Versteht mich nicht falsch, ich liebe Instagram, sei es um Shoppinginspiration oder neue Rezeptideen zu sammeln, das Leben von Freunden, Bloggern und Celebrities zu verfolgen, neue Destinationen zu entdecken oder dank The Fat Jewish herzlich zu lachen. Aber dieser (mehr oder weniger) selbstauferlegte Optimierungswahn des eigenen Instagram-Profils nervt (mehr oder weniger). Bevor ein Foto gepostet wird, lieber drei bis hundert mal überlegen: ist jetzt die richtige Uhrzeit, welcher Filter oder lieber #nofilter (haha als ob), lieber aus diesem oder jenem Winkel, weißer Rahmen oder fullsize – und passt das Bild überhaupt in den Look meines restlichen Feeds? So jetzt noch eine total clevere Bildunterschrift, die zeigt wie witzig oder künstlerisch man ist uuund das Werk ist fertig! Oder lieber doch nicht? Es gibt genügend Instagrammer, die nicht-so-sehr-geherzte Bilder schnellstens wieder löschen. Könnte ja peinlich werden.

Instagram-Posts sind zu einer eigenen Kunst geworden und halten sich – wenn man kein A-List Promi ist und trotzdem instafamous werden möchte – an eine bestimmte Ästhetik. Ihr erinnert euch sicher noch an die Debatte zwischen der Welt, Nike von This is Jane Wayne und der Wired. Von „Insta“ (im Moment) ist nun wirklich nicht mehr viel übrig geblieben. Natürlich steht es jedem frei welche Kanäle er abonniert und wie der eigene gestaltet wird – ganz frei machen von dem gängigen Insta-Ideal fällt jedoch schwer. Mir zumindest.

Auf die anstrengende gewollt-unangestrengte Inszenierung hatten viele Jugendliche aus den USA keinen Bock mehr und haben kurzerhand einen neuen Trend ins Leben gerufen: Finstagram. Laut Urban Dictionary eine Mischung aus den Begriffen „Fake“ und „Instagram“. Wobei von „Fake“ hier keine Spur ist: Auf einem zweiten, privaten Account, dem nur die engsten Freunde folgen, werden massenhaft lustige Fotos, Screenshots und Videos gepostet, die das echt Leben – ganz ohne Filter – zeigen. Bis Instagram das Feature freischaltet, zwischen zwei Accounts hin- und her-switchen zu können, überlegen wir uns ein bisschen der Echtheit von Finstagram in unseren Instagram-Feed rüberzuholen. Tut mit Sicherheit gut!


Photo Credits: Instagram c_richardson26 / Instagram campcarooo