Was haben der Eiffelturm in Paris, das Brandenburger Tor in Berlin und der schiefe Turm von Pisa gemeinsam? Nun, Tag für Tag scharen sich Abertausende Menschen mit gezückter Kamera um diese Orte und fotografieren, als hätten sie gerade eine legendäre, verschollene Stätte der Menschheit entdeckt, die es für alle Zeit zu dokumentieren gilt.

Was aber, wenn sich die Kamera querstellt, den Dienst verweigert und meldet: „Such dir ein anderes Motiv, du fantasieloser Wiederkäuer!“? Philipp Schmitt, Student der Interaktionsgestaltung in Schwäbisch-Gmünd, hat eine Kamera entwickelt, die genau dies tut. Die Camera Restricta ist ein „ungehorsames Werkzeug für einzigartige Fotos“.

Camera Restricta from Philipp Schmitt on Vimeo.

Wie das funktionieren soll? In das Gehäuse, das übrigens vollständig aus dem 3D-Drucker stammt, ist ein Smartphone eingelassen, das die GPS-Position des Fotografen ständig an eine Web-App übermittelt, welche die Fotoplattformen Flickr und Panoramio mithilfe der Geodaten laufend nach Bildern durchsucht, die am entsprechenden Ort aufgenommen wurden. Gibt es davon schon genug, verabschiedet sich der Auslöser ins Gehäuse und kann nicht mehr betätigt werden.

Da aber vermutlich niemand freiwillig ein Gerät kaufen würde, das derart radikal die „künstlerische“ Freiheit einschränkt, versteht Schmitt die Camera Restricta als reines Kunstprojekt, das einerseits zum Nachdenken anregen soll, warum man etwas fotografiert und andererseits das Bewusstsein schärfen soll für den Umstand, dass es ein leichtes wäre, mithilfe derselben Technik, die Panoramafreiheit im öffentlichen Raum zu zensieren.

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