Lauschangriff_Sebastian Monster.001

Verschlossen, nachdenklich, eklig, verstörend, dabei unwiderstehlich breitschultrig. Kanye Wests „Monster“ aus dem Jahre 2010 ist für mich einer der seltsamsten, aber auch besten Songs der letzten zehn Jahre. 

Bon Ivers Justin Vernon ruft aus der Ferne „I shoot the lights out“ und etabliert damit die Grundstimmung des Tracks: düster und verschroben, unheimlich und unnahbar. Die Orientierung fällt schwer. Rick Ross fegt für wenige Sekunden durch den Song, bleibt genauso schwer zu greifen wie das Stück selbst, bevor er dann sogleich Kanye die Bühne überlässt.

„Bitch, I’m a monster, no-good blood-sucker
Fat motherfucker – now look who’s in trouble
As you run through my jungles all you hear is rumbles
Kanye West samples, here’s one for example“

Auftritt Kanye. Mit verzerrter Stimme haut er uns die erste Hook um die Ohren, bevor der Song richtig begonnen hat. Ein Stilmittel, das man so eher von Schwanzrockern wie Bon Jovi kennt.

„Profit profit, nigga I got it
everybody know I’m a motherfucking monster“

Die Produktion kommt unheimlich tight, aber eben auch bewusst rotzig und mit Scheißegal-Haltung daher. Dann Kanyes erster Verse. Er reimt „act sane“ auf „accent“ und „esophagus“ auf „sarcophagus“. Die Bassdrum treibt in  einem Wahnsinns-Tempo, die Snare setzt aus, um dann umso unwiderstehlicher zurückzukommen. Was ist das überhaupt für ein Genre? Boom Bap? Gangsta? Horrorcore?

Auftritt Jay-Z. Nach diversen popkulturellen Referenzen auf das Horrorgenre (Sasquatch, Godzilla, King Kong, das Monster von Loch Ness, Goblins, Ghouls, Zombies), der Schilderung verschiedener Schreckensszenarien und einer Watschn für ehemalige Weggefährten, gesteht er, seine Achillesferse sei die Liebe. Bitte was? Keine Zeit zum Nachdenken.

Auftritt Nicki Minaj. Ihr Part stellt den absoluten Höhepunkt dieses Stückes dar, das wahrlich nicht arm an Höhepunkten ist und uns zu keiner Zeit durchatmen lässt. Sie nimmt den Beat auf, feuert im Staccato darüber, dann ignoriert sie ihn, hebt ab, bewegt sich gekonnt jenseits von Takt und BPM, um dann punktgenau wieder auf der Eins zu landen.

„So let me get this straight, wait, I’m the rookie?
But my features and my shows ten times your pay?
50K for a verse, no album out
Yeah, my money’s so tall that my Barbiez got to climb it
Hotter than a Middle Eastern climate, violent
Tony Matterhorn, dutty wine it, wylin‘
Nicki on them titties when I sign it
That’s how these niggas so one-track-minded
But really really I don’t give a F-U-C-K“

Justin Vernon holt uns schließlich in Michael-Jackson-Manier ab, um uns dann unvermittelt wieder stehen zu lassen. Auf einmal ist alles vorbei.

Balken_dünn

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#irefLAUSCHANGRIFF
#irefLAUSCHANGRIFF: Hier geht es um den Soundtrack des Lebens. Welche Musik treibt uns an, bestimmt unsere Launen und hat sich als unverzichtbar erwiesen.