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Mitten im peruanischen Urwald, zwischen dichten Blätterwäldern und exotischen Pflanzenarten liegt Pozuzo, ein kleines Dorf mit ca. 1500 Einwohner. Wer hier die Siedlung eines indigenen südamerikanischen Stammes vermutet, liegt falsch: Statt Baumhäusern, Zelten und Lagerfeuern wird man hier rustikale Holzhäuser mit kleinen Blumenbalkonen vor dem Fenster erblicken. Und auf den Straßen Schilder wie „Tiroler Adler“ und „Gästehaus Schmidt“, in dem das ein oder andere Schnitzel serviert wird und ein Apfelstrudel gerne in der Variante eines tropischen Bananenstrudels zubereitet wird. Willkommen in Pozuzo, der „einzigen deutsch-österreichischen Kolonie der Welt“.

Was wie ein surreales Szenario aus einem noch surrealeren Fantasy-Film aus Hollywood erscheint, hat seine Ursprünge im Jahre 1857 in Silz: Dort finden sich am 16. März 1857 mehrere Bewohner des Tiroler Oberlandes zu einem Abschiedsgottesdienst zusammen, um der ihnen bekannten Welt den Rücken zuzudrehen und ein neues Land, ja einen neuen Kontinent zu entdecken. Zu dieser Zeit litten die österreichischen Bauern an den Folgen der fortschreitenden Industrialisierung, sodass die Agrar – und Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung verlor. In Pozuzo erhofften sich die Österreicher neu gewonnene Freiheit und Ländereien, die ihnen von der österreichischen Regierung versprochen wurden. Diese führte damals enge Beziehungen zu Peru, die für die unbewohnten Flächen Perus Siedlungspioniere und Wegbereiter für die dortige Landwirtschaft suchten. Und so entstand der Traum nach einem exotischen Neuanfang im Urwald.

Nach einer mühevollen Reise erreichten 112 Österreicher und Bayern das kleine Dorf im Amazonas-Gebiet. 200 weitere folgten in den nächsten Jahren, doch bis in die Mitte des 20.Jahrhunderts blieb Pozuzo in Vergessenheit. Der österreichische Forscher Prof. Hans Kinzl staunte nicht schlecht, als er 1932 im tiefsten Urwald seine Landsmänner und Landsfrauen in typischen Tiroler Trachten vorfand. Seitdem pflegen die Schweiz und Peru wieder eine offizielle Gemeindepartnerschaft zwischen Silz und Pozuzo.

Neben der Landwirtschaft ist der Tourismus ein boomender Wirtschaftszweig in Pozuzo geworden. Viele Touristen kommen in das Dorf, um traditionelle, österreichische Tänze mitten im Urwald zu sehen und die Tiroler Architektur zu bewundern. Ein Großteil der nachfolgenden Generation sind allerdings nicht mehr mit der österreichischen Sprache und Kultur vertraut, somit werden vermehrt Deutschkurse in Pozuzo angeboten. Schließlich ist hier der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle. Und wer weiß, vielleicht wird tatsächlich mal ein Hollywoodfilm a la „Heidi im Amazonas“ gedreht?

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