Ich lag schon im Bett und war kurz vorm Einschlafen, bevor ich mich an den Mac gesetzt hab und angefangen habe, diesen Text in die Tasten zu hauen.

Ich hab mich hier viel zu lange nicht mehr zu Wort gemeldet, weil ich einfach nicht wusste, worüber ich reden sollte. Da waren tausend Sachen, aber irgendwie auch nichts. Tausend Gefühle und Gedanken, aber irgendwie auch keine. Hunderte Momente, aber alle sind recht schnell wieder verblasst – naja, nicht alle. Aber über die will man dann auch nicht plaudern – ihr versteht, was ich meine. Die muss man dann mit sich selber ausmachen – das klappt einfach immer am besten.


Die letzten Wochen waren crazy. Ich hatte so viele Tabs in meinem Kopf offen, dass der ein- oder andere einfach ab und zu mal die Verbindng zum Netz verloren hat und ich echt ab und an die Kurve gerade noch so gekratzt hab, um nicht die Übersicht zu verlieren. Refresh. Again.

Das Ganze hat zu zweierlei Zuständen bei mir geführt, die Justitia gespielt haben und sich langsam im Wechseltakt das Zepter hin- und hergereicht haben. Der eine Zustand war geladen von unermüdlicher Power und Motivation, voller Elan bin ich durchs Leben gejagt, immer ein Grinsen im Gesicht und hunderte Ideen zu hunderten Themen. Wenn man so drauf ist, kann einen nichts und niemand aufhalten. Ich hatte Lust, mich in Jobs zu stürzen und hab es geliebt – den Stress, den Druck, die Verantwortung. Das andere Gefühl war dann eher gegenteilig – ich hab mich ausgepowert gefühlt und dann auch ab und zu mal wieder alles in Frage gestellt, wenn ich an die Zukunft gedacht hab. Warum überhaupt, wofür eigentlich und sowieso. Das Ganze sah dann in etwa so aus:

Die letzten zwei Wochen waren dann wirklich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen, da hat mich der Trott völlig umgehauen. Ich brauchte jede Nacht 10 Stunden Schlaf und wurde trotzdem nicht hellwach, geschweige denn powerful, entertaining oder voller Elan. Ich war angestrengt,  genervt, häufig lustlos. Ich hab alles als Pflicht empfunden, die Leichtigkeit war weg.

Heute war ich wieder in der schönen Galerie, in der ich seit fast zwei Monaten regelmäßig bin und eine Ausstellung betreue. Sie ist in Wedding und ein ehemaliges Krematorium. Makaber, aber irgendwie herrscht dort eine angenehme Harmonie, eine wertvolle und irgendwie wunderschöne Ruhe. Ich habe dort ein Projekt mit anschließender Ausstellung betreut. Es war ein Kulturprojekt und hatte eine Tiefe, die mich nachhaltig beeindruckt – bis jetzt.


Jedenfalls war heute ein guter Tag, denn als ich gegangen bin, hat die Sonne gescheint – und das ändert ja so unfassbar viel, findet ihr nicht? Ich bin raus, hatte endlich mal wieder den altbekannten Smiley im Gesicht und die Luft hat auch gut gerochen, irgendwie war die Atmosphäre von einer Leichtigkeit gefüllt, die ich so sehr vermisst hab.

Ich habe also meine Mädels getroffen und wir waren vietnamesisch essen und danach in Simone’s Bierstätte und haben Weissweinschorle getrunken und über das Leben philosophiert. Wie tut es doch gut, sich einfach mal mit den Mädels zu treffen und sich gemeinsam das Herz auszuschütten. Plötzlich haben wir nämlich das Essentielle begriffen – nämlich, dass doch eigentlich alles gut ist.

Was zum Teufel, ja wieso zur Hölle macht man sich manchmal das Leben so schwer? Wir haben alles. Das, was wir machen, lieben wir – und wir machen es gut. Berlin ist so eine tolle Stadt voller Möglichkeiten, wir leben hier und können uns entfalten wie nie zuvor. Wieso, verdammt nochmal, sind wir so streng zu uns, wer ist denn hier der Bösewicht, der einem immer das Gefühl gibt, nicht schnell genug, schlau genug, interessant genug, ausgefallen genug und trotzdem wild genug zu sein?

Es gibt ihn nicht, zumindest nicht bei mir. Ich mach mir den Stress ganz allein, aber damit ist jetzt Schluss. Wir müssen viel öfter mal wieder stolz auf uns sein. Wie sagt man so schön: the idea is, to always remain in a state of the departure while always arriving.

Jeder von euch sollte mal wieder stolz auf sich sein, ihr seid nämlich alle toll. Das vergesst man nur viel zu oft. Klopft euch mal wieder alle auf die Schulter, Freunde. Ihr habt es verdient.

Wer mich in der Ausstellung besuchen will, kann das gern noch tun, sie geht noch bis Samstag. Ich bin heute und am Samstag den ganzen Tag da, jeweils von 14-20 Uhr. Ich freu mich über jedes bekannte Gesicht, nur den Smile nicht vergessen.

Für die, die’s nicht schaffen, gibts den Film hier auch online zu sehen.

BLACK MOUNTAIN from Jan Engel on Vimeo.

Bilder: @gia_escobar @noranxxt