Man könnte Mathieu Tremblin für einen richtigen Spießer halten. Warum? Der Künstler aus Straßburg übersprayt unleserliche Graffiti-Tags und ersetzt sie durch typographisch einwandfreie Übersetzungen. Ganz nach dem Motto: Wenn ihr die Wand schon verschandeln müsst, dann macht es wenigstens leserlich.

Dem ganzen Projekt, das den Namen „Tag Clouds“ trägt, ist aber auch ein zutiefst kritische Dimension zueigen. Mathieus Übersetzungen ähneln nämlich stark jenen virtuellen Tags, wie man sie im Internet findet. Den Stichworten also, die Inhalte kategorisieren und vereinheitlichen, um Nutzern die Suche zu erleichtern.

Die Message ist also eine ambivalente: Auf der einen Seite bereinigt er eine ordinäre Botschaft mit den Mitteln der allgemein anerkannten visuellen Kommunikation, auf der anderen Seite beraubt er den Tag als persönliches Ausdrucksmittel natürlich jeglicher Individualität und lässt sie steril erscheinen.

Außerdem gleicht Mathieus Vorgehen einer harschen Aufforderung an alle Sprayer, das nicht auf sich sitzen zu lassen. Ein paar seiner bereinigten Wände versanken kurze Zeit später wieder in Farbe und Form. Kaum leserlich, aber genau das ist ja der Punkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Bilder © Mathieu Tremblin

 

 

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