Ich sitze im Flieger nach San Francisco und kämpfe gegen einen hartnäckigen Jetlag. Die Schlafprobleme kommen diesmal nicht nur vom Zeitunterschied sondern auch von einem Kopf, vollgestopft mit Erinnerungen an die letzten Tage. Und da wenig Zeit war alles zu verarbeiten, fährt mein Unterbewusstsein eben noch einmal alle Stationen ab, sobald ich die Augen schließen möchte und ist viel zu beschäftigt zum Schlafen. Also versuche ich mal ein paar Ereignisse herunter zu schreiben und zu komprimieren:

New York, wir folgten der Einladung von VW und waren bei die der Eröffnung der EXPO 1: New York dabei. Die Ausstellung, die mehr einem Kunst-Festival gleicht, entstand unter Zusammenarbeit der Volkswagen Group of America, dem MoMA (Museum of Modern Art) und dem MoMA PS1 – und widmet sich den ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Umgesetzt wurden die Exponate und Aktionen so vielfältig, dass sich dem komplexen Thema sowohl auf subtile als auch auf extreme Weise durch Module, Interventionen, Soloprojekte und Gruppenausstellungen an verschiedenen Orten der Stadt genähert wurde.

Neben einer Reihe beeindruckender Werke von Künstlern wie Joseph Beuys, Olafur Eliasson, Adrián Villar Rojas, Ansel Adams oder Meg Webster blieb mir besonders ein Werk in Erinnerung: Der Rain Room. Das Londoner Studio Random International realisierte eine digitale Installation, bei der die Interaktion der Zuschauer das experimentelle Projekt animiert. Der Rain Room im MoMA in Manhattan lädt die Besucher zur Untersuchung der Rolle ein, die Wissenschaft, Technologie und menschlicher Erfindungsreichtum spielen, wenn es darum geht, die Umwelt zu kontrollieren.

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Durch den Einsatz von digitaler Technik ist der Rain Room ein choreographierter monumentaler Regenguss. Dabei wird das Gegenteil von „Why does it always rain on me?“ erzeugt: Der Besucher bewegt sich durch einen dunklen kubusartigen Raum, der von einem kleinen Scheinwerfer durchbrochen wird. Von der Decke regnet es in dicken schnellen Tropfen so lange herab, bis man sich direkt ins klare Nass begibt und wird quasi zu einer beweglichen, nicht nass werdenden Schönwetterschneise.

All die Komponenten der Ausstellungen sind verbunden mit einem großen Ganzen, einem Kontext und dem eigentlichen Motivator – der EXPO 1: New York.

Nachdem im Oktober 2012 Hurrikan Sandy die Rockaway-Halbinsel vor Manhattan mit seiner unfassbaren Wucht traf, den Jahrhunderte alten Boardwalk zerstörte, die Infrastruktur und das Leben der Bewohner des größtenteils sozial schwachen, abgelegenen Stadtteil lahm legte, hatten New Yorker das Bedürfnis zu helfen. Dies geht mit Körperkraft und Schaufeln aber auch mit anderen Ressourcen. Das MoMA um Chef-Kurator Klaus Biesenbach wollte mit ihren Mitteln gemeinsam auf das Thema der ökologischen Herausforderung aufmerksam machen und gleichzeitig mit sozialem Engagement die Nachbarschaft wieder zusammen führen.

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Als Teil von EXPO 1: New York installierte das MoMA PS1 im Rahmen der Partnerschaft mit der Volkswagen Group of America den VW Dome 2, eine temporäre geodätische Kuppel in Rockaway Beach. Das gemeinnützige Projekt dient als Kultur-, Bildungs- und Gemeinschaftszentrum. Die Konstruktion in Form einer Buckminster-Fuller-Halbkugel ist als flexibler Raum konzipiert und bietet einen Ort für Vorträge und Gesprächsrunden, wechselnde Kunstausstellungen, Film- und Videovorführungen, Performances sowie Veranstaltungen für die Anwohner der Rockaways. Noch bis 30. Juni kann man den VW Dome 2 in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Strandpromenade, direkt am Atlantik zwischen Beach 94th und Beach 95th Street, besuchen.

Wie wichtig die Unterstützung dieses früher so vergessenen Stadtteils von Long Insland ist, sahen wir mit eigenen Augen, als wir gemeinsam mit einer kleinen Gruppe Journalisten und Bloggern von Klaus Biesenbach nach Rockaway eingeladen wurden. Zwar ist das Ausmaß der Zerstörung nicht zu vergleichen mit dem Schaden in New Orleans nach Hurrikan Katrina oder dem Tsunami in Japan – es geht jedoch auch nicht um einen Vergleich sondern um ein globales Problem, exemplarisch als lebendiger Zeigefinger gehoben von Rockaway Beach bis in die 53. Straße ins MoMA in Manhattan.

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Nachdem sich diese Bilder in mein Hirn einbrannten und man etwas Zeit brauchte, um mental wieder in Manhattan anzukommen, ging es am Abend zuvor auf eine etwas freudigere Veranstaltung: Ein Konzert von The Roots auf einem Rooftop. Ein kleiner Traum wurde wahr!

Da eine Eröffnung dieser Größenordnung natürlich standesgemäß gefeiert wird, veranstaltete das MoMA ähnlich prunkvoll wie vor zwei Jahren zudem eine Gala inklusive Dinner und Promiaufmarsch im weltbekannten Skulpturengarten. Den Blue Carpet beschritten große Namen wie James Franco, Marisa Tomei, Olivia Palermo und während des Gala-Dinners performte Martha Wainwright für die geladenen Gäste.

Um Mitternacht war jedoch die After-Party, typisch amerikanisch, bereits vorbei und ich nutzte die Gelegenheit um mich ins Hotelzimmer zu verkriechen. Schließlich waren die Tage lang, kräftezehrend und meine Augenringe wurden immer größer.

Bevor ich meinen Trip nun in Kalifornien fortsetze, nutzen wir den Moment und danken der Volkswagen Group of America, dem MoMA und all unseren befreundeten mitgereisten Kollegen (Jessie / Journelles, Matthias / Castor & Pollux, Saghar / Highsnobiety, Pieter / Today&Tomorrow, Nike / This Is Jane Wayne, Frede / Freunde von Freunden, Marcus / iGNANT, Karo & Luise / Flair, FromBerlinTo, uvm.) für eine unvergessliche Zeit im Big Apple.

Und jetzt: Off to Frisco and Big Sur!

MEHR

Volkswagen Group of America

Random International

MoMA PS1

MoMA

 

Unsere mitgereisten Kollegen:

Jessie / Journelles

Matthias / Castor & Pollux

Saghar / Highsnobiety

Pieter / Today&Tomorrow

Nike / This Is Jane Wayne

Frede / Freunde von Freunden

Marcus / iGNANT

Karo & Luise / FlairFromBerlinTo