Schwer beeindruckt stand ich zu den Parlamentswahlen in Schweden, an einem lauen Sommerabend vergangenen Jahres, vor der Bühne des Parktheaters in Stockholm und lauschte dem glitzernden Agitpop-Theater „Europa Europa“. In einer einmaligen Kooperation des Avantgarde-Electro-Duos The Knife und den Künstlerinnen von FUL, entstand mit „Europa Europa“ ein energetisches Theater zum Tanzen. Gespickt mit jeder Menge Satire, brachte „Europa Europa“ eine klare Botschaft hervor: „No borders, no nations, no deportations.“


Am 21. August 2015 feiert das Stück mit Anlehnung an die Identitäts- und Genregrenzen sprengenden Kabaretts der 1920er Jahr nun Deutschland-Premiere auf den Bühnen des Hamburger Kampnagels. Das Stück der queer-feministisch-postkolonialen Gruppe FUL und ihrer Hausband The Knife fordert dabei das vermeintlich utopische: die vollständige Auflösung der europäischen Genregrenzen. Dabei feiert es vor allem diejenigen, die es unter widrigsten Umständen an unsere Grenzen geschafft haben als Heldinnen und Helden der Stunde und gedenkt nicht zuletzt derer, die auf dem Weg gefallen sind.



Das antinationalistische Kabarett mit viel Liebe und exklusiver Musik von The Knife ist allerdings nur ein Teil der über 50 Projekte eines der größten europäischen Feste für zeitgenössische Kunst. Noch bis zum 23. August, gibt es neben „Europa Europa“ jede Menge Performances und Aufführungen aus den Bereichen Tanz, Musik, Bildende Kunst und Film in Hamburg zu sehen. Und so steht neben jeder Menge Pop und Performance, vor allem der kritische Blick in die Gegenwart klar im Vordergrund. Wer also in den nächsten Tagen in Hamburg sein wird, sollte sich die Chance nicht entgehen lassen und diesem kunterbunten Spektakel offene Augen und Ohren schenken – nicht nur aus gegebenem Anlass.

Fotos © von oben nach unten: Frank Aschberg, Patriez van der Wens

 

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