Angekommen auf meinem Hotelzimmer im 56. Stock des Swissôtel The Stamford, springe ich beim Blick auf die Stadt erst mal auf und ab und denke: „This is insane“! Von der Rennstrecke dröhnt bereits das ohrenbetäubende Heulen der Motoren der Rennwagen zu mir herauf – Welcome to the Singapore Grand Prix Season!

Nach dem Abendessen am Lau Pa Sat sitzen wir (das sind Philipp von Studio5555 und Mi Hae von Breitengrad53, plus unsere „Betreuer“ Sara von Ketchum Pleon und unser Guide Danny) im Auto und die bunten Lichter der Stadt ziehen an den Scheiben und meinen Augen vorbei.

Von der Terrasse am Pool des Mandarin Oriental überblicke ich zum ersten Mal Singapurs Skyline bei Nacht. Ein Moment, den ich wohl so schnell nicht vergessen werde. Die hellbeleuchtete Rennstrecke zieht sich wie eine Schlange durch die ganze Stadt und lässt sie selbst in der Nacht taghell erscheinen.
Später gesellt sich „Mr. Formel 1“ Kai Ebel zu uns, den ich bislang nur von der Rennübertragung auf RTL kannte. Während die Fahrer im freien Training mit irrem Speed ihre Runden drehen, muss ich an meine Kindheit und meinen ersten Kontakt zur Formel 1 zurückdenken: Wie wir sonntags mit der ganzen Familie bei Freunden zum Grillen eingeladen waren und alle sich auf dem Sofa versammelt haben um Michael Schumacher in seinem roten Ferrari anzufeuern.

Höher, schneller, weiter: Ich habe das Gefühl die ganze Stadt besteht aus Hotels, Shopping Malls und Bankgebäuden, die alle unterirdisch miteinander verbunden sind und ineinander übergehen. Doch im arabischen Viertel Kampong Glam stoßen wir auf kleine verwinkelte Gassen, die Shops, Cafés und Bars beherbergen, die auch so in Berlin stehen könnten.

Im kompletten Kontrast dazu steht das 8 Mrd. Dollar Projekt Marina Bay Sands, das nicht nur Hotel, Restaurants, Bars, DEN Infinity Pool schlechthin, Messe- und Kongresszentrum, sondern auch die wohl dekadenteste Luxus Shopping Mall beherbergt. Im Angesicht der Flagship Stores von Tom Ford, Balenciaga, Proenza Schouler und Co. schlägt mein Modeherz höher, aber es bleibt nur bei einem sehnsüchtigen Blick in die Schaufenster. Das Einzige was ich mir im Marina Bay Sands leisten konnte, ist ein Devil Food Cupcake, den ich später genüsslich mit Blick über die ganze Stadt in meinem Bett verspeise.

Im Rooftop-Hopping sind wir am zweiten Abend bereits Fortgeschrittene: vom Dach des Fullerton Hotels schauen wir das Qualifying an und können beobachten wie das Robbie Williams Konzert langsam im strömenden Regen versinkt. Im Anschluss geht es auf die exklusivste Formel 1 Party der Stadt – The Amber Lounge. Ich komme mir hier (wie an jedem Abend) wahnsinnig underdressed vor, aber wer kann und will schon mit 18cm High Heels, Pailletten ohne Ende und einem Kilo Make-Up mithalten? Nachdem Estelle ihren Hit „American Boy“ performed, folgt eine absurde Fashion Show bei der auch einige Formel 1-Fahrer mitlaufen. Unsere kürzeste (oder längste) Nacht endet mit einem verrückten Dancebattle und schmerzenden Füßen.

Am Sonntag ist er endlich gekommen, der Tag des Singapore F1 Grand Prix! Menschenströme pilgern zum Motorsport-Mekka und die Atmosphäre in der Millionenstadt ist wirklich einmalig. Das Event macht den Anschein eines riesigen Festivals: wohin man sieht sind gut gelaunte Menschen, Live-Musik, Fressbuden reihen sich aneinander und Kinder schwenken Zielfahnen mit Schachbrettmuster.

Unsere Plätze liegen auf einer Tribüne, die eine lange Gerade überblickt. Auf den riesigen Screens beobachte ich wie die Startampel von rot auf grün springt und man hört schon von Weitem die Formel 1-Wagen ansausen. Nach einer Minute brettert dann auch das Fahrerfeld vorbei und ich kann gar nicht so schnell meinen Kopf bewegen, da sind Vettel, Hamilton, Rosberg und Co. auch schon wieder hinter der nächsten Kurve verschwunden. Nach 15 Runden wildem Kopfschwenken brauche ich erst mal eine Pause und ziehe los den Formel 1-Zirkus weiter zu erkunden.

Am Ende des Rennens wird es noch mal spannend: nach einem Boxenstopp liegt Vettel vor Hamilton, doch der kann wieder überholen und fährt als Sieger davon. Feuerwerk – Schluss, aus, vorbei.

Meine Ohren dröhnen noch, als auch schon keine Geringere als Jennifer Lopez die gigantische Bühne vor allen Formel 1-Fans betritt und ihre neuen und alten Songs zum Besten gibt. Richtig mitreißen kann mich das nach all den Eindrücken der vergangenen Tage und besonders der letzten Stunden nicht mehr – and because she ain’t still Jenny from the block. Ziemlich übernächtigt und verfeiert falle ich an dem Abend in mein Bett.

Der letzte Tag bringt dann doch noch etwas Ruhe und Entspannung mit sich – in Anbetracht der 24 Stunden die ich vom Hotel bis zu meiner Haustür brauchen werde, genau das Richtige. Ich finde mich wieder inmitten von 30 Meter hohen Supertrees, üppigem dichten Grün, duftenden Orchideen und gleißendem Sonnenschein. Der neue botanische Garten „Gardens by the Bay“ zeigt Singapur noch mal von einer anderen, ruhigen Seite.

Doch auch dieses Projekt – wie könnte es anders sein – ist singapurtypisch nach dem Prinzip „höher, schneller, weiter“ angelegt und die Skyscraper scheinen vom Skywalk, der sich zwischen den Supertrees spannt, zum Greifen nah. Und wieder frage ich mich, ob das alles real ist.

Die vier Tage sind wie im Rausch vergangen. Der Flug, von einem Rooftop zum nächsten, die Partys, die Rennwagen, die im Bruchteil einer Sekunde an dir vorbei rauschen und der Formel 1-Spirit, der die ganze Stadt in einen Rauschzustand zu versetzen scheint.
Kurz vor der Landung in Frankfurt blinzele ich einem atemberaubenden Sonnenaufgang entgegen und realisiere langsam, was ich in den letzten Tagen erlebt habe.

Danke an das Singapore Tourism Board für die Einladung zu dieser Reise und diesem spannenden Erlebnis!

MEHR

 

Swissotel The Stamford

2 Stamford Road

Singapore 178882

 

Marina Bay Sands

10 Bayfront Avenue

Singapore 018956

 

The Fullerton Hotel Singapore

1 Fullerton Square

Singapore 049178 

 

Singapore Tourism Board