Jason Paul ist einer der besten Freerunner der Welt und wird nicht ohne Grund als Sportler des Jahres bezeichnet. Er ist Pionier seines Sports in Deutschland und verhalf diesem Sport zu schlagartiger Beliebtheit. Jason Paul ist – wenn man so will – ein Held, der durch sein eigenes Videospiel jettet. Freerunning ist sein Sport. Er ist das erwachsene Kind auf einem riesigen urbanen Spielplatz – seinem urbanen Spielplatz.

Extremsportler Deluxe: Keiner bewegt sich so nah an der Grenze wie Jason! Wie er andere motiviert, sich dem eigenen Ich zu stellen, hat er uns im Interview verraten.


i-ref: Hallo Jason. Du trainierst bereits seit 10 Jahren Parcours und Freerunning. Bist nicht nur einer der berühmtesten deutschen Freerunner, sondern gleichzeitig eine Art Symbol dafür, dass sich mit Fleiß, Wille und Selbstbewusstsein alle Träume realisieren lassen. So zumindest sehen dich deine Fans – doch wie siehst du dich?

Jason Paul: An manchen Tagen genau so – und an anderen Tagen wie ein verlorenes Kind im Supermarkt. Ich habe es geschafft, mir meinen eigenen Job zu erfinden und damit um die Welt zu reisen – darauf bin ich stolz. Gleichzeitig gibt es aber auch keinen Status Quo, auf den ich schauen kann, um zu wissen, was als Nächstes kommt.

i-ref: Rennen. Springen. Abrollen. – In schwindelerregender Höhe. In früheren Interviews hast du zugegeben, dass sich Angst bei besonders nervenaufreibenden Geschichten nicht komplett ausschalten ließe. Nun stellt sich die Frage: Was bedeutet Angst für dich heute?

Jason Paul: Klar, Angst ist immer da. Genau wie am ersten Tag. Wichtig ist, dass man selbst der Chef bleibt. Die Angst ist Beifahrer und das ist in Ordnung, solange ich am Steuer sitze.

i-ref: #BeFearless soll zeigen, dass sich Angst kanalisieren lässt. Dass Vertrauen und Willen Grenzen verschieben. Wie war das bei dir? Hattest du auch mal einen Coach, dessen Aufgabe es war, deine Ängste zu vertreiben?

Jason Paul: Freerunning kam aus Frankreich und ich war mit 14 fernab in Frankfurt. Meine Coaches und Helden waren die Franzosen und jede Doku über die Jungs wurde verschlungen. Dabei haben sie auch viel über mentale Stärke geredet. Das war quasi mein Video-Coaching und hat mich motiviert.

 i-ref: Die Teilnehmer des #BeFearless-Trainings begleitest du nun schon seit einiger Zeit dabei, sich ihren Ängsten – allem voran virtuell – zu stellen. Eine VR-Brille gab es zu deiner Zeit noch nicht. Worin siehst du die Vorteile in dieser neuen Form der Angstbewältigung?

Jason Paul: Ich glaube, dass Ängste überwinden eine Fähigkeit ist, die man einmal lernen muss. Danach kann man sie auf alle anderen Situationen übertragen. VR ist real genug, um echte Angstgefühle zu geben, aber man fühlt sich immer sicher. In dieser Balance zu arbeiten und in einer Angstsituation entspannt zu bleiben, kann damit trainiert werden. Dazu wird per Smartwatch der Puls gemessen und gibt den Anreiz, jedes Mal seinen alten Score zu unterbieten.

i-ref: Nicht jeder hat eine VR-Brille. Nicht jeder ein professionelles Training. Was ist dein Rat an all jene da draußen, die unter Angstzuständen leiden?

Jason Paul: Angstüberwindung ist nicht eine Mauer, die man einmal mit Gewalt durchbrechen kann. Es ist mehr ein Muskel, der jeden Tag trainiert werden muss! Einfach mit einem kleinen Gewicht anfangen und jeden Tag etwas machen, vor dem man vielleicht nur ein bisschen Angst hat.

i-ref: Ob schwindelerregend hoch oder kommunizieren im öffentlichen Raum – Angst hat viele Formen. Hat man eine Mauer durchbrochen, fällt es leichter, künftige Hürden selbstbewusster zu passieren. Welche Rolle spielt Selbstbewusstsein in deinem täglichen Lifestyle?

Jason Paul: Selbstbewusstsein ist für uns alle ein Schlüssel um glücklich zu sein. Viele denken bei Selbstbewusstsein natürlich an den Typen, der mitten im Raum steht und alle mit seinen Geschichten in den Bann zieht. Das ist cool, aber nicht die einzige Art selbstbewusst zu sein! Genauso wichtig ist, sich ehrlich zu denken „Hey, ich weiß ich bin geil, aber heute geht’s mal nicht um mich und ich genieße es, nur zuzuhören“.

i-ref: Zu guter Letzt, Jason. Mag sein, dass du dich aufhältst, wo andere nur das Zittern bekommen. Du hast deine Höhenangst zumindest überwunden? Es macht dich dennoch nicht frei von Angst. Also Hand aufs Herz, wann hast du dir das letzte Mal richtig in die Hosen gemacht?

Jason Paul: Am schlimmsten ist es bei mir tatsächlich, wenn es darum geht, das hübsche Mädchen in der Bahn anzusprechen.