Auszüge aus einem ganz normalem Chat bei Gayromeo. Und warum ich mir doch keinen Fetisch zulege.


 00:46. Ach, fuck it. Noch mal eingeloggt. Bin müde, leider auch horny. 7 neue Messages Philantrop_90. Eigentlich gar kein Bock auf Menschen gerade. Der Laptop überhitzt auf der Bettdecke. Drunter wird’s auch nicht kühler. Positionswechsel. „Hey“. „Hey“ zurück. „Was geht?“. „Chill‘. Du?“ „Auch“. „Was suchst?“ So geht’s noch 7 Mal bei den wenigen Potenziellen die noch online sind . Dienstag halt. Der Popup-Sound nervt. So klingt doch keine Harfe. Und dieser ausgelutschte Q&A-Chat macht noch schläfriger. Seine angehängten Bilder noch geiler. Charlottenburg, viel zu weit. Fährt doch nichts mehr. Weiter klicken. Die frustrierte Stimme meiner besten Freundin hallt in meinem Kopf: „Ihr habt’s sooo gut, bei euch Schwulen geht das immer so einfach!“ Du hast keine Ahnung wie schwer es ist bei 9 von 10 perversen Anfragen – mit Anhang! – geil zu bleiben.

2:10 Uhr. Inzwischen habe ich das mit dem Sex abgehakt und mir ’ne Schale Müsli geholt. Seite noch mal refreshen. Im Banner Latexmasken für 19,95. „Plop“. „Kuschelsiggi“ fragt ob ich reifere Männer mag. Ganz höflich. Kennt Cher noch mit echtem Deckhaar. Sorry Siggi. Ich scroll‘ weiter. Ein Fetisch. Das wär’s. Klar abgestecker Suchradius. Clubs zum Beitreten. Wunderbar. Sucht man sich aber leider nicht aus. Hat man oder nicht. Aber einfacher wär’s doch. „Plop“. MännchenBerlin schreibt. Kein Profilbild. 32, kaum Angaben. „Darf ich dich etwas fragen?“ Klar, denke ich. Ein Bild wäre aber auch schön. „Ich habe einen besonderen Fetisch.“ Here we go again. Aber wer weiß. Vielleicht ja was für mich. MännchenBerlin möchte ein Foto von meiner ausgestreckten Zunge. Mit weit aufgerissenem Mund. „Per Webcam ginge auch.“ Ich lasse mich ein, auf den Chat mit dem 32 Jährigen. Spannender wird’s heute nicht mehr. „Und dann?“, frage ich. Hardcore-Szenen passieren mein inneres Auge. Man kennt das ja. So crazy jetzt auch nicht. „Plop“. „Damit ich mir vorstellen kann wie ich auf deiner Zunge stehe. Als kleines Männchen. Der Gedanke dass du mich verschluckst. Das macht mich total geil. Bitte. Ich bin ganz normal.“ „Plop“. „Hallo? Noch da??“ Haferflocken landen auf dem Screen. Voll am Müsli verschluckt. Ja ja, hello Irony.

Philanthropie hin oder her.
Das war’s für mich heute. Von Geilheit keine Spur mehr. Einschlafen geht nun aber auch nicht. Irgendwie tut er mir leid. Es wird nie einen Club geben für seine Fantasien. Und wer erbarmt sich ihn digital zu verschlucken? Ist er gern beim Zahnarzt? Offline.  Unbefriedigt aber dankbar gehe ich in die Horizontale. Doch alles ok so. Ohne raren Fetisch. Morgens beim Zähneputzen denke ich an MännchenBerlin.