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Die gute Nachricht zuerst: Nichts zuckt. Mein linkes Augenlid bleibt entspannt. Immerhin – denn zum Wort des Jahres 2015 wird es „entspannt“ mit Blick in meinen inneren Duden vermutlich nicht schaffen. #läuftbeimir #nicht 

Wie angekündigt ist das neue Jahr mit Karacho gestartet. Aber nicht mit tollen Reisen, fetten Partys, Wellness und 3-Gänge-Menüs. Ein Auszug aus meinem Leben, etwa eine Woche her, soll veranschaulichen, was stattdessen auf dem Programm stand: Ich bin bei meinem Freund in Sachsen, der, weil Theaterschauspieler, das halbe Wochenende arbeiten muss. Wenn er nicht arbeitet, arbeite ich; weil Meetings und Präsentationen anstehen, leider auch mehr als mir lieb ist. Am Sonntagabend geht es zurück in die Hauptstadt, wo mich am nächsten Tag ein Flug in die Heimstätte des baden-württembergischen Mutterkonzerns erwartet. Daher wäre es prima, wenn auf dem Weg nach Berlin alles nach Plan liefe.

Es läuft nicht nach Plan. Zug Nummer 1 hat 20 Minuten Verspätung und Zug Nummer 2 wartet lieber nicht 5 Minuten auf die Reisenden aus Zug Nummer 1. Ich möchte nicht, dass sich die Deutsche Bahn bei mir dafür bedankt, dass ich mit ihr reise. Sie macht es trotzdem immer wieder – auch in den beiden Zügen, die mich auf Umwegen schließlich doch noch nach Berlin bringen, wo ich mit zweistündiger Verspätung ankomme und mich am mitternächtlichen Koffer-aus-und-wieder-einpacken versuche. Mies gelaunt und in Gedanken bei der Marathonagenda der nächsten Tage schlafe ich viel zu spät ein.

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6:30 Uhr: aufstehen und funktionieren. Tegel – Stuttgart – Pforzheim – Meeting 1, 2, 3 – Hotel – Meeting 4, 5, 6 – Stuttgart – Tegel – tot. Zwischendurch lächeln und denken nicht vergessen. Als ich nach zwei Tagen um 22 Uhr zuhause ankomme, will ich nur noch eins: nicht lächeln, nicht denken, sondern RTL. Und als wäre das noch nicht deprimierend genug, merke ich zwei Tage später, dass ich mir irgendwo zwischen Meeting 1, 2, 3, 4, 5 und 6 ´ne Blasenentzündung zugezogen habe, die meinen Plan, dem Teufelskreislauf aus Arbeit und Dschungelcamp zu entrinnen, jäh durchkreuzt.

Also entschuldige ich mich bei meinen Freunden, die im Restaurant auf mich warten, und mache mich mit Cranberry-Muttersaft, Blasen- und Nierentee und harnwegsentzündungshemmenden Tabletten im Gepäck auf den Weg in den Dschungel. Nur meine Saulaune, eine herzförmige Wärmflasche und RTL – wat schön! Ach ja, und mein alter Kumpel, der Stress, den ich nur deshalb im Zaum halte, weil ich mir neben der Arbeit keine anderen Aktivitäten vornehme. Mit dem Ergebnis, dass dieses Vorgehen nicht das Mittel der Wahl sein kann. Denn Frustschieben stresst ungemein. Steht zwar nicht im Duden, is aber so.