Seit über 40 Jahren ist das BMW Kulturengagement bereits fester Bestandteil der Unternehmenskommunikation der BMW Group. Mit der BMW Art Car Collection, gestaltet durch renommierte Künstler wie Roy Lichtenstein und Andy Warhol, besteht bereits seit den siebziger Jahren der erste wichtige Eckpfeiler des kulturellen Engagements. Heute verpflichtet sich die BMW Group zur Förderung von drei wichtigen Schwerpunkten: moderne und zeitgenössische Kunst, klassische Musik und Jazz, sowie Architektur und Design. Über einhundert internationale Partnerschaften sollen nicht nur den interkulturellen, multidisziplinären Dialog fördern, sondern Kunst und Kultur für Jedermann zugänglich machen. Wir haben Dr. Thomas Girst -Leiter des Kulturengagements der BMW Group im Rahmen der BMW LSO Open Air Classics und BMW Tate Live in London getroffen und mit ihm über sein langjähriges Schaffen in der Förderung von Kultur gesprochen.

Norman: Sicherlich fällt dir die Antwort auf die nächste Frage alles andere als leicht, trotzdem liegt sie uns auf der Zunge: Gibt es ein Projekt welches dir ganz besonders am Herzen liegt? Wenn ja, welches und warum?

Thomas: Immer das nächste Projekt, diejenigen, die noch laufen lernen müssen, die man gemeinsam aus der Taufe hebt, mit Herzblut und Vision und einem Can-Do-Spirit, der gegen jegliche Widrigkeiten gefeit ist. Als wir vor Jahren entschieden, die Münchner „Oper für alle“ auch in Berlin mit der Staatsoper zu realisieren, hatten wir keine Ahnung, wie viele Leute auf dem Bebelplatz erscheinen würden, oder seit 2012 auf dem Trafalgar Square, wo das London Symphony Orchestra mit „BMW LSO Open Air Classic“ kostenfrei gastiert. Im ersten Jahr in Berlin sperrte ein einziger Polizeibeamter mit einem weiß-roten Band gemächlich auf Geheiß des Oberbürgermeisters Unter den Linden ab, damit Zehntausende Platz finden konnten. Im Anschluss lagen sich BMW Kollegen, Opernleitung und Musiker ob des Erfolgs mit durchgeschwitzten Hemden in den Armen. Wir hatten ein Format erfolgreich etabliert, die Hemmschwelle vor der Hochkultur genommen. Heute drängen über 45.000 Besucher zum Konzert von Daniel Barenboim, zehnmal mehr sehen es sich Online an. Es ist ein gesetzter Höhepunkt des Kulturkalenders, fast ein Bürgerrecht. Natürlich ist die Aufregung bei der Orga und Erwartungshaltung größtenteils verschwunden, zum Glück. Jetzt haben wir soeben mit unserem langjährigen Partner Art Basel die BMW Art Journey lanciert, eine Möglichkeit für junge Künstler weltweit Werke zu realisieren, in einem mobilen Atelier. Der erste von einem internationalen Kuratorium bedeutender Museumsmacher ausgesuchte Künstler ist Samson Young aus Hong Kong. Seine Reise führt ihn über fünf Kontinente, sein Projekt hat er mit „For whom the Bell tolls: A Journey into the Sonic History of Conflict“ betitelt. Es gibt keine Restriktionen, künstlerische Freiheit ist uns selber das höchste Gut – seit knapp einem halben Jahrhundert Kulturengagement der BMW Group mit hunderten Initiativen weltweit. Es ist überaus spannend und reich an Erkenntnisgewinn, sich qua seines Amtes mit dem Werk des Künstlers auseinandersetzen zu dürfen, ich empfinde das als großes Privileg meiner Arbeit.

„Es gibt keine Restriktionen, künstlerische Freiheit ist uns selber das höchste Gut – seit knapp einem halben Jahrhundert Kulturengagement der BMW Group mit hunderten Initiativen weltweit. Es ist überaus spannend und reich an Erkenntnisgewinn, sich qua seines Amtes mit dem Werk des Künstlers auseinandersetzen zu dürfen, ich empfinde das als großes Privileg meiner Arbeit.“

Norman: 2008 und 2009 warst du bereits als Kulturmanager des Jahres nominiert. Das liegt neben deinem hauptberuflichem Job als Leiter des BMW Kulturengagements sicherlich vor allem an den vielen Projekten, in denen du ehrenamtlich tätig bist. Worin liegt deine persönliche Motivation?

Thomas: Neugier ist mit Sicherheit ein großer Antrieb, die Lust auf das und an dem, was man tut. Gute Laune und harte Arbeit müssen sich nicht ausschließen. Zudem bin ich mittlerweile in einem Alter, wo man Gelerntes auch weitergeben, an seinen Netzwerken, seiner Erfahrung und dem Know-How auch andere teilhaben lassen kann, die es verdienen, gefördert zu werden – auch das ist Motivation. Es ist der eigene Anspruch, der Anspruch an sich selbst und wie man etwas tun und bewältigen möchte, der einen an seine Grenzen und zur Höchstform bringt. Bei aller Liebe zum Traum empfinde ich es als Geschenk, das ich recht wenig Schlaf benötige und des Kaffees am Morgen auch nicht bedarf.

