Herzlich willkommen in unserem kleinen, gemütlichen Reisekino. New Zealand Pictures und I-REF Entertainment präsentieren Ihnen heute „Was Sie schon immer einmal machen wollten, dabei aber nicht ahnen konnten, dass man das auch alles prima an einem Tag erledigen kann“. Genre: Abenteuer-Naturdoku-Roadmovie-Vampirmockumentary. In den Hauptrollen: Matze, Gigi, Nina und Nadin.

Es hat aufgehört zu schneien, als wir in Arrowtown halten, damit ich meinen allerersten Rehburger probieren kann. Ein Genuss, das unaufdringlichste, feinste Wild, das ich je gegessen habe. Daher bestelle ich auch am Abend noch einmal „Venison“ – diesmal Filet, passend zum genussvollen Ambiente des Cardrona Hotel Restaurants. Alles ist aus Holz, im Kamin flackert ein gemütliches Feuer und der Shiraz verträgt sich hervorragend mit der Kräuterkruste auf meinem Reh und dem Süßkartoffelpüree. Ein Gedicht! Nicht nur, weil es sich reimt.

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Am Abend sind wir in Wanaka angekommen, einem hübschen kleinen Städtchen am Fuße des Mount Aspiring. Mein Hotelzimmer blickt auf den Lake Wanaka und die Southern Alps. Wunderschön. Friedlich. Aber bitte nicht zu schwelgerisch werden. Denn, liebe Zuschauer, der Vorspann ist vorbei. Die Ruhe: trügerisch.

Am nächsten Morgen erwartet uns der Himmel. Woooooooohooooooooo! So schnell kann ich gar nicht gucken, wie ich im Miniflugzeug sitze und mich Andy von Skydive Wanaka an sich festschnallt. Ich weiß, dass es für uns gleich fast 4.000m abwärts geht. Andy macht das 15mal am Tag, ich Pfeife bin in 33 Jahren noch nicht ein einziges Mal vom 5m-Brett gesprungen. Immer, wenn ich’s mir vorgenommen habe, mit 11, 12, 13 – cool sein wollen und so –, musste ich schissbedingt umdrehen und bedröppelt zurücklaufen.

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All diese Momente der Schmach werde ich hier und jetzt auslöschen, achthundert 5m-Bretter liegen zwischen mir und der Erde. Und als Andy mir den Tipp gibt, beim Freefall den Mund zuzubehalten, dabei aber selbstverständlich immer brav zu lächeln, ist alles noch in bester Ordnung. Auch wenn Klappehalten nicht gerade zu meinen Stärken zählt: Ich nehme mir fest vor, den Tipp zu befolgen, den mir der große starke Mann gibt, dem ich mein Leben anvertraue. Die Flugzeugklappe öffnet sich, Nina springt, Matze springt, ich…. spriiiiiiiiiiiinge. Und zwinge mich zu lächeln, Mund zu, Augen auf – Achtung: panischer Blick. Atmen wird überwertet und Brüste sowieso. Die werden nämlich ordentlich eingeschnürt. Egal. Lächeln.

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Ob das bezopfte Mädchen wohl auch dann noch lächelt, wenn ihr der Schal übers komplette Gesicht rutscht? Aber hallo! Und der Mund bleibt zu! Als ich mir das Video zu meinem Fallschirmsprungs abends im Hotelzimmer anschaue, kann Gigi im Nebenzimmer mein Lachschreien hören. So blöd kann ein Mensch alleine eigentlich gar nicht aussehen. Aber ganz ähnlich den Vorher-nachher-Shows auf den Privaten: Als sich der Fallschirm nach all den Kaugummisekunden öffnet, fühle ich mich nicht nur wie die Königin der Lüfte, sondern sehe auch wie eine aus. Das checkt auch Andy, der nun mir sein Leben anvertraut und mich das Gefährt kurzerhand steuern lässt. So 10 Sekunden lang. Als wir landen, falle ich ihm um den Hals und lache und tanze. Solange, bis ich registriere, dass ich fix und alle bin.

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Runterkommen, das wäre jetzt was. Nix da, es ist Vormittag und es geht zum zweiten Mal in die Lüfte. Rein in die Cessna und himmelwärts. Wir fliegen über schneebedeckte Berge, monumentale Gletscher, alpine Seen, sich schlängelnde Flüsse und dunkelgrüne Wälder. Das kann man nicht beschreiben, das muss man gesehen haben. Nur soviel: ich lächle wieder, ganz freiwillig, den Mund weit offen.

