Morgen starten die Osterfeiertage. Alle freuen sich. Haben fix noch gebucht. Mal wieder raus. Raus in die Welt. Ab ins Grüne. Einfach nur Leben und leben lassen. 24 Stunden später ist alles anders.

Der Wahnsinn hält weiterhin Einzug. Trauer und Angst überall. Im Internet. Auf den Straßen. Im Geiste. Wie kleine Roboter bewegen sich Freunde, Familie und Kollegen. Von A nach B posten wir unseren Protest, unsere Trauer, unsere Wut. Dann machen wir weiter. Machen weiter in dem was wir tun. Dazwischen reden wir: Mal miteinander, mal mit uns selbst. Meist ohne Ergebnis. Klar.

Diese Fragen, nach deren Antworten wir suchen; es sind keine Fragen. Da draußen rennen Menschen umher, die erbarmungslos unsere Familien und Freunde ermorden. Warum tun sie das? Ich will es nicht wissen. Ich will es nicht verstehen. Ich werde es nicht verstehen. So oft wird von deiner und meiner geredet. Es ist zum kotzen. Die machen das und das, weil wir das und das getan haben. Oder stell dir vor du wärst das, lebst hier und dort, was würdest du tun? Der. Die. Hier. Dort. Was für ein Elend.

Im Gerangel aus Politik, Religion und Gesellschaft, fließt das Blut in Strömen. Alle sollen sich verletzen. Sollen sterben, sollen Schmerzen erleiden und bereuen. Die, die nicht sterben, sollen sehen, wie andere sterben. Sollen sich ein Bild machen, von dem, was noch kommt.

Mit Erfolg. Eine komplette Welt, zutiefst verwundet. Alles und jeder wird Stück für Stück gebrochen. Sicherheit ist Unsicherheit. Das menschliche Leben? Es hat sich lange nicht so beliebig angefühlt. Menschen stehen am Flughafen, sitzen im Kaffee, betreten die U-Bahn und werden erschossen, weggesprengt oder erschlagen.

Unschuldiges Blut. Überall. Schuldhaft wurde unser aller Dasein. Doch was haben wir getan? Wir wissen es nicht. Es ist egal. Es reicht, dass wir sind was wir sind. Alles und jeder ist verantwortlich. Was wir auch tun, es kann nur falsch sein.

Alle fallen um – vor allem in ihrer Meinung: Merkel ist toll. Merkel ist schlimm. Refugees welcome. Refugees unwelcome. Teile deine Trauer, teile sie nicht. Mach was, aber nix falsches. So eine Scheiße. Ich kann es nicht mehr hören. Nach einem festen Standpunkt muss man mittlerweile suchen. Gestern noch A getönt, schreie ich heute mal B in die Masse. Unerträglich!

Dazu die Diktatoren und Klugscheißer: Effekthaschende Unterbietungen soweit das Auge reicht. Ein unlängst klares Muster ergibt sich: Jeder weiß was geht! Auf einmal haben alle Ahnung von Politik. Wissen wo die Crux begraben ist. Gefährliches Halbwissen – überall.

Im Social Web geht’s derweilen weiter ab: Wir müssen dies, aber das dürfen wir nicht. Neuster Rotz an der Klugscheisserfront: Wer postet betreibt Terrorismus-Marketing. Wir sind schuld, wenn IS bekannt wird, wir machen die AfD berühmt, wir sollen endlich aktiv werden. Sollen uns organisieren, intelligent an das Thema herantreten. Gefordert von denen die so viel wissen wie ich – nämlich nichts.

Massive Selbstüberschätzung soweit das Auge reicht. Aus Angst wird Wut. Aus Wut Verzweiflung. Trauer. Sorge. Zu viele Tränen. „We have only ONE World!“ kommentiert da einer, „Yes. OUR World!“ antwortet der nächste. Und wir sitzen davor und wissen nicht, welche Antwort nun die Richtige ist. Daumen hoch. Daumen runter. Es ist scheißegal. Der schlimmste Virus auf Erden: Er hat uns alle befallen. Angst in unseren Venen. Angst in unseren Herzen. Zurückziehen will man sich, sich verstecken – wie einst unsere Großeltern.

Doch Freunde, alles, nur eben nicht das – darf passieren. Dieser Tage hatten wir häufig das Gefühl, dass Frieden nur bis zu einem gewissen Punkt Bedeutung hat und man darüber hinaus alles verhandeln könne. Aber das stimmt nicht.

„Denn niemand, wirklich niemand, kann uns verletzen ohne unsere Zustimmung.“ – Mohandas Gandhi.

PS: Refugees welcome! Mehr denn je.

#INSOMNIA - Mein Leben nach Mitternacht
Der Autor dieser Kolumne ist bekannt, es ist Norman, der Kopf hinter i-ref. Was jedoch wenige wissen: Norman schläft sehr schlecht. Und das seit Jahren. Weil um Mitternacht alles hereinbricht. Der gesamte Tag! #INSOMNIA soll helfen, die kreisenden Gedanken in der Dunkelheit besser zu verstehen, Fragen zu stellen und loszulassen – wenngleich im Tageslicht mal wieder alles anders zu sein scheint.