Norman: Hand auf Herz: BMW spricht im Grunde genommen hochgebildete und einkommensstarke Zielgruppen an, die sich durch Kultursponsoring differenziert und mit Sicherheit auch mit wenig Streuverlust erreichen lassen. Trotzdem setzt sich BMW mit Fokus auf die letzten Jahre dafür ein, Kunst- und Kultur frei und für jedermann zugänglich zu machen, als auch die Nachwuchsförderung beispiellos zu unterstützen. Dabei handelt es sich in erster Linie ja eher weniger um eine kaufkräftige Zielgruppe. Warum ist es euch als Marke dennoch wichtig?

Thomas: Hier geht es um Corporate Citizenship. Wie bringe ich mich als wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen außerhalb der Kernkompetenz in die Gesellschaft ein, in der wir operativ tätig sind, was gebe ich zurück. Mitarbeiter aus über hundert Nationalitäten arbeiten weltweit für die BMW Group. Interkulturalität wird jeden Tag gelebt. Über Treffen, Telefonate, Videokonferenzen sprechen sie täglich mit ihren Kollegen von Südamerika bis China. In all diesen Ländern wollen wir auch im kulturellen Bereich Dinge ermöglichen, die sonst nicht zustande kommen. Nachwuchsförderung scheint das Richtige zu sein. Wir unterhalten ja außerhalb der BMW Art Cars und den großformatigen, herrlichen für das Foyer unserer Münchner Firmenzentrale von Gerhard Richter 1973 gestalteten Gemälden keine eigentliche Kunstsammlung großer Namen. Bewusst sind wir hier den Weg gegangen, etwa an den Werksstandorten mit den lokalen Kunstakademien zusammen zu arbeiten und hier etwas für junge Künstler zu tun, deren Werke wir ankaufen.

„Unsere strategische Ausrichtung, die zum Glück nicht auf persönlichen Affinitäten beruht, leitet uns hier genauso wie die Vision eben nicht nur zu reagieren sondern proaktiv auf Institutionen unsererseits zuzugehen.“

Norman: Insgesamt unterstützt ihr weltweit über 100 größere als auch kleinere Kulturprojekte. Von London bis Indien, von klassischen bis hin zu neueren Künsten. Außerdem erreichen euch über 2000 Förderanfragen jährlich. Das ist enorm. Wie trefft ihr eure Auswahl über zukünftige Projekte und warum werden einige Projekte nicht weiter unterstützt?

Thomas: Wie gesagt, unsere strategische Ausrichtung, die zum Glück nicht auf persönlichen Affinitäten beruht, leitet uns hier genauso wie die Vision eben nicht nur zu reagieren sondern proaktiv auf Institutionen unsererseits zuzugehen. Formate wie BMW Tate Live, das BMW Guggenheim Lab oder BMW LSO Open Air Classic entstehen oft erst nach über manchmal viele Jahre immer mal geführte Dialoge mit den Kulturinstitutionen. Zudem bleibt unser Etat meist auf gleicher Höhe erhalten. Um neues zu ermöglichen, muss man also altes auch mal gehen lassen. Wir sind gerne von Anfang an mit dabei und geben dem Partner Planungssicherheit. Oft können nach einem gewissen Zeitraum unserer langfristigen Unterstützung die Projekte dann auch ohne uns weiter gedeihen.

Norman: Wo wir einmal beim Thema „Projekte in verschiedenen Ländern“ wären. Wir hörten, dass Sponsoring in angloamerikanischen Ländern wesentlich weniger kritisch betrachtet werden, während in Deutschland nur das Logo einer Marke bereits kritisch beliebäugelt wird. Ist es tatsächlich so und worin siehst du die Gründe hierfür?

Thomas: Wir sprechen bewusst nie von Sponsoring, das ist ein negativ konnotiertes Wort, letztlich beschreibt es doch nur den monetären Transfer von A nach B. Wir sprechen von Partnerschaft, Kooperation, Engagement. Uns geht es nicht um Transaktion sondern um Interaktion. Wir kennen dabei unsere Grenzen genau: keinerlei inhaltliche Vorgaben, Wahrung der kuratorischen Integrität und der kreativen Freiheit. Mit Kulturinstitutionen tauschen wir uns mit gegenseitiger Neugier und Wertschätzung aus. Wir fördern auch Streitbares und Kontroverses, uns geht es nicht ums Akklamative. Natürlich können wir unser Know-How und unser Netzwerk mit einbringen, falls vom Partner erwünscht. Ich sage gerne, dass die Subtilität des Auftritts von der Souveränität des fördernden Unternehmens zeugt.

„Wer sagt, der Weg sei das Ziel, der bleibt auf der Strecke.“

Norman: Euer Engagement im Bereich Kultur wird von vielen als beispielhaft und gut wahrgenommen. Sicherlich gibt es da draußen auch einige Projekte, die dich in deiner Arbeit inspirieren. Kannst du uns spontan ein Engagement nennen, welches du als besonders gelungen empfindest?

Thomas: Du meinst aus dem Zusammenspiel Unternehmen und Kunst? Wenn ich ehrlich bin, dann bewundere ich das langfristig wie nachhaltig angelegte Mentorenprogramm von Rolex, das junge Künstler mit etablierten zusammen bringt.

Norman: Als abschließende Frage an dich: Wo geht die Reise mit den BMW Kulturengagements in Zukunft hin?

Thomas: Wer sagt, der Weg sei das Ziel, der bleibt auf der Strecke. Unsere Reise geht weiter – und sie bleibt ein Abenteuer und an Erfahrung reich. Egal was wir tun werden, der höchste Anspruch wird uns leiten, im Kerngeschäft wie im Kulturengagement.

Norman: Vielen Dank Thomas.