Im heutigen digitalen Zeitalter werden wir tagtäglich Bildern von Gewalt, Zerstörung und Tod ausgesetzt. Spätestens seit den Anschlägen in Paris, ist der Terror auch in unserer sonst so heilen Welt angekommen. Nachrichten über den IS und Gerüchte über geplante Anschläge in Deutschland. In Berlin. Am Alexanderplatz. Ein Ort, den ich tagtäglich auf dem Weg in die Arbeit passiere. Und bereits jetzt merke ich, wie sich mein Umfeld verändert. Freunde und Bekannte sagen geplante Urlaube ab, haben Angst auf Großveranstaltungen zu gehen, verschanzen sich nahezu in ihrem Zuhause – sie lassen es zu, dass der Terror ihren Alltag verändert und genau dadurch Einzug in ihr Leben erhält. Wenn Terror und Gewalt das Leben und Sein der Menschen verändern – damit beschäftigt sich das Stück „Herrumbre“, was übersetzt Rost bedeutet.


Zu einer sehr passenden Zeit, in der wir von Ängsten vor Terror und Gewalt verfolgt werden, spielt das Stück von Nacho Duarto, Leiter des Berliner Staatsballetts. Die ursprüngliche Inszenierung stammt aus dem Jahr 2004, welches von den Terroranschlägen in Madrid und den Veröffentlichungen von Fotos der Gefangenen von Guantanamo und Abu Ghuraib gekennzeichnet wurde. Terror, Tod und menschliche Abgründe wurden zu den leitenden Begriffen des Stücks, welches mit einer neuen Choreografie diesen Februar in der Staatsoper im Schillertheater, Berlin spielt.



Während des ca. 65 minütigen Stücks, werden wahrlich fast alle Sinne der Zuschauer beansprucht. Von der ersten Minute spürte ich Gänsehaut am ganzen Körper. Das Bühnenbild, durch grelles Licht und angsteinflößende Schatten perfekt in Szene gesetzt, wurde von Architekt Jaffar Chalabi konzipiert. In der Mitte der Bühne ein riesiges, bewegliches Metallgitter, durch das eine eigene dunkle Welt, in der die Tänzer gefangen zu sein scheinen, entsteht. Die angsteinflößende musikalische Untermalung des Stücks, ein Mix aus klassischer Musik und elektronischen Elementen, unterstreicht die Dunkelheit und angsteinflößende Atmosphäre. Lautes Knallen, Kratzen und Grollen scheinen die Bewegungen der Tänzer zu leiten. Diese winden sich am Boden, marschieren und kämpfen. Die bedrohliche Stimmung zieht sich durch die gesamte Aufführung, deren letzte Szene von einem Meer aus Grablichtern in traurigem rotem Licht erstrahlt.


Herrumbre heißt Rost. Rost, welcher sich an unseren Herzen ansetzt, wenn die Angst Überhand nimmt und wir im Angesicht der extremen, von Menschen ausgeführten Handlungen, im Namen von Gewalt und Terror abstumpfen und die Menschlichkeit ihren Platz auf dieser Welt verliert. Eine Aufforderung an uns, unsere Menschlichkeit auch in der derzeitigen schweren Situation nicht zu vergessen.

Fotos © Fernando Marcos