Wie verläuft der schnellste Weg zum Herzen eines Landes? Man könnte meinen, durch den Magen, denn die regionale Küche eines jeden Landes birgt jede Menge Indikatoren seiner kulturellen Identität. Was würde sich also besser anbieten, als ein anderes Land im Rahmen eines Food Festivals kennenzulernen. Der Einladung zum Food Festival FOOD ZURICH folgte ich nur zu gerne. Denn wer mich kennt, weiß, dass ich, wenn es ums Essen geht, immer vorn dabei bin. Vor meiner dreitägigen Reise in die größte Stadt der Schweiz wusste ich – klischeebeladen – nur von der hervorragenden Qualität von Käse und Schokolade, somit freue ich mich, euch nun einen besseren Einblick in die schweizerische Küche geben zu können.

Die Schweiz umfasst deutsche, französische, italienische und rätoromanische Sprach- und Kulturgebiete, dessen Einflüsse sich auch in der Küche niederschlagen. Obgleich die regionale Küche sehr unterschiedlich ist, haben viele Gerichte die örtlichen Grenzen überschritten und erfreuen sich im ganzen Land großer Beliebtheit. Die FOOD ZURICH agiert als kulinarischer Meltingpot und bringt in über 150 Veranstaltungen Foodies und Genießer zusammen. Mit dem Fokus auf die Themen Schweiz, Innovation, Nachwuchs und Nachhaltigkeit beleuchtet das Festival die traditionelle Küche und fördert gleichzeitig neuzeitliche Kreationen mit internationalen Einflüssen. Welchen Aspekt ich besonders spannend und löblich finde, ist das diesjährige Motto Vörigs. Vörig ist Schwyzerdütsch für etwas, das übrig geblieben und nicht mehr gewollt ist. In diesem Zusammenhang spielt das Motto also auf Food Waste bzw. die Weiterverarbeitung von Resten und Produkten, die üblicherweise bei der Zubereitung entsorgt werden an. Doch dazu später mehr.


Am ersten Abend führt mich mein Weg in die Sihlcity, genauer gesagt in ein altes Fabrikgebäude in dem sich jetzt Künstlerateliers aber auch eine Küche befinden. Libertine Kitchen heißt die Dinnerserie für Freigeister, an diesem Abend kredenzt die Naturköchin Rebecca Clopath unter dem Motto „Into The Wild“ ein 6-Gänge-Menü. Mit dabei war die liebe Lena von TheGhostOnMyBack. Aufgewachsen auf einem Bio-Hof im Kanton Graubünden, setzt die junge Köching Rebecca Clopath bei ihren kulinarischen Kreationen auf lokale, biologische und faire Produkte und inszeniert diese auf eine sehr ästhetische Weise. Zu den Highlights des Menüs gehören Hanfbrot mit gesalzener Butter (nichts geht über gutes Brot mit Butter), eine Wiesenkümmelsuppe mit Sauerampfer und frittierter Minze, sowie ein texturiertes Eis (Glace) mit Beeren und durch Waldboden aromatisierten Baiser. Ein wahrhaft spannendes, harmonisches Menü, welches die Aromen der heimischen Kräuter und Zutaten auf besondere Weise portraitiert und mir den Geschmack der Schweiz etwas näher bringen konnte.

© Lena Haas


Auch am Tag darauf erwartet mich ein einzigartiges Dinner, jedoch in ganz anderem Ambiente. Das Restaurant Wilder Mann entspricht vom Äußeren eher den Vorstellungen eines traditionellen Gasthofs. So diente in der Gastronomie der Wilde Mann früher als häufiger Namensgeber für Gaststätten und Hotels, die entweder am Rande von Gebirgen und unzugänglichen Waldgebieten oder einfacher vor den Toren einer Stadt außerhalb der Mauern lagen. Nun will ich aber zum Thema Vörigs zurückkommen: für das Dinner hat der Küchenchef Yves Bernreiter einen Warenkorb mit Zutaten bekommen, die sofort verbraucht werden müssen. Aus diesen zaubert er seinen Gästen ein exklusives 4-Gänge-Menü. An dieser Stelle ist besonders seine Philosophie zu erwähnen, alle Teile eines Tiers zu verwenden. Wenn Fleisch, dann bitte so.


Ein weiteres Highlight des FOOD ZURICH Programms ist das Street Food Festival auf der Stadionbrache Hardturm. Hier finden Besucher nicht nur Schweizerische Spezialitäten wie Chnöpfli (eine Art Spätzle), Käseraclette oder Strudel, sondern auch internationale Delikatessen von über 100 Anbietern. Darunter Burger, Churros, vegane Hotdogs, Dumplings, Pralinen, Tacos oder Ceviche. Das Gelände ist nur einen Katzensprung von der Limmat entfernt und dank eines riesigen Zirkuszelts auch vor Regen geschützt. Zu Street Food muss im Jahr 2017 wohl nicht mehr viel gesagt werden, nur so viel: Zürich zeigt auch hier seine Internationalität und Weltoffenheit.


Mein Fazit: Wem Zürich nicht schon so eine Reise wert ist, dem lege ich definitiv ans Herz auf den Termin für FOOD ZURICH 2018 zu warten und sich durch die Stadt zu schlemmen. Denn was könnte schöner sein, als einen Blick über den Tellerrand auf Land und Kultur zu werfen? Liebe geht bekanntlich durch den Magen.

KOOPERATION

Vielen Dank an Zürich Tourismus für die Einladung zu FOOD ZURICH. Der Beitrag ist in bezahlter Kooperation entstanden. Die Inhalte und Meinungen der Autorin wurden durch diese Kooperation nicht berührt.