Ich habe nie Pokémon gespielt. Nicht auf dem Gameboy, hatte ich nicht, ich war Holzspielzeug- und „Geh mal lieber an die Luft!“-Kind. Und auch das Sammelkartenspiel sprach mich nicht an, da ich „japanische Spielzeugsachen“ doof fand. Heute sehe ich ein, welch wunderbare Welt ich mir selbst vorenthalten habe. Ich habe nun bis 2016 Zeit, alles zu lernen, was es über die Taschenmonster zu wissen gibt. Denn nächstes Jahr erscheint mit der Pokémon GO App ein Spiel, das zu gut klingt, um wahr zu sein. Mithilfe des eigenen Smartphones wird man dann selbst zum Pokémon-Trainer. So weit, so unspektakulär. Was das Spiel so besonders macht, ist seine Spielwelt. Die Pokémon wollen nämlich in der echten (!) Welt gefangen werden. Die augmented reality, in der man sich bewegen wird, also die Kombination aus der Welt da draußen, erweitert um die digitalen Inhalte der Applikation, soll dabei für ein völlig neues Spielerlebnis sorgen.

Mithilfe der GPS-Funktion des eigenen Smartphones wird man die eigene Umgebung nach den kleinen Monstern durchforsten. Je nach Stärkegrad kann man dann versuchen, diese auf eigene Faust zu fangen. Oder man schließt sich mit anderen Trainern, die man ebenfalls über die App finden kann, zusammen, um besonders mächtige Monster zu bezwingen. Wie das alles in der praktischen Umsetzung aussehen wird, bleibt abzuwarten. Was, wenn es das beste Pokémon nur in Nordkorea gibt? Oder in der Kita nebenan?

Spätestens wenn man dort in Handschellen rausgeführt wird, nachdem man auf der Suche nach Pikachu durch die Büsche geschlichen ist, wird die Illusion der Poké-Welt kaum aufrecht zu erhalten sein. Kann es Pokémon in meiner Wohnung geben und muss ich anderen Trainern Zugang gewähren, wenn sie dort auf die Jagd gehen wollen? All das sind Fragen, die beantwortet werden wollen. Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass Videospiele spielen und von der Mutter an die frische Luft geschickt werden, bald kein Widerspruch mehr sein muss.