Der mexikanische Drogenkrieg ist einer der brutalsten und anhaltendsten Konflikte des Weltgeschehens. Nicht verwunderlich also, dass sich in den letzten Jahren unzählige Filme und Dokumentationen mit der Thematik auseinander setzen. Der Filmemacher Matthew Heinemann hat sich für „Cartel Land“ in’s Herz des brutalen Krieges begeben.

Darum geht’s

Die Drogenkartelle in Mexiko überziehen das Land mit Mord und Terror. Die Politik ist schon lange Teil der milliardenschweren Geschäfte und paktiert mit den mächtigen Bossen. Doch der Widerstand aus der Bevölkerung wächst: Im Südwesten Mexikos greifen die Menschen zu den Waffen und gehen gewaltsam gegen den Einfluss der Kartelle vor. Anführer der „Autodefensas“ – wie sie sich nennen – ist der angesehene Arzt José „El Doctor“ Mireles. Eine Stadt nach der anderen befreit er zusammen mit seinen Männern aus der Gewalt der Clans.

Zur gleichen Zeit formiert sich im US-Staat Arizona eine weitere Bürgerwehrbewegung. Der Ex-Soldat Tim „Nailer“ Foley und seine paramilitärische Gruppe patrouillieren schwerbewaffnet an der mexikanischen Grenze. Auch sie haben das Vertrauen in ihren Staat verloren und jagen auf eigene Faust nach Drogenschmugglern.

Was ich selbst erlebt habe

Obwohl mich meine viermonatige Reise durch Mexiko nie in das Kerngebiet der Kartelle im Norden des Landes geführt hat und gerade in den tourismusstarken Regionen versucht wird, das Thema auszublenden, ist der Krieg gegen oder vielmehr um die Drogen stets präsent. In den großen Städten und entlang der wichtigen Highways zeigen Polizei und Militär mit Kontrollpunkten und Straßensperren demonstrativ Stärke, Überlandbusse sind oftmals mit bewaffnetem Personal unterwegs und die Zeitungen, die in der Darstellung von Gewalt nicht gerade zimperlich agieren, sind voll von grausigen Bildern verstümmelter Leichen, blutgetränkter Straßen und verschwundener Menschen. Am eindringlichsten äußert sich der Schatten, den der Drogenkrieg über Mexiko legt, aber in der Warnung: Lasse dich niemals mit den Geschäften der Kartelle ein! Zu groß ist die Gefahr, als Unschuldiger in einen Krieg zu geraten, in dem ein Menschenleben nichts zählt.

Nun sollte man meinen, die Rollen von Gut und Böse seien in diesem Krieg eindeutig verteilt. Auf der einen Seite stehen die „Narcos“, also all die Kuriere, Dealer, Auftragskiller und Bosse, die das Geschäft der Kartelle tragen und mit grausamen, öffentlichkeitswirksam inszenierten Verbrechen konkurrierende Syndikate, den Staat und nicht zuletzt die Bevölkerung  in Angst und Schrecken zu versetzen versuchen. Auf der anderen Seite die staatliche Exekutive und die Autodefensas, die sich mit dem Willen zur Gerechtigkeit den marodierenden Verbrechern entgegen stellen.

Der Konflikt aber, mit dem man es in Mexiko zu tun hat, ist viel zu komplex, um Schwarz-Weiß zu malen. Denn trotz ihrer extremen Brutalität genießen die „Narcos“ vor allem in verarmten, ländlichen Gegenden einen fast schon folkloristischen Heiligenstatus, den die Kartelle intensiv kultivieren, indem sie Straßen, Schulen und Krankenhäuser bauen, den Bauern zu günstigen Konditionen Kredite gewähren und den perspektivlosen Jugendlichen der Dörfer die Aussicht auf Wohlstand und Reichtum eröffnen.

Daneben darf man nicht vergessen, dass das Geschäft mit den Drogen jährlich etwa 50 Milliarden Dollar Umsatz in die Kassen der Kartelle spült. Dieses Geld reicht nicht nur aus, sich bis an die Zähne zu bewaffnen und schlagkräftige paramilitärische Einheiten zu finanzieren, sondern auch, um Politiker und Polizisten zu korrumpieren. Aus dem Bewusstsein, dass das politische System bis hin zum Präsidenten unterwandert und mit Drogengeld geschmiert ist, bildeten sich auch jene Autodefensas heraus, eine Organisationsform, die geradezu typisch für Mexiko ist: Bürger machen sich den wirklich anarchischen Umgang mit Waffen zunutze, um sich selbst zu bewaffnen und das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen, werden dabei von Polizei und Militär geduldet und verlieren sich bald in Machtmissbrauch, Selbstermächtigungsfantasien und Korruption. Der Teufelskreis ist wieder geschlossen.

Das kann die Doku

Der Regisseur Matthew Heinemann erhielt beim diesjährigen Sundance Film Festival 2015 den Preis für die beste Regie und die beste Kamera bei einem U.S. Dokumentarfilm. Sein Versuch, die Geschichte des Drogenkrieges von innen heraus zu erzählen, geht voll auf: Anders als viele Dokumentationen, die aus einer sehr auf die USA zentrierten Perspektive auf die Thematik blicken, krankt „Cartel Land“ nicht an dieser Einseitigkeit, sondern macht in großartiger Manier die Auflösung der Grenze zwischen Gut und Böse sowie die moralische Ambiguität, die tief in diesem Krieg verwurzelt ist, nachvollziehbar. Dabei gehen Matthew Heinemann und sein kleines Team auf’s Ganze, wenn sie plötzlich mitten im Feuergefecht filmen oder irgendwo in der Wüste Methküchen beleuchten. Am Ende ist die Doku fast ein wenig pessimistisch, wenn sich der große Wunsch nach Recht und Gesetz, wie er in den Autodefensas und ihrem amerikanischen Pendant Ausdruck findet, wiederum vom Teufelskreis des Verbrechens geschluckt wird.

Verlosung

Zum offiziellen VoD-Start am 6. Oktober, habt ihr die Chance, “Cartel Land” in voller Länge zu sehen. Wir verlosen drei Download-Codes für das Portal wuaki.tv, mit denen ihr euch den Film dann ganz einfach herunterladen könnt. Wie ihr teilnehmen könnt, erfahrt ihr im Kasten unten.

 

Alle Fotos © DCM

Gewinnspiel

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Einsendeschluss ist Montag, der 5. Oktober um 12 Uhr. Der Gewinner wird im Anschluss von uns benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

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Ab 6. Oktober auf VoD verfügbar

Ab 30. Oktober auf DVD erhältlich