#Aufreger.001

Bildschirmfoto 2014-12-23 um 15.09.11

Es könnte gut sein, dass #Aufreger mein Lieblingsspecial hier auf i-ref wird. Wenn ich etwas richtig gut kann dann ist es, mich aufzuregen. Nicht selten völlig grundlos, aber immer energisch. Das mag daran liegen, dass ich nicht besonders gut darin bin, mich in Geduld zu üben und stattdessen dazu neige, ziemlich impulsiv auf Situationen zu reagieren, die mir widerstreben. Die Schwelle liegt da wirklich erstaunlich niedrig. Meine Freundin prophezeit, dass mich mein Gram irgendwann einmal das Leben kosten wird, aber ich finde, dass so ein ordentlicher #Aufreger stets sehr wohltuend, ja fast reinigend ist. In diesem Sinne: Wut tut gut!

Balken_dünn

Ich vertrete die in vielen Feldstudien erprobte Theorie, dass der moderne Mensch verlernt hat, sich in Situationen, in denen viele seiner Artgenossen auf begrenztem Raum zusammen kommen, angebracht zu verhalten. Gerade in Städten sind die Phänomene, von denen ich gleich sprechen werde, so verbreitet, dass sich meine Theorie beinahe täglich bestätigt. In der Gruppe ist der Mensch ein blindes, kopfloses Huhn! Eigentlich komisch, sollte man doch meinen, dass gerade Leute, die an Orten mit einem hohen Menschenaufkommen leben, mit derartigen Situationen schon rein aus Gewohnheit souverän umzugehen wissen. Aber für ein paar Augenblicke scheint dann der Verstand auszuschalten.

Balken_dünn

1. Situation: Ich bin spät dran, hetze aus der U-Bahn, eile auf die Rolltreppe zu, nehme zwei Stufen auf einmal und plötzlich sind sie da: Jene unzertrennlichen FreundInnen, die es auf keinen Fall ertragen können, auch nur für die kurze Strecke an die Oberfläche nicht nebeneinander zu stehen, sondern unbeirrbar auch die linke Seite, sozusagen die Überholspur der Rolltreppe, besetzen. Meist angeregt und laut ins Gespräch vertieft, verpufft auch ein noch freundlich gemeinter Hinweis meist wirkungslos. Wird man dann aber ein wenig lauter und gestisch ausschweifender, rollt unser Zwillingspaar mit den Augen und tritt gnädigerweise zur Seite. Wenn man Glück hat.

Balken_dünn

2. Situation: Abermals im U-Bahnhof: Zur Peak Time herrscht dichtes Gedränge auf dem Bahnsteig. Die U-Bahn fährt ein und alle strömen als wäre dies die letzte Bahn, die jemals über die Schienen eines deutschen U-Bahnnetzes rollt, in die Waggons. Leider befinden sich darunter aber Immer auch ein paar, die der festen Überzeugung sind, dass direkt vor den Türen der beste Ort ist, stehen zu bleiben. Ich, der ich mich seltsamerweise stets unter den Nachfolgenden befinde, muss mich also entweder so dünn machen wie nur irgend möglich oder ohne Rücksicht auf Verlust mit Händen, Füßen und Ellenbogen arbeiten, um noch einen der begehrten Gangplätze zu ergattern, was sich bei meiner Statur als eher aussichtsloses Unterfangen darstellt. Hat man Zeit, bleibt man lieber draußen. Die nächste U-Bahn kommt bestimmt.

Der umgekehrte Fall hat ebenfalls mit den Vor-den-Türen-stehen-Bleibern zu tun. Wieder ist der Bahnsteig voll, wieder ist Platz Mangelware. Diesmal will man aber raus. Da ist es ja eigentlich logisch, dass diejenigen, die draußen warten, einen Schritt zur Seite treten, um aussteigen zu lassen. Einige sehen das offenbar nicht so und bauen sich, unüberwindbarer als mancher Türsteher, mitten vor den sich öffnenden Türen auf. Als Lösung für dieses Problem empfehle ich dieselben Methoden wie oben.

Balken_dünn

3. Situation: Gerade zur Mittagessen-Zeit bilden sich vor den Essensausgaben der Mensa schwindelerregende Schlangen. Und weil der Zufall ein rechter Witzbold ist, stehe ich in neun von zehn Fällen hinter einer Person, die erst dann damit beginnt, sich für ein Gericht zu entscheiden, wenn die Dame hinter der Theke mürrisch nachfragt, was man denn wolle. „Hmm, das Gulasch mit Kartoffelbrei macht mich ja schon an, aber eigentlich hab ich mir doch vorgenommen, weniger Fleisch zu essen. Was gibt es denn als vegetarisches Gericht? Ach, Blumenkohl mag ich doch nicht so. Haben Sie auch noch was anderes? Ja, ich weiß jetzt auch nicht. Vielleicht nehm‘ ich dann einfach einen Salat.“ Es ist ein Jammer!

Balken_dünn

4. Situation: Dieses Phänomen kommt in so ziemlich allen Situationen vor, in denen sich viele Menschen in ein und dieselbe Richtung bewegen und der Handlungsradius jedes einzelnen kleiner ist als der Wendekreis eines Dackels. Da gibt es diese Leute, die so unvermittelt und abrupt in der Bewegung erstarren, als hätte sie der Blitz getroffen. Crashs sind hier nur durch halsbrecherische Ausweichmanöver zu vermeiden, gerade wenn man selbst gut im Flow ist. Die Stehenbleiber drehen sich dann meistens ein paar Mal um sich selbst, blicken sich hilflos um, kramen in den Taschen oder starren irgendetwas an, bevor sie ihren unheilvollen Weg fortsetzen.

Balken_dünn

Geht’s nur mir so? Fallen euch noch andere Situationen ein? Dann schreibt sie gerne in die Kommentare.

Foto: Courtesy Michael Wolf

#irefAUFREGER
Unter #irefAUFREGER wird sich ausgekotzt. Hier ist Platz, um alles was nervt, einfach mal runterzuschreiben und sich Luft zu machen.