Die dritte Staffel von House of Cards steht nun auch in deutscher Fassung vor der Tür. Höchste Zeit für eine kurze Huldigung und einen klaren Schaubefehl.

Die Serie hat sich als Format von ihrer Mutter, dem Fernsehen, emanzipiert. Spätestens seit Netflix wird sie als ungebundenes Medium wahrgenommen, das sich Zeit für Charakterentwicklung und das langsame Entfalten einer Storyline nimmt. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob man dann an einem Stück schaut oder in portionierten Häppchen, ritualisiert vor dem Einschlafen wie mit einem guten Buch.

Diese Stellung nimmt die Serie mittlerweile zweifellos ein. Sie kann ein Fantasyepos sein wie Game of Thrones, ein Gesellschaftsroman wie The Wire oder eben ein Politthriller wie aus der Feder eines zynisch und verbittert gewordenen Richard Condon. Was House of Cards vorgeworfen wurde, sind ihr Nihilismus und der fehlende Glauben an die Demokratie. Allerdings ist jene kompromisslose Haltung genau das, was die ersten beiden Staffeln so erfrischend wirken ließ.

Wer diese mochte, wird sich an die dritte kurz gewöhnen müssen. Dranzubleiben lohnt sich in jedem Fall. Es wird politischer und das ist auch gut so. Niemand wird mehr vor Züge gestoßen oder im Auto ermordet, dafür wird über Drohnenanschläge und die Transparenz derselben entschieden, die Außenpolitik erhält Einzug ins Schlafzimmer der Underwoods und ab der Hälfte der Staffel wird ausgiebig “campaigned”. Fernsehdebatten werden fast in Folgenlänge ausgefochten, was der Spannung aber keinen Abbruch tut.

Im Gegenteil. Die von Produzent David Fincher und Showrunner Beau Willimon entworfene Serie muss niemandem mehr etwas beweisen und nimmt sich genüsslich Zeit für Kabale und Liebe in Washington. Wenn es etwas zu kritisieren gäbe, dann den schwedischen Akzent des von Lars Mikkelsen portraitierten Putin-Klons. Aber wir sprechen ja gerade über die deutsche Fassung.