Jeder kennt die Situation. Man befindet sich in einer dieser unerträglichen Diskussionen über ein Thema, das man eigentlich gar nicht diskutieren will, weil man den eigenen Standpunkt als selbstverständlich erachtet. Aber dann wird man überschüttet mit Wortkotze und plötzlich weiß man gar nicht mehr so recht, was man sagen soll und das selbstgerechte Gegenüber fühlt sich als Diskussionsgewinner. Aus aktuellem Anlass, hier einige argumentative Waffen für die nächste leidige Diskussion: die TOP 5 Argumente sogenannter „Asylkritiker“ und wie man sie auseinander nehmen kann.

#1 „Deutschland kann nicht jeden aufnehmen!“

Soll es auch nicht, tut es auch nicht, nicht mal ansatzweise. Es gibt derzeit weltweit über 50 Millionen registrierte Refugees, die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher. In Deutschland wurden 2014 173.000 Asylsuchende registriert. Das sind gerade mal 0,3% der Refugees weltweit. Es geht auch nicht darum, den Strom der Geflüchteten zu bekämpfen, sondern die Fluchtursachen. Deutschland trägt mit Waffenexporten und der Unterstützung unfairer Handelsbeziehungen mit dazu bei, dass viele Menschen überhaupt erst aus ihren Heimatländern fliehen müssen. Als reiche Industrienation, die von unfairen Wirtschaftsbeziehungen profitiert, sollten wir die Aufnahme von Refugees doch vielleicht eher als mitmenschliche Pflicht empfinden. Belege zu den genannten Zahlen, sowie weitere Informationen findest du hier.


#2 „Deutschland trägt die Hauptlast der aufgenommenen Refugees!“

Ganz falsch. Die meisten Refugees werden von ihren unmittelbaren Nachbarländern aufgenommen. Da die meisten Refugees derzeit aus Syrien, Afghanistan und Somalia kommen, sind das Pakistan, der Libanon und der Iran. In der Liste der 15 wichtigsten Aufnahmeländer, bezogen auf die Bevölkerungsgröße, taucht Deutschland nicht einmal auf. Auf Platz eins liegt der Libanon mit 25,7%, Schweden steht mit 1,2% als einziges EU-Land auf Platz 10. Belege zu den genannten Zahlen, sowie weitere Informationen findest du hier.


#3 „Das Asylrecht wird von Wirtschaftsflüchtlingen missbraucht!“

Dieses Argument beruht oft auf alteingesessenen Vorurteilen gegenüber Roma, früher gerne als „Zigeuner“ bezeichnet. Die Asylverfahren von Refugees aus Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien werden in Deutschland in weniger als einem Prozent der Fälle anerkannt, da ihre Herkunftsländer im vergangenen Jahr zu sogenannten „sicheren Herkunftsländern“ erklärt wurden. Ablehnungen und Abschiebungen sind nach dieser Neudefinition deutlich leichter. Die meisten Refugees sind in diesen Fällen Roma, die in ihren Herkunftsländern mit Rassismus, Gewalt und lebensbedrohlicher Existenznot konfrontiert sind. In anderen EU-Ländern wie Frankreich, Italien oder Österreich wird dies oft auch so bewertet und die Geflüchteten erhalten oftmals einen anderen Schutzstatus. Die pauschale Diffamierung ist also Blödsinn.


#4 „Asylsuchenden wird hier doch alles hinterhergeschmissen!“

Wer nach Deutschland kommt, bekommt keinen Bausparvertrag und ein eigenes Auto, um sich schon mal an die Mentalität zu gewöhnen. Im Gegenteil. Refugees dürfen ihren Wohnort nicht frei wählen, dürfen sich zunächst nicht frei im Land bewegen und müssen oft jahrelang in Massenunterkünften leben, die wiederum oft in Randgebieten liegen. Asylsuchende unterliegen zudem zu Beginn ihres Aufenthalts Arbeitsverboten und später vielen Beschränkungen bei der Jobsuche. Dass ein Leben ohne Job, ohne echte Privatsphäre und ohne jedwede Form von Planungssicherheit kein privilegiertes ist, sollte sich eigentlich von selbst verstehen.


#5 „Die Asylsuchenden sind schuld, dass es mir schlecht geht!“

Jeder kennt das. Da wird einem endlich der Traumjob angeboten und dann kommt so ein Ahmed und schnappt ihn einem unter der Nase weg. Und auf dem Weg zur Tür spannt er einem noch die blonde Frau aus. Im Ernst: Niemand ist gerne Refugee und die Menschen, die aus ihren Heimatländern fliehen müssen, leiden am meisten unter ihrer Situation. Darüber hinaus lassen sich keine Zusammenhänge zwischen Armut, sozialer Ungerechtigkeit oder Arbeitslosigkeitszahlen eines Landes in Relation zur Zahl der Asylanträge feststellen. Gerne wird auch das Argument angeführt, dass Einwanderer dem Land „nichts bringen“. Grundsätzlich ist eine solche Diskussion von vornherein menschenunwürdig. Doch selbst wenn man sich darauf einlässt, Menschen nach ihrem finanziellen Nutzen für die Gesellschaft zu bewerten, muss man keine Angst haben. Deutschland profitiert seit jeher von Einwanderung, da die Einwanderer im Durchschnitt gut ausgebildet sind, diese Ausbildung aber nicht vom deutschen Staat bezahlt werden musste. Sie zahlen jedoch Steuern und Sozialabgaben. Mehr Informationen findest du hier.

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