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Vergangene Woche tauchte ein Video im Netz auf, dass den Zeltplatz des diesjährigen Glastonbury Festivals am Tag nach der Abreise aller Besucher zeigte. Wo man hinsieht, türmen sich Bierdosen, Kleidungsstücke, Essenreste, Campingkocher – man kennt das. Schockierender hingegen ist, mit welcher Sorglosigkeit ganze Zelte, Luftmatratzen und Schlafsäcke zurückgelassen wurden.

Wieder einmal fragt man sich angesichts dieser bildlich gewordenen Auswüchse der Überflussgesellschaft, wie wir eigentlich konsumieren und vor allem – diese Frage stellt sich nämlich viel seltener – wie wir wegwerfen wollen. Ich fühlte mich an ein Projekt erinnert, das der amerikanische Fotograf Gregg Segal 2014 begann und 2015 fortführte. Jede Woche, wenn er seine 250 Liter-Mülltonne, die oft genug zum Bersten gefüllt war, an den Straßenrand brachte, dachte er über das Konsum- und Wegwerfverhalten seiner Landsleute und seiner eigenen Familie nach, das zumeist auf dem Prinzip „Aus den Augen, aus dem Sinn“ gründet.

Also machte er sich daran, eine Serie zu konzipieren, die es unmöglich machen sollte, das Müllproblem zu ignorieren: Er bat Verwandte, Freunde, Bekannte, Nachbarn und deren Freunde den gesamten Verpackungsmüll und alle Wertstoffe einer Woche zu sammeln, um sich dann inmitten dieses Müllteppichs liegend oder sitzend fotografieren zu lassen. 13 Kilo Müll produziert der durchschnittliche amerikanische Bürger jede Woche. Auf die Bevölkerung der USA hochgerechnet, sind das 4 Millionen Tonnen, die Woche für Woche entsorgt werden müssen.

Auf seinem Grundstück in Altadena, Kalifornien arrangierte Gregg dafür drei verschiedene Hintergründe. Den Waldboden legte er mit Moos, Blättern, Ästen und Pinienzapfen aus, das Wasserbecken ist eine mit Plastik ausgekleidete Eigenkonstruktion, für den Strand ließ er mehrere Zentner Sand, Muscheln und Seegras aufschütten. Die Teilnehmer werden dann von einer an einem Stahlgerüst angebrachten Kamera direkt und zentral von oben fotografiert.

7 Days of Garbage trägt keine explizit reformatorische Intention, auch wenn einige der Teilnehmer ihr Konsumverhalten danach verändert haben, vielmehr ist sie eine Art archäologischer Freilegung- nicht nur des dringenden Müllproblems, sondern auch unserer Werte.

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Alle Bilder © Gregg Segal

 

 

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