Wir liken ununterbrochen, schießen Selfies aus jedem Winkel, fluten uns mit Ratgebern um schöner, schneller und erfolgreicher zu werden – Hauptsache nie stillstehen. Geliebt werden. Gut sein. Doch bleiben wir oft völlig auf der Strecke ohne es selbst zu bemerken. Stetig auf der Überholspur vergisst man wie schön auch die Landstraßen sind. Auftanken muss schnell gehen wie im Boxenstop. Alexandra Liakou zeigt den Menschen mit großem Erfolg, warum Stille keinen Stillstand bedeutet, warum wir nicht stetig nach dem Superlativ streben müssen, da wir bereits alles in uns tragen um glücklich und erfolgreich zu sein. Ich liebe mich. Wer sagt denn sowas? Und meint er es auch? Warum ist uns dieser Satz so fern und wird oft mit Narzissmus und Egozentrik verwechselt. In einem sehr offenen Gespräch erklärt Alexandra die Wichtigkeit sein Herz zu öffnen, zuallererst für sich selbst, denn alles andere folgt automatisch.


Paul:  Wie kamst Du zur Meditation, seit wann bist du Lehrerin?

Alexandra: Zur Meditation bin ich gelangt, da ich mehrere Monate an Schlaf-Schwierigkeiten litt. Ich suchte etwas, dass meine Gedanken, meinen rasenden Kopf beruhigen konnte. Dadurch eröffnete sich mir eine Reise, die bis heute mich auf Neue bereichert und belehrt. Ich konnte dadurch nicht nur besser einschlafen, sondern erfuhr auch, die Gründe hinter dem Einschlaf-Problem. Dies war nur der Anfang. Retrospektiv erkenne ich eine Vielzahl an positiven Veränderungen die mir die Reise des Meditieren brachte. Darüber hinaus verbesserten auch auch die Dyamiken zwischen meinen Mitmenschen und mir. Durch den “Shift” erkannte ich, dass ich nicht alleine für mich an mir arbeite, sondern mich wagte, die Veränderungen, die ich in der Welt sehen wolle, selbst verkörpern konnte und demnach auch eine Verbesserung in meine, Alltag und der Lebensqualität genießen konnte. Ich war beflügelt von der Welt, die sich mir da offenbarte und motiviert diesen Effekt an andere weiterzugeben.

Paul: Es gibt sehr viele Meditationsarten- und Schulen, warum hast du dich auf die Herzchakrameditation fokussiert? Wie funktioniert diese Meditation? Was ist das (Herz)chakra eigentlich?

Alexandra:  Mir geht es darum uns in Einheit zu spüren- zu erkennen, dass wir alle aus der gleichen Quelle stammen, dass wir alle miteinander verbunden sind. Das Herz ist ein einheitliches Organ. Es ist das erste Organ welches sich formt, wenn wir noch ein Embryo sind. Das Heart Meath Insitute hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Herz und die so genannte Herz-Kohärenz zu untersuchen. Sie haben erstaunliche Entdeckungen gemacht, wie zum Beispiel, dass das Herz eigene Intelligenz-Zellen besitzt und dass die elektromagnetische Strahlkraft des Herzens um mehrere tausend Male stärker ist, als das des Gehirns. Wir sind also stets im Dialog auch ohne dass wir sprechen müssten. Unsere Herzen teilen sich sehr viel mit. Es ist doch dann umso schöner, wenn man bewusster Teil dieses Geschehens werden kann. Ich kann freier von Wertungen sein, wenn ich meine Wahrnehmung aus dem Herzen heraus erlebe. Ich habe viele herzbasierte Meditation-Techniken von Eingeweihten der Ur-Stämme erlernt. Diese leben direkt aus dem Herzen, daher sind sie so verbunden mit der Erde. Es gibt eine Technik, in der wir unser Lächeln ins Herz bringen. Wir visualisieren wir unser Herz lächelt und wie atmen dort hinein. Mit jeden Einatmen ziehen wir mehr Lächeln in die Herz Region. Mit jeden Ausatmen lassen wir das Herz sich ausdehnen. Dies bietet sich effizient an, wenn es darum geht sich selbst in Weichheit, Mitgefühl und tiefer Freude erleben zu wollen oder um Groll auszulöschen.

Paul: Du gehst vor der Meditation noch mal persönlich auf die Belange deiner Schüler ein, gibt es bestimmte Themen die dabei oft zum Vorschein kommen? – Was für Menschen kommen zu dir?  Mit welchen Anliegen?

