Ein Erfahrungbericht von Thomas Aichner, Mitglied der Bergrettung Meran:

Es ist 08.15 Uhr und wie jeden Morgen schalte ich den PC ein. Nur heute lege ich neben mein Smartphone ein altmodisch wirkendes Funkgerät auf meinen Schreibtisch.
Heute ist nämlich Bereitschaftstag. Statt schwarzer Lackschuhe trage ich Bergstiefel und anstatt dem üblichen Sakko eine rote Fleece Jacke mit der Aufschrift Soccorso Alpino Merano – Bergrettung Meran.
Südtirol und das Meraner Land vermarkten sich seit jeher als alpine Wanderdestination und unsere Bergwelt wird von insgesamt fast 20.000 Kilometern Wegen und Steigen durchzogen. Da passiert natürlich auch der eine oder andere Wander- bzw. Kletterunfalls und dann muss irgendjemand schnell zur Stelle sein. Eben die Bergrettung. Wir Bergretter sind eine Mannschaft von Freiwilligen, die ein intensives Ausbildungsprogramm hinter sich haben: Klettern, erste Hilfe, Arbeiten mit dem Hubschrauber, Notfallseelsorge und vieles mehr steht auf dem Ausbildungsprogramm. Täglich ist ein Bergretter in Bereitschaft und rückt sofort aus, wenn ein Notruf bei der Südtiroler Landesnotrufzentrale 118 eingeht. Heute erledige ich nur interne Arbeiten und es stehen keine Termine auf dem Programm. Eigentlich ein entspannter Tag. Doch um 14.30 Uhr ertönt ein schrilles Signal aus dem Funkgeräte gefolgt von einer Durchsage aus der Zentrale: Einsatz für die Bergrettung Meran.

Frau am Hochgangjoch abgestürzt. Sofort antworte ich dem Disponenten und wir einigen uns auf eine Rettung mit dem Hubschrauber weil das Hochgangjoch in 2.500m Höhe liegt. Mit Blaulicht fahre ich mit unserem Mannschaftsjeep zum Krankenhaus Meran, wo kurze Zeit später ein knallgelber Hubschrauber landet, der Pelikan 1 – einer von drei Rettungshubschraubern in Südtirol. Der Pilot nickt mir durch die Frontscheibe zu und ich steige in die Maschine ein. Der Flug zum Hochgangjoch dauert sieben Minuten und in dieser Zeit bereite ich mich zusammen mit dem Notarzt auf den Einsatz vor. Wir bergen die Frau mit einer Seilwinde und versorgen sie dann auf dem Hinflug ins Krankenhaus. Kurze Zeit später sitze ich wieder vor meinem PC. Der Adrenalinspiegel ist noch hoch und ich hole erstmal einen Kaffee.