev, wie ist es so in Istanbul?“ Mitunter ganz schön prickelnd. Ja, prickelnd ist das richtige Wort, um unser neues Zuhause zu beschreiben. Und manchmal gar erfrischend, wie gesagt. So oder so sind wir noch ein Weilchen da, hier am Bosporus. SO was von DA.