Warum Tinder, diese Dating-App, die ob ihrer Aufreiß-Qualitäten auf den Smartphones vieler single Digital Natives zu finden ist, so erfolgreich ist, liegt auf der Hand: Es ist so wunderbar unverbindlich, oberflächlich und bequem. Kurzer Blick auf’s Profilfoto, Geschmacksurteil per Daumenwischer nach dem Aschenputtel-Prinzip: die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Das war’s.

Nun stellt euch vor, ihr geht zu einem vielversprechenden Tinder-Date und die Dame, die euch da gegenübertritt, bittet unvermittelt darum, euch für ein Fotografie-Projekt porträtieren zu dürfen. Damit ist der Panzer der bis dahin aufrecht erhaltenen Anonymität aufgebrochen.

Die New Yorker Fotografin Kirra Cheers hat genau dies so praktiziert: über einen Zeitraum von 2 Monaten hatte sie 17 Tinder-Dates, 11 davon erlaubten ihr, sie zu fotografieren. Doch „Tinderella“ zeigt nicht nur Kirras Gegenüber, sondern auch erste Kontaktaufnahmen der von ihr als „kompatibel“ bewerteten Herren, die mitunter sehr, sehr explizit sind.

Nun, was sind die Lehren aus diesem sozialen Experiment? Einerseits reflektiert das Verhalten gegenüber Kirras Anliegen sehr genau das Maß an Selbstvertrauen, das die einzelnen Dates an den Tag legten. Diejenigen, die von sich selbst überzeugt waren, traten sehr souverän auf und hatten kein Problem damit, für „Tinderella“ Porträt zu stehen. Und es bestätigte wieder einmal die Gewissheit, dass viele Leute im Schutze der Anonymität eine Identität von sich konstruieren, die vielmehr ihrer Fantasie entspringt.

Übrigens: auch die Porträtierten hatten ihrerseits etwas von dem Projekt. Jeder, der das Foto, das Kirra gemacht hatte, als Profilbild auf Tinder verwendete, konnte einen signifikanten Anstieg der „Matches“ verbuchen.

Ein ausführliches Interview mit Kirra könnt ihr hier lesen.

 

 

 

 

 

all images © Kirra Cheers

 

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