Nachdem unsere kurze Nacht zu einem langen Morgen wurde, brachen wir vom Hotel Sonnenhof in Pfalzen auf zu unserem nächsten Ziel: Tamersc im Naturpark Fanes-Sennes-Prags mitten in den Dolomiten. Geografisch wird der Naturpark im Norden vom Pustertal begrenzt und im Süden von der Südtiroler Landesgrenze, wo er fast bis ins Gadertal reicht. Die Ostgrenze zu den Sextner Dolomiten mit dem Naturpark Drei Zinnen bildet das Höhlensteintal.

Unser Hide-Away für die nächsten Tage lag versteckt am Rande eines Fichtenwaldes. Die Mountain Lodge Tamersc steht auf einer kleinen Anhöhe direkt zwischen einer gigantischen Steilwand und einer riesigen, malerischen Lichtung. Die Holzvilla (Hütte wäre hier keine angemessene Bezeichnung), auf deren Grundstück einst ein altes Jagdhaus stand, bettet sich zurückhaltend in die selbstbewusste Natur ein. Unsere Bilder lassen bereits vermuten: Hier stimmt einfach alles! Ein Klimahaus (mit dem Gütesigel A+), verpackt in einheimisches Holz, kein bisschen Protz aber dafür anspruchsvolles Design und Luxus ohne Dekadenz. Normalerweise haben hier 6 Personen Platz – wir waren allerdings nur zu zweit, was den Aufenthalt natürlich noch angenehmer gestaltete. Zwei große Verandas bieten genügend Platz um den Tag mit einer Tasse Kaffee und einem wunderschönen Bergpanoramablick zu begrüßen oder abends bei einem Glas Wein und romantischem Abendrot gute Nacht zu sagen.

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Jeden Morgen wurden wir vom Läuten der Kuhglocken geweckt, das über den ganzen Tag hinweg wie ein meditatives Mantra aus der Ferne klang. Manchmal verbrachten wir Stunden damit, das Sozialverhalten unserer wiederkäuenden Nachbarn zu studieren und starrten schweigend auf die große Weide vor unserem Haus. Die Kühe hatten den überschaubarsten und beneidenswertesten Tagesablauf, den man sich vorstellen kann. Tagsüber grasten sie in der Sonne, legten sich nachmittags ein paar Stunden auf’s Ohr, um sich abends zum Schlafen in den schützenden Wald zu verziehen. Ironischerweise waren nicht etwa sie eingezäunt – sondern wir. Allerdings nur, damit keine Gämsen und Hirsche in unseren Vorgarten springen und das frische Gras klauen. Diese Vorgarten-Mentalität war aber auch die einzige, die weit und breit kultiviert wurde – denn das gesamte Naturschutzgebiet ist quasi wie ein einziger riesiger Garten, ein wildes Fleckchen Schönheit, durchzogen von Bergquellbächen, Wäldern, Wiesen und wild lebenden Tieren.

Eine Kuh hatte es uns besonders angetan: Kandy. Gemeinsam mit ihrer Freundin Claudine besuchte sie uns regelmäßig an unserem Zaun, so dass es ein morgendliches Ritual wurde, sie bei einer Tasse Kaffee mit ein paar Händen Premium Gras aus unserem Garten zu füttern.

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Dieses wunderbare Fleckchen Erde befindet sich außerdem im ladinischen Teil Südtirols. Als Ladinisch im Sinne von Dolomitenladinisch, bezeichnet man eine Gruppe romanischer Dialekte, die in mehreren Alpentälern Oberitaliens gesprochen werden. Als hauptsächliche Verbreitungsgebiete gelten Gröden und das Gadertal in Südtirol, das Fassatal im Trentino sowie Buchenstein und Cortina d’Ampezzo in der Provinz Belluno (Venetien). Die Ladiner machen 4% der Südtiorler Population aus und kämpfen für den Erhalt ihrer vom Aussterben bedrohten Sprache und Kultur.

Sehr ladinisch ging es dann auch an unserem letzten Abend bei Familie Obwegs zu. Auf ihrem kleinen Agriturismo Bauernhof in St. Vigil  kochten wir traditionelle Schlutzkrapfen, tranken Wein und hausgemachten Schnaps und philosophierten über das Leben. Als uns Arcangelo und seine Frau Agata noch ein altes Volkslied über ihre Heimat sangen, verliebten wir uns zum gefühlt 223. Mal in Südtirol.

Danke für einen unvergesslichen Trip!

Ein besonderer Dank gilt ein weiteres Mal der Agentur Südtirol Marketing.