Wir landen und Julie bittet uns Platz zu nehmen. In ihrem alten Citroën, der bereits auf uns wartet, um uns auf eine neuseeländische Tour Du Vine mitzunehmen. Ich lasse mich auf den weicher als weichen Rücksitz des schicken Flitzers fallen. Säßen jetzt nicht Nina, Matze und Gigi neben mir und wäre Julie nicht diese wunderbare, selbstironische Dame in ihren 50ern, sondern ihr männliches Pendant, dann wäre ich jetzt ein Bond-Girl. Stattdessen bin ich’s, Eure Nadin, kaputt von all den Höhenflügen, rundum glücklich und verdammt hungrig. Jetzt ein Glas Wein und gute Nacht.

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Wir fahren ins Weingut Wild Earth und statt dem einen Glas erwarten uns sechs. Pro Nase. Dazu reicht uns Quintin, der stolze Besitzer des Weinguts, jeweils ein Gericht aus David Harrisons Kochtopf. Der Koch des Hauses lässt nichts Anbrennen. Die Hasenschenkel zum Pinot Noir sind ein Gaumenschmaus, die geräucherte Abalone-Muschel zum Riesling: unschlagbar.

Leicht einen sitzen, aber satt und wieder etwas lebendiger, machen wir uns auf ins nächste Weingut: das Quartz Reef, wo wir „New Zealand’s most Champagne-like Sparkling Wine“ nicht nur probieren dürfen, sondern auch dabei zuschauen, wie er abgefüllt wird. Apropos abgefüllt…

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Weiter geht’s. Zur Pisa Range, auf der uns Jenny Hawker erwartet – eine Dame mit einem so reichen Leben wie das der Erde, in die sie und ihr Mann Warwick 1995 die ersten Weinreben gepflanzt haben. Im diplomatischen Dienst haben die beiden zuvor die Welt gesehen, auf dem Regal neben unserem Tisch steht eine alte Fotografie aus dem Iran. Jenny reicht uns das erste Glas Pinot Noir, während sie von ihrem Leben erzählt. Draußen geht die Sonne hinter den Weinreben unter, Jennys und Warwicks Hund scharwenzelt um den Tisch herum und wir möchten hier sitzen und zuhören und Wein trinken und sitzen und zuhören und Wein trinken.

Aber weil dieser Film ja nicht „Sitzen und zuhören und Wein trinken“ sondern „Was Sie schon immer einmal machen wollten, dabei aber nicht ahnen konnten, dass man das auch alles prima an einem Tag erledigen kann“ heißt, brechen wir auf, als es am schönsten ist. Denn als das letzte Sonnenrot hinter den neuseeländischen Bergen verschwindet, ist es Zeit für unser Date mit Viago, Deacon und Vladislav. Während Viago seinen Sargdeckel zurückschiebt, um seine Mitbewohner auf eine Ampulle Blut zur WG-Sitzung zu bitten, kuscheln wir uns ganz tief in unsere Sessel und Sofas. Das Cinema Paradiso ist nach all den Stationen draußen und drinnen genau der richtige Ort zum Zurücklehnen und Aufwärmen. Bei dampfendem Tee und spritzendem Blut. Herrlich.

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„What we do in the Shadows“ kommt unter dem Dämeltitel „5 Zimmer Küche Bad“ am 30. Oktober in unsere Kinos. Tut mir doch den Gefallen und schaut Euch diese großartige Mockumentary an. Und wenn Civilian Sol danach im Pub um die Ecke ein Konzert geben sollte, empfehle ich Euch, auch da mal reinzuhören. Während der neuseeländische Musiker ohne Schuhe, aber mit Loop Station einen Mix aus Ambient Soul und chilligem Hip Hop präsentiert, mobilisieren wir unsere letzten Energiereserven. Ein ganzes großes Glas Bier lang. Fade out und Ende. Fortsetzung folgt.

Wir danken Tourism New Zealand für die Einladung zu dieser besonderen Reise. Und Singapore Airlines für den angenehmen und komfortablen Flug von Deutschland über Singapur nach Neuseeland und wieder zurück.

#nzmustdo