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Können wir mal bitte kurz über dieses 50 Shades of Grey Ding reden? Am Donnerstag kam ja nun endlich der Film raus. Endlich, weil dann hoffentlich bald der ganze unreflektierte Hype um einen – wie ich finde – gefährlichen Film bald vorbei ist. Ja, Jamie Dornan ist heiß. Und ja, auch ich habe das Buch gelesen. Als ich es damals im Handschuhfach meines Campervans in Australien fand, war ich neugierig. Neugierig, was es mit diesem Buch auf sich hat.

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Es ist ja eine Sache, dass es mir völlig unverständlich ist, dass Menschen eine Buchreihe geradezu verschlingen und lobpreisen, die so schlecht geschrieben ist, dass selbst mir als Liebhaberin von Trashfernsehen und Groschenromanen die Galle hochkommt. Twilight Fanfiction, gespickt mit dem Wortschatz einer Vierzehnjährigen und einer Darstellung einer der Realität völlig fernen BDSM Szene. Das Ding wird ein Bestseller und „Guilty Pleasure“ von Millionen Hausfrauen weltweit. Dafür gibt es natürlich Gründe. Gründe, die ich hier aber gar nicht besprechen will. Und jeder mit einem gewissen Grad an Lebenserfahrung und gesunder Einstellung zu Sex, kann von mir aus so viele Bücher dieser Art lesen, wie er möchte.

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Was mir aber beim Lesen übel aufgestoßen ist, ist die unterschwellige Message, die das Buch jungen Frauen und Mädchen vermittelt und da werde sogar ich plötzlich zur Feministin. In dieser Buchreihe wird suggeriert, dass es sich bei Christian Grey und Anastasia Steele um eine normale, gesunde Beziehung handelt. Dass ein Mädchen es sich bloß eine Weile gefallen lassen muss, geschlagen und erpresst zu werden. Psychischen Druck auszuhalten. Für Verhalten bestraft zu werden. Dass es sich für die große Liebe lohnt. Denn der reiche gut aussehende Mann liebt sie ja. Die unendliche Wirkung eines Bad Boys? Denn am Ende wird ja alles gut. One happy Family. Nur, dass das im echten Leben in den seltensten Fällen ein Happy End hat, wie in dieser Triologie.

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Wie viele junge Frauen sind einem Mann verfallen, der obsessiv ist, oder missbrauchend, ein Stalker, eifersüchtig auf Alles und Jeden, der ihre Aufmerksamkeit von ihm ablenkt? Wie viele Geschichten gibt es von Frauen die geschlagen, terrorisiert oder misshandelt wurden von Männern, die ganz wie Grey vor ihnen auf die Knie fallen und schwören sie zu lieben? Die einfach aus dieser Lage nicht heraus finden, weil sie im Glauben sind, diesen Mann ändern zu können?Partner_Balken_dünn

Erst am Sonntag berichtet Aktivistin Brooke Axtell bei den 2015 Grammy Awards in einer bewegenden Rede von ihrer persönlichen Geschichte:

„I believed he was lashing out because he was in pain, and needed help. I believed my compassion could restore him and our relationship. My empathy was used against me. I was terrified of him and ashamed I was in this position.“

Muss man ein Buch und den danach entstandenen Film so unreflektiert abfeiern, die eine so gefährliche, unterschwellige Botschaft in einem vermeidlichen Chick Flick tarnt? Eine Geschichte bei der ein unschuldiges junges Mädchen, wegen eines falschen Wortes mit einem Gürtel von einem Kontrollfreak grün und blau geschlagen wird und ihn anschließend heiratet und Kinder in die Welt setzt?

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Und dann kommt sie um die Ecke. Queen B. Eine Frau, die junge Mädchen weltweit anhimmeln, sie als Vorbild sehen, für ihre Stärke und ihre Einstellung zu Sexualität. Die ihre Stimme erhebt für die Unabhängigkeit der Frauen, Fotos von sich als Rosie de Riveter postet und sich an Initiativen, wie #BanBossy  beteiligt. Beyoncé ist der Boss und sie ist brilliant. Nirgendwo auf ihrem Album hört man sie sagen: „Mädchen, finde deinen Wert durch die Aufmerksamkeit eines gewalttätigen Mannes“.

Und diese Frau steuert einen Soundtrack für den oben genannten Film bei. Mir ist vollkommen klar, dass Beyoncé eine knallharte Geschäftsfrau ist. Sie ist berechnend, ihr ist bewusst was sie tut und mit welchen Brands sie sich identifizieren lässt. Was die Zusammenarbeit mit „50 Shades of Grey“ nur noch verwunderlicher macht. „Crazy in Love“? Seriously? Sieht noch jemand die Doppelmoral?

Für mich lässt das das Bild auf die selbst-ernannte Feministin deutlich trüben und setzt sie und ihre Arbeit für immer in Verbindung mit einer Geschichte, die Gewalt und psychischen, wie physischen Missbrauch romantisiert und glorifiziert und noch dazu unheimlich beschissen geschrieben ist.

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Independent Women Part I von
Destiny’s Child auf tape.tv.

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