Eine knappe Stunde sitze ich im Flugzeug nach Bern, als uns der Pilot von SkyWork darüber informiert, dass wir gerade über Erfurt hinwegfliegen. Heimatgefühle keimen auf – hier bin ich geboren, hier habe ich während meines Studiums in Weimar gewohnt. Zwei Stunden später spaziere ich durch die Schweizer Hauptstadt und da sind sie wieder, diese Heimatgefühle. Hübsche kleine Altstadt, Kopfsteinpflaster, enge Gassen, kleine Geschäfte – ganz wie in der Thüringer Hauptstadt, nur dass die Schaufenster hier nicht H&M und Swatch gehören, sondern Hermès und Rolex.

Da haben wir sie, die Bundeshauptstadt und damit auch schon die erste Parallele zu meiner zweiten Heimat. In Berlin bin ich seit acht Jahren zuhause und hier gibt’s mit Sicherheit nicht nur irgendwo am Kudamm Hermès und Rolex, sondern ganz wie in Bern auch jede Menge Botschaften, einen Bären im Wappen und ein hochherrschaftliches Haus mit Namen Bellevue. Das Bellevue in Bern beherbergt wie sein Berliner Pendant das Staatsoberhaupt des Landes – jedenfalls dann, wenn dieses zu Sitzungen im benachbarten Bundeshaus zusammenkommt und zu diesem Zweck im Grandhotel in die komfortablen Federn sinkt. Das Staatsoberhaupt ist in der Schweiz nämlich ein Kollektiv und besteht aus insgesamt sieben Bundesräten und -rätinnen. Den Vorsitz hat jedes Jahr ein anderes Mitglied, das dann zwar den Titel „Bundespräsident/-in“ trägt, aber de facto keine Weisungsbefugnis oder Richtlinienkompetenz hat. Damit bildet die Schweiz einen Sonderfall im Vergleich zu anderen demokratischen Staaten, die in der Regel sowohl einen Regierungschef, oder wie bei uns eine -chefin, als auch einen Repräsentanten haben. Jeder Nicht-Schweizer, der das liest und sich jetzt denkt, erzähl mir was Neues, kriegt von mir ein Stück Schweizer Schokolade.


Ich für meinen Teil darf auch an diesem Wochenende wieder feststellen: Reisen bildet. Und abgesehen von dieser kleinen Lehrstunde in eidgenossenschaftlicher Politik erfahre ich zu meiner hellen Freude auch noch das ein oder andere Neue über mich. Zum Beispiel meine Ringgröße (die mein Freund an dieser Stelle jederzeit gerne nachlesen kann): 53. Antonio, seit 30 Jahren Goldschmied und ganz offensichtlich Meister seinen Fachs, steckt mir nicht nur zehn kostbare Sekunden lang einen Ring an den Finger, er zeigt mir auch, wie ein solcher hergestellt wird. Dabei strahlt der gebürtige Italiener so viel bescheidene und stille Fröhlichkeit aus, dass mir ganz warm ums Herz wird – solch eine Fertigkeit zu beherrschen ist ein Schlüssel zum Glück, da bin ich sicher. Einmal ganz abgesehen von dem Wert des edlen Schmucks, der, wie ich nebenan in der Bijouterie Zigerli+Iff erfahre, ohnehin relativ ist. Denn auch in der Welt der oberen 10.000 entsteht letztlich alles aus dem Vergleich.


Herr Zigerli Senior berichtet von einem Kunden, der seit mittlerweile zwei Jahren auf seine Uhr wartet – der Luxusuhrenherrsteller Patek Phillipe verkauft seine besonderen Stücke (für 150.000 Franken aufwärts) nämlich nicht an jeden! Schließlich soll so ein Meisterwerk des Uhrenhandwerks nach dem Verkauf nicht bei Ebay landen. Nur Herren mit einer strahlendweißen Weste gelangen in den Besitz einer neuen Uhr von Patek Phillipe. Damit die Genfer Manufaktur die Beschaffenheit der Weste beurteilen können, müssen Interessenten eine Bewerbung einreichen. Nach einem – ganz offensichtlich – zum Teil sehr langen Auswahlverfahren geht die Uhr des Herzens an ihren neuen Besitzer über. Und das ist der Moment, in dem sich die Spreu vom Weizen trennt… Denn eine Rolex kann schließlich jeder haben, der das nötige Kleingeld besitzt – in der Schweiz wären das dann jede Menge klimpernde Rappen. Für eine der limitierten Patek-Phillipe-Uhren hingegen musst Du Dir diese auch noch sauber verdient haben!


Unbezahlbar ist es indes, in den Genuss eines richtig guten Jazz-Konzerts zu kommen – eine Erfahrung, die ich erst machen musste, um ihren Wert schätzen zu lernen. Ich bin kein musikalischer Gourmet, gebt mir was Gefühliges zum Mitsingen und ich bin happy. Mit dieser Selbsteinschätzung im Gepäck machte ich mich auf den Weg zum 40. Jazzfestival Bern und stolperte im Mai 2015 in Marians Jazzroom in Bern, um überraschend in einem New Yorker Jazzkeller der 30er Jahre zu landen. Leder und dunkles Holz, Scotch und Champagnercocktails und auf der Bühne sechs Gentlemen der alten Schule: elegant, virtuos, lässig, ZUM NIEDERKNIEN. Nie habe ich Musiker aus nächster Nähe erleben dürfen, die ihre Instrumente mit soviel Können und Nonchalance zu spielen vermochten. Mr. Green, Mr. Henderson, Mr. Harrison, Mr. Jackson, Mr. Washington und Mr. – so damn cool – Allen, Sie haben Mrs. Heer aus der Hamburger Schule in die New Yorker University of Jazz geholt. Meinen ergebensten Dank! Wer mir verrät, wo es wirklich gute Jazzkonzerte in Berlin zu genießen gibt, bekommt nen Scotch.


… oder einen Apple Dream. Wie man den aus Sake, Apfellikör, Apfelsirup und Limettensaft mixt, hat mir Sarah Leuenberger, 2014 mit dem Titel „Swiss Barkeeper of the Year“ ausgezeichnet, beigebracht. Frisch und fruchtig schmeckt ihre Gewinnerkreation, die Ihr fortan bei mir oder im Hotel Schweizerhof probieren könnt. Dort legt man wert auf Details, die dem Gast ein Lächeln aufs Gesicht zaubern – damit man sich auch fern der Heimat so wohl wie zuhause fühlt.

 

 


 

KOOPERATION

Wir bedanken uns bei Bern Tourismus und den Hotels Schweizerhof und Bellevue Palace für die Einladung und die Gastfreundschaft!

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