Das Wetter wird schlechter und Netflix macht asozial. Zeit, ins Kino zu gehen. Wir sagen euch Film für Film, für welchen der Streifen sich der Weg ins Lichtspielhaus lohnt. Teil 2 ab:


The Intern (24. September)

Um was geht’s?

Robert De Niro wird der Praktikant von Anne Hathaway. Sie jung, ambitioniert und kurz vor dem Burnout, er tattrig und vielleicht nicht fähig, eine Email zu schreiben, dafür aber mit der Weisheit des Alters ausgestattet.

Lohnt es sich?

Eine (wenn auch gutaussehende, junge) Frau als CEO könnte ein erfrischendes Update von sexistischen Klassikern wie Email für dich bedeuten. Der Früher-war-alles-besser-Ansatz mit De Niro als altersweisem Technik-Noob, der noch gute Manieren und echte Werte hat, nimmt dem Film von vornherein jedwede Fortschrittlichkeit. Nur was für ewig Gestrige.


Sicario (1. Oktober)

Um was geht’s?

Eine FBI-Agentin (Emily Blunt) verliert sich trotz großem moralischen Kompass in der Hölle des Drogenkriegs in Mexiko.

Lohnt es sich?

Der Oktober kann gar nicht schnell genug kommen. Denis Vileneuve (Prisoners) hat bewiesen, dass er Suspense-Genres kann und große Namen unter seiner Führung zur Höchstleistung auflaufen. Im besten Fall wird das überhaupt kein Film über den mexikanischen Kartellkrieg, sondern über eine Heldin, die trotz ihres Werteapparats (bestehend aus einem Sinn für Gerechtigkeit und Wahrheitsfindung, nicht aus Türaufhalten und Mäntelreichen, Herr De Niro) merkt, wie schwer es ist, das Richtige zu tun.


Der Marsianer (1.Oktober)

Um was geht’s?

Matt Damon bleibt aufgrund einer eilig abgebrochenen Mars-Mission, während deren Verlauf er für tot gehalten wird, alleine auf dem roten Planeten zurück. Während auf der Erde eilig die Rettungsmission eingeleitet wird, baut er bei widrigen Bedingungen Kartoffeln an und führt Tagebuch über das lustige Leben eines Astronauten.

Lohnt es sich?

Autor Andy Weir vergaß in dem dem Film zugrunde liegenden Roman bei all der detaillierten Beschreibung von Luftschleusen und Funksystemen komplett die Psychologisierung seines Raumfahrers. Monate alleine in einer fernen Welt machen etwas mit einem Menschen, sollte man meinen. Aber Mars-Astronaut Mark Whatney schreibt in seinem Tagebuch im Stile eines Barney Stinson vom schlechten Musikgeschmack seiner Kommandantin und nutzt den ersten Funkkontakt für dämliche „That’s what she said“-Witze, sodass man sich als Leser wünscht, die NASA würde die Leitung wieder kappen. Bleibt zu hoffen, dass Ridley Scott in dem Stoff etwas gesehen hat, das anderen verborgen blieb. Wahrscheinlich war es aber nur potentielles Blockbusterkino mit einer sehr amerikanischen Geschichte über eine Rettungsmission, die die verschwenderische NASA nebenbei wie das Technische Hilfswerk aussehen lässt. Wer Lust auf Mars-Filme hat, dem sei Brian De Palmas Mission to Mars ans Herz gelegt. Kein NASA-Porno, dafür hochemotional und herrlich unperfekt.


The Walk (22. Oktober)


Um was geht’s?

Robert Zemeckis (Forrest Gump, Zurück in die Zukunft) erzählt die Geschichte des Hochseilartisten Philippe Petit, der 1974 ohne Netz und doppelten Boden zwischen den Zwillingstürmen des World Trade Center balancierte.

Lohnt es sich?

Der Balanceakt auf einem Bau, der selbst zum Einsturz verdammt ist, bietet die Chance für eine wunderbare Parabel. Leider ist Josph Gordon-Levitts aufgesetzter französischer Akzent so unerträglich, das man sich auf kaum etwas anderes wird konzentrieren können.


Stonewall (19. November)

Um was geht’s?

Roland Emmerich hat einen Film über einen Moment der Schwulenrechtsbewegung in den 60ern gedreht. Ohne Aliens, ohne einstürzende Neubauten. Diesmal gibt’s den Weltuntergang nur auf der persönlichen Ebene in Form von beschnittenen Bürgerrechten.

Lohnt es sich?

Lesben und Transgender People werden zwischen all den lauthals brüllenden Männern komplett vergessen. Da wünscht man sich den Alienangriff schon fast herbei.