Alexandra: Jeder Mensch erlebt seine eigene Reise und lebt seine eigene Wahrheit. Wenn ich 2 Menschen in einer Session habe, die mir mitteilen, sie mögen in der von mir geführten Meditation etwas in Bezug zu Neu-Beginn erfahren, dann ist es meist so, dass jeder von der meditativen Reise etwas anderes mitgenommen hat. Eine der mich immer noch sehr berührenden Aspekte in den Techniken der Meditation ist allerdings die Heilung mit dem inneren Kind. Kursteilnehmer haben so bereits sehr tiefe Traumata heilen können. Der Aspekt der Selbst-Annahme wird dadurch auch verstärkt. Ich erkenne, dass viele Menschen hinter ein Leben rennen, wo der Schein nach außen wichtig ist, und dadurch die Selbst-Liebe etwas zu kurz kommt. In der Meditation dann, wenn ein solcher Teilnehmer tief in der Entspannung hineinfliesst und sich der Introspektive widmet, kann er einen “Shift” in der Wahrnehmung erleben.



Paul: Du wirkst sehr zufrieden mit dir, ausgeglichen  – Stimmt diese Beobachtung? Gibt es einen Tipp den du uns und den Lesern geben kannst?  Wann bist du noch schlecht drauf?

Alexandra: Oh! Vielen Dank. Ich versuche es. Natürlich bin ich hin und wieder schlecht drauf. Doch im Vergleich zu früher, bleibe ich bei diesem Gefühl. Ich nehme es an, schaue es mir genauer an und erkenne woran es liegt, dass ich mich schlecht fühle. Entspringt die Wurzel die mir dieses Gefühl gibt aus meinem Ego oder wirklich aus meinem tiefen Inneren?  Meist löst sich das Gefühl auf. Eine Situation als solche, wenn wir sie ganz einfach mal wertfrei betrachten, ist lediglich eine Gegebenheit. Wir Menschen machen es uns manchmal schwer, je nachdem wie wir ein Geschehniss werten. Das ist was Meditation für mich bedeutet. Es heisst nicht, dass ich stets happy drauf bin, aber dass ich mir über meine Emotionen, Gedanken, Wahrnehmungen bewusst werde.

Paul: Meditation ist eine Arbeit mit dem eigenen Geist. Fällt es Menschen schwer sich diese Zeit für sich selbst zu nehmen? Ich weiß von vielen Menschen die sagen, das wäre ihnen alles zu still.

Alexandra: Unser Alltag, hier in der westlichen Welt ist geprägt von rasanten Strömen eines nie-endenden Informationsflusses, sowie die Tatsache, dass wir uns mit der ständigen Erreichbarkeit für uns selbst unerreichbar machen. Es besteht eine Tendenz die Aufmerksamkeit nur nach außen zu richten. Dabei gibt es so viel, was uns unser tiefes Ich, das Kind in uns mitteilen möchte. Es ist nicht immer so, dass absolute Stille herrscht. Denn durch die Stille im Aussen, kann man das Gehör nach Innen richten, und da passiert eine Menge. Es gibt allerdings auch Meditation-Techniken, in denen an den Körper in einer Art und Weise bewegt, sodass man selbst frei wird vom verkopften Dasein und sich wie ein Kind wieder frei fühlen kann. Das sind Active Meditations. Osho zum Beispiel hat erkannt, dass aufgrund der verschiedenen Präferenzen der Menschen nicht jeder zu einer passiven Meditation finden kann. Demnach entwickelte er über 100 Arten von Meditation und pflegte stets zu betonen, dass jeder für sich sein Tool finden kann.

Paul: Liebe, das große Thema. In der geführten Meditation ging es vor allem darum den eigenen Kräften zu vertrauen.  Sich selbst mit Liebe zu begegnen. Warum ist Selbstliebe so wichtig deiner Meinung nach? Und warum scheint sie so vielen Menschen abhanden gekommen zu sein?

Alexandra: Vielleicht weil uns die Medien, die Gesellschaft, die Konditionierung verschiedener gesellschaftlicher Codes daran erinnern dass wir den einen Menschen brauchen. Allein der Ausdruck “die bessere Hälfte” zeugt von der Wahrnehmung was unser Partner für uns sein soll. Für mich bedarf es an einer Quelle die Menschen beibringt, erstmal bei sich zu sein. Sich anzunehmen, sich zu mögen, Ja sogar, sich selbst Liebe zu schenken. Die Art wie ich mich zu jemand anderem verhalte oder beziehe, ist meist die Art von Bezug dich ich zu mir selbst habe.

Paul: Den Begriff kann man in Zeiten von Selfies und Selfperformance auch falsch verstehen. Wo ist die Grenze zwischen Selbstliebe und Selbstverliebtheit? Was rätst du den Menschen?

