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Ha Be Te Ypsilon. Vier Buchstaben. Vier Ohrfeigen. Vier digitale Schläge auf die Tastatur. Vier mal auf die Fresse. Und mitten ins Solar Plexus. Ha Be Te Ypsilon. Sind wir wirklich schon so weit? Ist es tatsächlich so, dass wir uns nur noch vier Buchstaben wert sind. Vier fucking Buchstaben. Das darf doch nicht wahr sein. Ich habe Geburtstag. Wir sind befreundet. Und zwar so richtig. Und Du schreibst mir nur Ha Be Te Ypsilon?

Ganz ehrlich? Fuck you! Oder besser. Eff Ypsilon!

Partner_Balken_dünnU2. Nein, dass ist jetzt keine weitere versteckte Botschaft. Es ist nur eine Berliner U-Bahn-Linie. Da sitze ich täglich. Neuerdings mit nem Buch in der Hand. Vor ein paar Tagen war ich wieder mit der U2 unterwegs und während die mir unbekannte Tante über die Lautsprecher erzählt, dass ich sie angeblich vom Jedermann im Berliner Dom kennen sollte, blieb ich an einer ganz bestimmten Stelle im Buch hängen. Ich habe den Absatz mehrmals durchgelesen. Es war wie Therapie.

Ariadne von Schirach schreibt in ihrem Buch „Du sollst nicht funktionieren“ folgende Gedanken auf: „Schenkt man Geld statt eines ausgewählten Präsents, verschwinden die Liebe und die Achtsamkeit des Gebens. Alles was übrigbleibt, ist eine Summe, die dem anderen sagt, was er mir wert ist. Oder wie viel ich mir diese Freundschaft kosten lasse.“

Ich habe diesen Absatz mehrmals durchgelesen. Es war wie Therapie.

Partner_Balken_dünnLiebe Freunde, wir müssen reden. Und zwar dringend. Was ist uns unsere Freundschaft wert? Wann haben wir uns mal etwas mitgebracht, weil wir wussten, dass wir uns damit eine Freude machen würden? Wann haben wir uns lieber entschieden ein Gutschein zu kaufen anstatt uns für den anderen gezielt etwas auszusuchen? Wann haben wir selbst die Suche nach den Gutscheinen aufgegeben? Und uns für Bargeld entschieden?

Wann haben wir aufgehört uns zum Geburtstag zu überraschen? Wann haben wir uns entschieden uns am Ehrentag nicht mehr zu besuchen? Seit wann rufen wir uns nicht mehr an, wenn wir etwas zu feiern haben? Seit wann haben wir unsere Freundschaften an Facebook und Whatsapp zu verkaufen? Und zu welchem Preis?

Ich gebe es zu. Ich schreibe auch täglich Geburtstagwünsche auf die Pinnwand meiner Facebook-Freunde. Meistens aber wie ein routinierter Masseur, der genau weiß, welche Stellen er zu drücken hat, damit es dem anderen gefällt. Doch wie oft schreibe ich die Glückwünsche mit freudigem Lächeln auf meinem Gesicht? Selten. Jetzt ist es raus.

Partner_Balken_dünnAber meine Freunde aus dem echten und realen Leben sind doch nicht mit meinen Facebook-Freunden gleichzustellen, oder? Die rufe ich an. Die besuche ich. Ich überlege mir, welche Freude ich ihnen machen kann. Und eigentlich könnte ich mal wieder einführen, dass ich ihnen eine Geburtstagkarte schicke. So wie früher. Früher war nicht alles besser. Aber schöner. Könnte man jetzt meinen. Denn da waren Freundschaften noch was wert.

Wenn wir unsere Geburtstage nicht auch noch ganz abschaffen wollen, dann dürfen wir uns überlegen, wie wir dieses Ritual nutzen können, wie wir es am Leben erhalten wollen, um unser Leben zu feiern. Und ein Leben ohne Freunde ist doch kein Leben, oder? Und ein Geburtstagsglückwunsch mit nur vier Buchstaben ist kein Glückwunsch. Sondern ein Offenbarungseid über unsere Freundschaft, dass nur so zusammengefasst werden kann: FY!

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