Nachdem wir in Teil 1 schon von unserer Ankunft und den ersten drei Tagen auf Kreta berichteten, folgt nun der zweite Teil unserer Erzählung:

Mittlerweile war also schon Dienstag geworden, ein Tag der gleichbedeutend mit unserer Abreise aus dem behaglichen Komfort des Amirandes Hotels war. Dessen gewahr, bedienten wir uns noch ein letztes Mal vom reichlich gedeckten Buffet, packten unsere Siebensachen ein und ließen die Füße noch einmal in den Pool baumeln. Die Erkundung Kretas aber sollte ja weitergehen.


Unser nächstes Ziel Sisi lag in etwa 30 Autominuten von Gouves entfernt an der felsigen Küste zum kretischen Meer. Vor der touristischen Nutzbarmachung und der Erschließung des Gebietes östlich von Heraklion, war Sisi ein winziges Fischerdörfchen gewesen, das sich ruhig an den Fels der Küste schmiegte. Nun ähnelt das Dorfbild, dem der Örtchen, die wir schon auf der Herfahrt passiert hatten: Unzählige Tavernen, die augenscheinlich gehörige Preisabsprachen betreiben, scharen sich um den Hafen, einige Souvenir- und „Traditional Cretian Products“-Shops locken die spendablen Besucher, Auto-, Quad-, und Rollervermietungen ergänzen das Bild. Entfernt man sich etwas vom Ortskern, steigt die Anzahl an Hotels, Pensionen und Fremdenzimmern sprunghaft an.

Wir hingegen entschieden uns für die ursprünglichste Variante zu nächtigen. Das an einem sanft zum Meer hin abfallenden Hang, etwas außerhalb von Sisi gelegene „Sisi Camping“ empfing uns mit einem schattigen Pinienwäldchen, einem großzügig angelegten Pool, unschlagbaren Preisen und einem wundervoll unverstellten Blick auf den sich zum Horizont erstreckenden Ozean. Nachdem wir unser Nachtlager zurecht gemacht hatten, beschlossen wir, die Umgebung etwas eingehender zu erkunden. Wir wollen nicht spießig klingen, aber während unseres Spaziergangs fiel uns eine Unart auf, die wir auf Kreta schon öfters beobachten konnten: Müll, Bauschutt oder vor sich hin rostende Metallteile werden nur zu gerne auf Brachflächen oder vergessen in der Landschaft stehenden Rohbauten entsorgt und der Natur überlassen. Dafür entschädigte uns aber die Aussicht über die nördliche Küste der Insel, die vom Licht der untergehenden Sonne wunderschön orange eingefärbt wurde.

Etwas abseits der touristischen Hauptverkehrswege, fanden wir in Sisi ein kleines Restaurant, das neben griechischen Spezialitäten wie Lammkeule und Souvlaki auch frischen Fisch anbot. Berieselt von folkloristischer Musik, umworben von einer Schar von Katzen und mit dem scharfen Geschmack von Ouzo in der Kehle ging dieser Abend zu Ende.

Beflügelt vom juvenilen Unternehmungsgeist stand am nächsten Tag etwas auf dem Programm, was eigentlich von vornherein unumgänglich gewesen war: die Fahrt mit dem Motorroller. Für 20 Euro mieteten wir uns bei einem langhaarigen Griechen ein vertrauenserweckendes Gefährt für einen Tag und düsten von Sisi aus los. Eigentlich hatten wir uns selbst eine ungefähre Route vorgegeben, die wir aber spätestens an der nächsten Weggabelung über den Haufen warfen und uns stattdessen lieber treiben ließen. Kein so schlechter Plan, denn wenig später fanden wir uns in einem bezaubernden traditionell kretischen Dorf mit engen Gässchen, Olivenbäumen und blühenden Fliedersträuchern am Straßenrand wieder. Nach einem Abstecher ins nahegelegene Dorf Milatos holten wir uns an einem winzigen Strand die nötige Erfrischung, bevor wir über holprige Straßen den Rückweg nach Sisi antraten.

Kleines Abendessen mit Tzaziki, Brot und Feta in der milden Luft des Abends und dann ging es schon wieder ans Packen, denn unseren letzten Tag auf Kreta planten wir, in Heraklion zu verbringen. Früh aufgestanden, unser Gepäck auf dem Rücken, liefen wir zur örtlichen Bushaltestelle, um von dort aus in die größte Stadt der Insel gebracht zu werden. Vorher hatten wir uns noch die Bestätigung von Kostas, dem Inhaber des Campingplatzes eingeholt, dass dieser Bus auch sicher kommt. So sicher waren wir uns da nämlich nicht.

Doch siehe da, fast pünktlich (mit ca. 20-minütiger Verspätung) traf der Bus ein, nahm uns und unser Gepäck auf uns spülte uns eine Stunde später in Heraklion wieder aus. Wir hatten uns fest vorgenommen, den letzten Tag noch einmal in vollen Zügen zu genießen, weswegen wir auch noch so viel wie möglich sehen wollten. Unser Weg führte uns also durch die wirklich sympathische Altstadt zum Venezianischen Hafen, wo eine gemauerte Feste aus dem 16. Jahrhundert die Hafeneinfahrt ziert. Sehenswert ist darüber hinaus noch die Loggia, die ebenfalls aus der Zeit der Venezianischen Herrschaft stammt und das Archäologische Museum, das zahlreiche Reliefs und Skulpturen aus den Epochen römischer und hellenistischer Kultur versammelt.

Nach einem letzen mediterranen Essen und einem Streifzug über den lebendigen Markt, ging unsere Zeit in Heraklion schon wieder zu Ende. Der trübselige Weg zum Flughafen, der Check-In, der unwirkliche Moment, in dem man feststellt, dass man in wenigen Minuten wieder hoch in der Luft stehen wird, der Aufruf zum Boarding. Alles fast wie bei unsere Abreise. Nur eines hatte sich verändert: Wir blickten nun in die sonnengebräunten, erholten Gesichter unserer Mitreisenden und waren selbst um einige wundervolle Erfahrungen reicher.


Kooperation

2NIGHTS ist eine Kooperation zwischen i-ref Magazin und easyJet. Europas Flugnetz Nummer 1 unterstützt seit April 2012 als exklusiver Partner das neue Reiseformat der Berliner Kulturredaktion. Der orangefarbene Günstigflieger fliegt auf mehr als 600 Strecken zwischen 129 Flughäfen in 29 Ländern. Ab Berlin hebt easyJet zu 37 Zielen ab. Unter dem Titel 2NIGHTS gehen die i-ref Autoren auf Erkundungstour und berichten aus 20 Regionen über die kulturelle Vielfalt Europas. Das Besondere: Jeder Trip dauert nicht länger als drei Tage und zwei Nächte. Ziel ist es, den Lesern zu zeigen, wie einfach es sein kann, sich eine kleine Auszeit zu gönnen und darüber hinaus Europa aus nächster Nähe zu entdecken.