Alexandra: Es gibt da diesen Ansatz der Handlungen aus zwei Resonanz-Perpspektiven aufweist: Die der Liebe oder die der Angst. Poste ich ein Selfie von mir, zeige ich mich der Welt. Ich demonstriere mein Dasein in einer visuellen Form einer Momentaufnahme. Dient dies allerdings der Furcht, ich bin nicht schön genug für mich selbst und bedarf daher Likes und Zustimmungen anderer damit ich mich besser über mich fühle, dann stammt diese Handlung aus einer Angst-Haltung. Angst vor Schwäche, vor Mangel, Angst des Nicht-Angenommen-Seins. Poste ich ein Bild von mir, da ich mich heute toll fühle und ich der Ansicht bin diese Freude blitzt in meinem Antlitz auf und möchte dies der Welt zeigen, da ich mich meiner erfreue und vielleicht hier und da jemanden “inspiriere” auf seine Art und Weise die Freude in sich zu entfachen, dann wäre dies für mich aus einer Tendenz der Liebe zurückzuführen. Narzissmus ist oft ein Rollenbild welches aus Mangel an Selbstbewusstsein oder Selbstannahme herrührt. Das Bedürfnis sich in dem besten Licht darzustellen, um von anderen um uns herum mit vermeintlich höherer Wertschätzung gesehen zu werden ist letztlich ein Schrei nach Liebe und Annahme. Wir können in Gedanken diesem Menschen in seinem Handeln wertfrei verstehen und ihm Liebe senden und die Möglichkeit, dass alles was er sucht, bei sich selbst bereits da liegt und von ihm entdeckt werden kann.  Eine Freundin schiesst jeden Tag zur gleichen Zeit ein Bild von sich. Dies veröffentlicht sie nicht, sondern behält es als visuelles Tagebuch. Sie ist der Ansicht, Emotionen zeichnen sich im Gesicht ab, und nun kann sie auf ein Sammelsurium an Erlebten und Erfühlten zurück schauen.



Paul: Was ist Liebe für dich? Der halbe Globus scheint auf der Suche danach zu sein, aber die wenigsten haben es gefunden. Woran liegt es deiner Meinung nach? Findet die Liebe uns vielleicht von ganz allein wenn wir sie voll und ganz für uns selbst anwenden können und in unser Leben integrieren?

Alexandra: Stellen wir uns vor eine junge Frau wartet auf diesen einen Mann der in ihr Leben kommt und ihr so viel Liebe schenkt, dass sie sich glücklich und “erfüllt” fühlt. Wenn dieser Mann aber aus ihrem Leben gehen sollte, würde dann da wieder eine Leere sich bemerkbar machen? Welche Aspekte aus ihrem Dasein sollte der Mann an ihr lieben, wenn sie selbst sich nicht vollwertig schätzt und liebt? Lieben ist eine Sprache, eine Bewusstseinsebene. Doch stellen wir uns vor, diese Frau würde beginnen diese Emotionen für sich selbst zu erwecken und sich anzunehmen und sich wohl zu fühlen. Dann gebe es niemanden der eine Lücke füllen müsste, denn es gäbe keine Lücke. Es gäbe eine vollwertige Frau die sich selbst in ihrer wunderbaren Art schätzt sich mit sich selbst ehrlich auseinander setzt und mit diesem Ausstrahlen einen Mann oder Freunde in ihr Leben einlädt, die ihr Strahlen verstärken möchten. Man kann ganz tiefe, wunderschöne Liebe empfinden und mit jemanden zusammen erleben, doch beginnt diese Reise bei einem selbst. Der Partner kann wenn er mag etwas dazugeben, es ist allerdings frei von dem Druck den anderen “retten” zu müssen. Manchmal sehnen wir uns nach Liebe denn wir fühlen uns einsam und allein. Das Wort allein allein birgt in sich zwei Begriffe. All und Ein. Ich bin nicht allein, sondern mit allem eins. Wenn ich in mir hinein horche, kann ich so viel erfahren, dass ich mich nicht einsam fühle.

Wir sind das grösste Geschenk an uns selbst. Wir haben die Freiheit jede Situation so anzugehen wie es uns beliebt. Liebe ist Kreation. Wenn ich liebe, erschaffe ich. Ich kann das Essen was ich zubereite lieben, Ich kann es lieben wie der Wind meine Wangen streichelt, wenn ich auf dem Rad sitze. Liebe ist Mitgefühl und Sympathie. Ich kann einem Menschen bei einem Gespräch zuhören, denn ich möchte ihm diesen Raum des Ausdrucks schenken und darüber hinaus etwas aus einer anderen Sicht erfahren. Wir Menschen sind aus Liebe entstanden. Wenn wir mehr Liebe in unser Handeln einbringen heilen wir und beginnen auf einer Resonanz zu schwingen die Harmonie erzeugt.

Paul: Vielen Dank für das offene Gespräch!

Zur Person

Alexandra Liakou gibt Meditationsunterricht, Workshops, Coachings und Vorträge. Nicht nur in ihrer Wahlheimat Berlin, sondern über den ganzen Globus verteilt. Ab Juli wird sie in Griechenland Workshops und Kurse leiten. Für mehr Informationen und Interesse ist Alexandra hier zu erreichen.